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Eckernförder Zeitung

26. September 2017 | 14:56 Uhr

Umfrage : Lebensmittel aus dem Internet ?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Amazon kündigt Versand von Frischwaren ab September an / EZ hört sich dazu auf dem Gettorfer Wochenmarkt bei den Kunden um

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Der Internethandel ist auf dem Vormarsch, immer mehr Inhaber kleiner Geschäfte, die Miete zahlen und Personal vorhalten, können mit den Preisen nicht konkurrieren und müssen schließen. Trifft diese Entwicklung nun bald auch den Lebensmittelmarkt? Gerade hat der weltweit größte Versandhändler Amazon angekündigt, nun auch den Lebensmittelmarkt in Deutschland aufzumischen und ab September dieses Jahres frische Lebensmittel online zu verkaufen. Neben Obst und Gemüse sollen die Kunden auch Fleisch, Fisch und Milchprodukte online bestellen können. Wie sehen das die Kunden?

Auf dem Gettorfer Wochenmarkt sind die Menschen allesamt skeptisch. „Ich würde bei dem Internethandel nie etwas bestellen, nicht mal ein Buch“, sagt etwa Thea Lüthje (62) aus Osdorf. „Die machen die kleinen Händler kaputt.“ Außerdem ist sie gegen die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, über die sie von den Internethändlern gehört hat. Sie selbst schätzt den persönlichen Kontakt. „Meine Lebensmittel kaufe ich am liebsten am Biostand“, sagt sie. „Ich möchte sehen, riechen und wissen, wo das herkommt, was ich esse.“ Sie fürchtet jedoch, dass sich der Online-Handel auch im Lebensmittelbereich durchsetzen könnte. Denn viele Leute seien bequem und sähen nur den finanziellen Vorteil.

Konrad Lange (69) aus Schinkel findet es schlimm, dass der Versandhändler Amazon nun auf den Lebensmittelmarkt drängt. „Da fällt die Kontrolle noch schwerer, woher die Lebensmittel kommen“, sagt er. „Es geht nur noch um billig, billig, billig. Die Erzeuger und die Mitarbeiter bei Amazon werden abgespeist mit einem Butterbrot.“ Er selbst kauft Lebensmittel am liebsten auf dem Wochenmarkt. Ihm sind Dezentralisierung und Vermarktung vor Ort wichtig. Auch bei Wurst und Käse interessiert ihn die Art der Herstellung. „Das andere ist so eine Entfremdung“, findet er. Bei Gemüsekisten, wie sie einige Hofläden in der Region anbieten, sei das etwas anderes.

Auch Helga Meschkat (76) aus Gettorf würde ihre Lebensmittel nicht im Internet kaufen. „Ich möchte doch lieber vor Ort sehen, was ich kaufe, und wissen wo es herkommt“, sagt sie. „Das finde ich appetitlich. Am besten hier aus der Region.“ Auf dem Wochenmarkt könne man auch mal etwas probieren. Vielleicht sei der Internethandel mit Lebensmitteln eine Option für Menschen, denen das nicht wichtig ist oder die es zeitlich nicht schaffen, sagt sie. Aber gerade Lebensmittel sollten ihren Preis haben.

Das meint auch Ilse Quander (58) aus Gettorf. „Ich bin da ganz ehrlich, ich kaufe überhaupt nichts im Internet“, verrät sie. „Alles, was ich vor Ort bekomme, kaufe ich hier ein. Ich lasse mein Geld gerne hier. „Die Supermärkte und der Wochenmarkt haben doch ein super Angebot“, findet sie. Auch wenn sie mal etwas Besonderes kochen möchte. Zudem schätzt sie die Kommunikation. „Man trifft immer jemanden zum Klönschnack.“

Auch Bernd Czech (50), ehemals Gettorfer, der seit Jahren in Sarnen in der Schweiz lebt, hält nichts vom Internethandel mit frischen Lebensmitteln. „Das ist etwas für Leute, die nicht aus dem Haus können“, findet er. Die soziale Komponente sollte man nicht vergessen. „Viele wollen beim Einkaufen schnacken.“ Dennoch werde es wohl so kommen. Karrierepaare ohne Kinder, die keine Zeit mehr zum Einkaufen hätten und Gäste bekämen, werden das Angebot nutzen, schätzt er. Die Schweizer seien da übrigens sehr zurückhaltend.

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