zur Navigation springen

Lehren aus der Vergangenheit: SIG Sauer setzt auf Kommunikation

vom

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Geschäftsführer Dirk Linnewedel (36) verweist auf eine neue Offenheit bei SIG Sauer. Man habe aus der Vergangenheit mit den oft harten Konfrontationen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat gelernt und pflege einen auf Kommunikation basierenden Umgangsstil. "Wir haben seitdem eine deutlich bessere Kommunikation im Hause", sagt Linnewedel. Dazu gehört auch, das weniger gute Botschaften mit dem Betriebsrat besprochen werden.

So auch Ende September 2012, als neue Vorgaben der Unternehmensgruppe und "strategische Anpassungen in Eckernförde" in die konkrete Planungsphase eintraten. Der Standort Eckernförde soll auf die Entwicklung, den Bau und den Vertrieb von Sportwaffen ausgerichtet werden, andere Linien wie die auf dem US-Markt angesagte Pistole "SIG Pro" und die Herstellung eines Sturmgewehres sollen stattdessen komplett ins größere Werk nach Exeter/New Hampshire (USA) wandern. Zudem sollen die bisher noch verbliebenen Teile der Kleinteilefertigung und bestimmte Metallarbeiten wegen deutlich niedrigerer Lohnkosten ins konzerneigene Werk nach Bulgarien verlegt werden.

Im Dezember, so Linnewedel, habe man eine Mitarbeiterversammlung einberufen, um die neue Ausrichtung und den geplanten Personalabbau bekannt zu geben. Zuvor seien von Oktober bis Dezember 30 Leiharbeiter nach Hause geschickt worden. 15 Mitarbeiter aus der Stammbelegschaft in der Produktion sollten folgen, es sei in Abstimmung mit dem Betriebsrat und der Agentur für Arbeit ein "Freiwilligenprogramm" aufgelegt worden, die ausscheidenden Mitarbeiter sollten ein Jahr bei rund 80 Prozent der Bezüge in einer Ende Februar gegründeten Transfergesellschaft aufgefangen werden. Sieben Mitarbeiter aus der Produktion haben das Angebot bislang angenommen. Ob die noch offenen acht Plätze in der Transfergesellschaft überhaupt noch durch ausscheidende Mitarbeiter besetzt werden sollen, ist noch offen. Denn SIG Sauer hat auf der internationalen Waffenmesse IWA in Nürnberg sehr gute Geschäfte gemacht: Mit einem Auftragsvolumen von 2,2 Millionen Euro lagen die Eckernförder um 400 000 Euro über Soll und 600 000 Euro über dem Messeergebnis des Vorjahres. Den Publikums- und Händlergeschmack voll getroffen hat die relaunchte "X-Line", eine Sportpistole modernster Prägung, die von Funktion und Design deutlich aufgewertet wurde und "made in Eckernförde" in den weltweiten Verkauf geht. "Sportschießen wird immer populärer", sagt Firmensprecher Niels Kirchhoff. Im internationalen Sportschützenverband IPC seien "Millionen von Mitgliedern" organisiert, bei denen die Sauer-Waffen höchstes Renommee genießen würden. Schießstände im Norden befänden sich in Kiel, Quickborn und Hamburg. Der Messeerfolg, so Linnewedel, sorge temporär für zusätzlichen Bedarf, reiche jedoch nicht für Festanstellungen. Die Produktionsspitzen würden über Zeitverträge und Leiharbeiter flexibel abgefangen. Keinesfalls jedoch verfahre man nach dem System "Stammpersonal raus - Leiharbeiter rein".

SIG Sauer erzielt am Standort Eckernförde einen Jahresumsatz von über 20 Millionen Euro und beschäftigt rund 160 Mitarbeiter, davon rund 80 in der Produktion. Die Umstrukturierungen im Unternehmen hätten zu einer "deutlichen Stabilisierung" geführt, sagt Linnewedel, der SIG Sauer im Sommer aus persönlichen Gründen verlassen wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen