Proteste : Lehrermangel: Bürger auf der Straße

Laut und deutlich ging es gestern Nachmittag in Kappeln zu: Vor allem Schüler machten ihrer Sorge um eine gute Schulbildung mit Plakaten und Trillerpfeifen Luft.
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Laut und deutlich ging es gestern Nachmittag in Kappeln zu: Vor allem Schüler machten ihrer Sorge um eine gute Schulbildung mit Plakaten und Trillerpfeifen Luft.

Rund 800 Menschen demonstrierten gestern gegen die geplanten Einschnitte bei den Lehrerstellen an Kappelner Schulen.

shz.de von
05. Juni 2014, 06:00 Uhr

Kappeln | Trillerpfeifen, Plakate, knallgrüne Shirts, Rasseln und Trommeln – der Protest der Kappelner war weder zu überhören noch zu übersehen. Von der Polizei geschätzte 800 Menschen zogen gestern Nachmittag von der Klaus-Harms-Schule in Richtung Hafen, um ihrem Unmut über die geplanten Kürzungen bei den Lehrerstellen lautstark nach außen zu tragen. Etwa eine halbe Stunde lang blockierten sie dabei die B 201 und gaben Autofahrern so die Gelegenheit, in Ruhe ihre Transparente zu studieren. „Wir wollen unsere Lehrer behalten“, war dort zu lesen. Und die Rechnung „Schule + keine Lehrer = Kinder ohne Zukunft“. Ein Motto, das offenbar etliche der umliegenden Bildungseinrichtungen teilen können, denn neben der Kappelner Gemeinschaftsschule waren auch Eltern und Kinder der Gorch-Fock-Schule und der Klaus-Harms-Schule gekommen und nahmen am Protestzug teil.

Jeder von ihnen schien ganz genau zu wissen, was auf dem Spiel stand. „Ich bin hier, weil ich einen guten Abschluss machen will“, sagte etwa der 15-jährige Leik. „Und genau der ist gefährdet.“ Die 16-jährige Janina schließt in diesem Sommer die Gemeinschaftsschule ab, will danach aufs Gymnasium wechseln. „In anderen Ländern ist das Bildungsniveau jetzt schon viel höher“, sagte die Zehntklässlerin. „Es geht um unsere Zukunftschancen.“

Und die sehen nicht nur die Jugendlichen schwinden. Bürgermeister Heiko Traulsen etwa, der mitmarschierte, betonte: „Unsere Stadt steckt überall zurück, damit unsere Schulen gut ausgestattet sind. Ich erwarte, dass die Landesregierung dasselbe tut und in Lehrer investiert.“ Tatsächlich gehe es dabei nicht nur darum, nicht zu kürzen, sondern im Idealfall sogar aufzustocken. Auch der Nahbereichsschulverband zeigte sich solidarisch mit den Protestierenden. Verbandsvorsitzende Marta Kraft nannte die geplanten Kürzungen „den eindeutig falschen Weg“ und zitierte Heinrich Heine: „Geld ist rund und rollt weg. Bildung bleibt.“ Dessen möchte sich auch Petra Lymperopoulos sicher sein, deren Kind die sechste Klasse der Klaus-Harms-Schule besucht. „G8 ist sowieso schon schwierig“, sagte sie. Und die angekündigten Sparmaßnahmen ließen ihr keine Wahl – „wir müssen einfach auf die Straße“.

Dass diesen Gedanken so viele Menschen teilen würden, fand nicht nur der Kreiselternbeiratsvorsitzende Uwe Schröder „genial“. Er erinnerte daran, dass Bildungsministerin Waltraud Wende die geplanten Einschnitte mit der Schuldenbremse begründete, stellte dann aber schnell klar: „Die Schulden Schleswig-Holsteins dürfen nicht mit Bildung bezahlt werden.“ Nach den Ferien würden einerseits Zeitverträge junger Lehrer nicht verlängert, andererseits pensionierte Lehrer reaktiviert – „das geht vollkommen an der Realität vorbei“, sagte Schröder. Er wiederholte die Forderung des Kreiselternbeirats, auf die geplanten Streichungen zu verzichten – dies vor allem vor dem Hintergrund, nachdem der Bund entschieden hat, in das studentische Bafög zu investieren und so das Land Schleswig-Holstein um 36 Millionen Euro zu entlasten.

Für den Landeselternbeirat bekräftige Arno Holst diesen Ansatz. Der prognostizierte Lehrermangel betreffe alle Schulformen – „und wir sind nicht bereit, das länger mitzutragen“, sagte er. Benita von Brackel-Schmidt, Vorsitzende des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen, wusste von einem Gespräch mit der Bildungsministerin zu berichten, wonach diese angekündigt habe, einen Großteil der erwähnten 36 Millionen Euro, den Schulen zur Verfügung zu stellen, genauer in Lehrerstellen. „Das sind ausgesprochen positive Signale“, sagte von Brackel-Schmidt.

Als mindestens genauso positiv verbuchte Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker, die den Protest ebenfalls begleitet hatte, den großen Einsatz der Schüler anlässlich der Demonstration. „Es müsste für Kiel eigentlich erschreckend sein, dass der Leidensdruck selbst im beschaulichen Kappeln so hoch ist, dass es zu einer derart großen Demo kommt“, sagte Ungethüm-Ancker. „Und darauf dass die Kinder so sehr für ihre Bildung einstehen, können wir stolz sein.“

Für Christian Schlömer, Bürgermeister aus Brodersby, war es klar die Schüler und Eltern zu unterstützen. „Wir Kommunen geben viel Geld für die Attraktivität unsere Schulen aus, da kann die Landesregierung nicht Lehrrerstellen abziehen – das passt nicht“ sagte er auf  Nachfrage. Die Gemeinde ist Mitglied im Nahbereichsschulverband.

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