Mama Massai : Lebensmission in Afrika

Mama Massai Angelika Wohlenberg-Kinsey mit Massai Isaac beim Vortrag in Borby.
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Mama Massai Angelika Wohlenberg-Kinsey mit Massai Isaac beim Vortrag in Borby.

Angelika Wohlenberg-Kinsey lebt seit über 30 Jahren bei den Massai in Tansania. Jetzt hat sie ihren Bruder in Eckernförde besucht und einen Vortrag im Gemeindehaus gehalten. Mit dabei: fünf Massai.

shz.de von
29. Mai 2015, 06:02 Uhr

Eckernförde | Das hier klang ganz anders, als die gewohnte Musik im Borbyer Gemeindehaus: Dort, wo sonst der Jugendchor „Soulteens“ oder der Gospelchor „BoGo“ proben, waren am Mittwochabend afrikanische Klänge zu hören: Wieder einmal war die als „Mama Massai“ bekannt gewordene Angelika Wohlenberg-Kinsey zu Gast und hatte einige ihrer Massai mitgebracht, um über Ihre Arbeit zu berichten und die Menschen dafür zu begeistern. Ein Bruder von Mama Massai – der Eckernförder Architekt Matthias Wohlenberg, Mitglied der Gemeinde Borby und des BoGo – begleitete seine Schwester zu dieser Veranstaltung. Seit über 30 Jahren teilt die aufgrund ihres rasanten Fahrstils auch „schnelle Schwester/Sister Haraka“ genannte Angelika Wohlenberg das harte Leben der Massai im Norden von Tansania – ein einfaches Dasein ohne die für uns selbstverständlichen Annehmlichkeiten wie täglich verfügbarer Strom oder fließendes, sauberes Wasser im Überfluss. Verheiratet ist sie seit 2011 mit dem US-Amerikaner Erwin Kinsey, der in Tansania das Entwicklungsprojekt „Global Service Corps“ leitet.

Als Angelika Wohlenberg vor 32 Jahren als junge Krankenschwester und Hebamme für eine Art „mobilen Gesundheitsdienst“ im Auftrag der Nordelbischen Kirche nach Tansania reiste, war sie mit ihrer Hautfarbe und den langen, blonden Haaren für die Massai eine Ausnahmeerscheinung. Heute wird sie von den Menschen dort zutiefst verehrt, da Hilfe und Unterstützung unter Wahrung der Kultur und Tradition der Massai erbracht werden.

Die Massai sind ein stolzes Volk und leben als Halbnomaden im Norden Tansanias sowie im Süden Kenias, erzählte Angelika Wohlenberg-Kinsey. Durch ihre auffallende, bunte Kleidung und ihren besonderen Ohrschmuck gelten sie als eine der bekanntesten afrikanischen Volksgruppen, obwohl ihre Zahl auf nur etwa eine halbe bis eine Million geschätzt wird. Bei Dorffesten zelebrieren die jungen Massai, die zum Krieger ernannt werden wollen, ihren Stammestanz und springen dabei auf und ab. Und das so hoch wie nur irgend möglich. Angelika Wohlenberg berichtete von „Sprüngen aus dem Stand (!) von über einem Meter“. Dabei dürfen die jungen Krieger den Boden mit ihren Fersen nicht berühren.

Noch heute gelten bei den Massai die Frauen traditionell als Besitz – zuerst als der des Vaters, der seine Töchter als Ware gegen Ziegen oder Kühe an einen „Ehemann“ eintauscht. Dieser kann durchaus bereits einige Ehefrauen besitzen, denn Polygamie ist bei den Massai noch immer verbreitet. Beschneidungen von Jungen und Mädchen werden bei den traditionellen Massai nach wie vor durchgeführt.

Und hier beginnt die bemerkenswerte Arbeit von Angelika Wohlenberg, die als Mama Massai mit ihrem frischen, mitreißendem Engagement eine große Tat für die Bildung und Gesundheitsversorgung der Massai leistet, die mehr ist als nur Entwicklungshilfe. Gemeinsam mit den Massai und einigen Mitstreitern gründete sie bereits 1997 den Verein „Hilfe für die Massai e.V.“, der sich komplett und allein durch Spenden trägt. Mit den Spendengeldern in Höhe von rund 400  000 Euro pro Jahr konnte in der größten Stadt Nordtansanias, in Arusha (1,7 Mio Einwohner), ein Waisenhaus für etwa 25 Kinder entstehen und nahe Malambo – nordöstlich des Serengeti-Nationalparks – ein großes Schulzentrum für über 740 Schüler. 45 Angestellte – davon vier Deutsche – kümmern sich täglich um die Belange der Kinder – sei es, dass der Unterricht vorbereitet, die grüne Schuluniform oder neue Schuhe organisiert oder das Schulessen zubereitet werden müssen.

Eine Besonderheit des Schulzentrums neben der erst neu erbauten Gemeinschaftshalle ist der Wasserturm mit einer Speicherkapazität von 105  000 Liter. Wichtig zu wissen, dass einem täglichen Wasserverbrauch für die ganze Schule von 350 bis 400 Liter eine Regenzeit von gerade ein bis zwei Wochen im ganzen Jahr entgegensteht. Für uns hier mit einem Wasserverbrauch von über 120 Liter pro Person täglich kaum vorstellbar. Dieses Schulzentrum als Bildungsstätte für die jungen Massai ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Massai den vielen Veränderungen durch Klimawandel, Landraub und Krankheiten entgegenwirken können. Durch ihre Ausbildung erreichen die Mädchen und jungen Frauen Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl, sie werden befähigt, selbstbewusst um ihre Unabhängigkeit und Gleichberechtigung in Tansania zu kämpfen.

Das nächste Bauvorhaben in Form einer weiterführenden Sekundarschule besteht vorerst nur auf dem Zeichenbrett. Benötigt wird dafür wieder finanzielle Hilfe, die in Form von persönlichen Patenschaften oder einfach als Spende geleistet werden kann.

Angelika Wohlenberg-Kinsey versprüht mit ihrer ungezwungenen Art eine derartig pure Lebensfreude, die sie, wie sie selbst sagt, aus ihrem christlichen Glauben schöpft. Ihr Lebensmotto „Alles im Namen Jesu mit einem unerschrockenen Herzen“ hat ihr in vielen schwierigen Situationen den für sie richtigen Weg gezeigt.

Ein informativer und sehr gut besuchter Abend fand mit einem fröhlichen Lied der Massai und einem gemeinsamen Gebet seinen Abschluss. >I

nformationen gibt es unter www.massai.org oder bei der Geschäftsführung des Vereins in Ascheberg, Tel. 04526/290.



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