zur Navigation springen

Legalisierung von Cannabis würde Gefahr verharmlosen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Öffentliche Diskussion über Drogen und Suchterkrankungen / Suchtkranke Menschen haben Anrecht auf Hilfe

von
erstellt am 11.Feb.2017 | 06:00 Uhr

„Das Thema Drogen wird in der Öffentlichkeit nach wie vor vernachlässigt“, sagt Dr. Matthias von Jagow, Leiter der Senioren-Union. Der Allgemeinmediziner hatte in seiner beruflichen Karriere oft mit den Schicksalen von Abhängigen zu tun. „Da stand man dem Thema manchmal hilflos gegenüber“, sagt er. Zusammen mit der Jungen Union organisierte er deshalb eine Podiumsdiskussion im Mangos unter dem Motto „Drogen- Die verkannte Gefahr“ . Dazu hatte er sich fachkundige Hilfe geholt. So kamen der Sozialpädagoge Daniel Frank und der Diplompädagoge Christian Pfluger, die an Schulen mit Abhängigkeiten konfrontiert werden.

„Bei Schülern sprechen wir da eher von Alkohol, als von Heroin und anderen Drogen“, betont Pfluger. Dennoch sei auch Cannabis ein Thema. Was generell vernachlässigt sei, ist die Internetsucht. Auch Hans Hinrich Neve, Mitglied des Landtages, nahm sich an diesem Abend die Zeit, um einen Einblick in die politische Dimension des Themas zu geben. „Cannabis ist in der Medizin ein wahrer Segen. In anderen Bereichen haben wir eine Null-Toleranz-Politik“, betonte der drogenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Stefan Gloe komplettierte den Kreis der fachkundigen Redner. Der Abteilungsleiter der Suchtberatung des Diakonischen Werkes ist in seinem Alltag oft mit Suchterkrankungen konfrontiert. „Drogensucht ist eine Krankheit. Die Menschen haben ein Anrecht auf Hilfe“, sagt er.

Besonders an Schulen werde schon eine Menge getan, um die Jugendlichen auf die Gefahren von Rauschgift hinzuweisen. Trotzdem seien diese Substanzen überall zugegen. „Ein Schulleiter gestand mir, dass es an jeder Schule einige gebe, die Drogen nehmen würden“, sagt Matthias von Jargow. Dem pflichteten Pfluger und Frank prinzipiell bei. „Im Schulalltag spielt es eine geringe Rolle, aber die Schulen nehmen das Thema Prävention sehr ernst“, betont Frank. Vor allem bei sozial benachteiligten sei die Gefährdung deutlich zu spüren. Dabei gehe es vor allem um legale Drogen wie Alkohol. „Im Jahr 2015 sind 40  000 bis 70  000 Menschen durch Alkohol gestorben. Das ist der Umfang, um den es hier geht“, sagt Gloe. Aus dem Publikum wurde an diesem Punkt das Wort an Landtagsabgeordneten gerichtet. „Warum gibt es immer noch keine Werbung gegen Alkohol?“, fragte ein Bürger. Neve betonte, dass Alkohol im westlichen Kulturkreis derart verankert sei, dass ein Verbot nichts bringe. Dennoch greife die Polizei besonders auf Festen hart durch. „Wir legen Wert darauf, dass Minderjährigen Wodka und Ähnliches sofort abgenommen wird“, betont Neve.

Schnell kam die Debatte zu der Frage einer Legalisierung von Cannabis. Diese hätte Vor- und Nachteile. „Besonders für Schüler wäre eine Legalisierung gefährlich, da sie verharmlosend wirkt“, betont Pfluger. Auch müsse man von einer Verurteilung von Suchtkranken wegkommen. „Diese Menschen sind krank. Wir müssen unser Möglichstes tun, um ihnen zu helfen“, sagt Gloe. Die Gäste gingen mit einem geschärfteren Blick nach Hause. Dennoch muss weiter über dieses Thema geredet und aufgeklärt werden.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen