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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 03:51 Uhr

Leichte Muse mit Niveau

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Münchner Sommertheater unterhielt das Stadthallen-Publikum mit „Der Diener zweier Herren“ höchst amüsant

von
erstellt am 23.Mär.2015 | 06:33 Uhr

Schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt, dürfte sich das Eckernförde Publikum gesagt haben. Am Freitag warteten vergnügliche zweieinhalb Stunden auf die zahlreichen Gäste der Theatergemeinschaft Eckernförde. Das Münchner Sommertheater war angereist und hatte seine heitere Komödie von ursprünglich „open air“ im Englischen Garten Münchens doch lieber in die geheizte Eckernförder Stadthalle verlegt. „Der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni (1707-1793) stand auf dem Programm und entzückte Jung und Alt als spitzbübisch handfeste Komödie.

Ein amüsantes Durcheinander entwickelt sich auf der Bühne. Clarice, die Tochter des reichen venezianischen Kaufmanns Pantalone, wurde einst Federigo versprochen. Als man von dessen Tod berichtet, wird Silvio der neue Bräutigam, und die Liebe der beiden ist übergroß. Groß ist auch die Überraschung, als der totgeglaubte Federigo plötzlich wieder auftaucht – in Gestalt seiner Schwester Beatrice allerdings, die, nun als Mann verkleidet, nach ihrem Geliebten Florindo sucht. Das spritzige Kuddelmuddel führt zu einem erfreulich guten Ende: Jeder bekommt seinen Schatz.

Zwischen allem Drunter und Drüber steht Diener Truffaldino (Ramon Bessel) heldenhaft seinen Mann. Allein seine Erscheinung geht mit clownesken Zutaten schon zu Herzen, die runden roten Apfelbäckchen passen, seine oft tollpatschige Bauernschläue erobert das Publikum im Handumdrehen – schnell ist er zum Liebling des Abends avanciert. Im allgemeinen Verwirrspiel ergibt sich für Truffaldino schließlich eine doppelte Dienerschaft: Er ist gleich für zwei Herren – für Florindo und Federigo - der mehr oder weniger gute, aber stets dienstbare Geist. Um keine Ausrede oder Mogelei verlegen, redegewandt, gutwillig und schnell wie ein Wiesel, meistert er die verzwicktesten Situationen.

Diebische Mit-Freude im Saal, hörbar Zuspruch und mitfühlende Kommentare, - die amüsierten Zuschauer verfolgten das Geschehen gebannt. Dabei bezog das „Diener-Genie“ sein Publikum mit lausbübischem Charme erfolgreich ins Geschehen mit ein. Das ging so weit, dass man dem immer hungrigen Truffaldino sogar einen Bonbon auf die Bühne warf …

Ein reizendes Stückchen leichte Muse mit einem gediegenen Hauch von Volkstümlichkeit: Diener Truffaldino spielt – wenn’s passt, sein Akkordeon, der lange Pantalone greift auch schon mal rhythmisch passend in die Bassseiten, die reizende Beatrice kennt sich mit Flötentönen aus – da ist dann auch schon mal ein Ständchen im Dreivierteltakt drin. Und wenn der gewitzte Diener sein Lied über Lebensweisheiten singt, summt man nach der zweiten Strophe schon mit. Nur gerecht, dass Truffaldino mit Kammerzofe Smeraldina (Caterina Panunzio) zu guter Letzt auch noch sein rotbackiges Schätzchen bekommt.

Eine flotte Inszenierung von Ulrike Dissmann, die sicher mehr als alle Erwartungen erfüllte.

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