Lebendige Geschichte im Deutschen Historischen Museum in Berlin

Die Trauernde Germania 1868 – das Marmordenkmal von Michael Arnold zur Erinnerung an die Gefallenen im Gefecht zwischen bayerischen und preußischen Truppen im Jahr 1866.
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Die Trauernde Germania 1868 – das Marmordenkmal von Michael Arnold zur Erinnerung an die Gefallenen im Gefecht zwischen bayerischen und preußischen Truppen im Jahr 1866.

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13. Mai 2019, 17:27 Uhr

Eckernförde/Berlin | Keine Ausstellung hat mich bisher so beeindruckt, war so instruktiv und anregend wie die Dauerausstellungen „Deutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Auf 7500 Quadratmetern und 2 Etagen erzählen mehr als 7000 historische Exponate und Erläuterungen von Menschen, Ideen, Ereignissen und geschichtlichen Abläufen aus rund 1500 Jahren deutscher Vergangenheit. Die Fülle von Informationen und historischen Zeugnissen sind an einem einzigen Tag schwer zu erfassen.

So ist es hilfreich, dass die Ausstellung in acht Epochen, die wichtigsten Phasen der deutschen Geschichte, gegliedert ist. Dies ermöglicht, individuelle Schwerpunkte zu setzen. Im Obergeschoss befindet sich die Darstellung der Geschichte vom Mittelalter über die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg bis hin zum deutschen Kaiserreich und dem Ende des ersten Weltkriegs 1918. Es lohnt sich, dort den Film im Eingangsbereich anzusehen, der einen Überblick über die Ausstellung und deren Gliederung gibt.

Das Erdgeschoss thematisiert die Zeit der Weimarer Republik, das NS-Regime und die Geschichte der beiden deutschen Staaten bis zur deutschen Einheit. Breiter Raum wird den 12 Jahren NS-Diktatur eingeräumt. Jede Epoche wird am Anfang vorgestellt als sogenannter „Meilenstein“, selbstleuchtende Stelen, mit grundlegenden Informationen über den jeweils zugehörigen Epochenabschnitt. Daneben erfährt man, wie sich die deutsche Sprache entwickelt hat und sich die Grenzläufe in Deutschland und Europa verändert haben.

Durchgängig wird die deutsche Geschichte in ihrem europäischen Bezugsfeld dargestellt. Schwerpunkt der Ausstellung ist die politische Geschichte, ihrer Herrscher, Politiker und Gemeinschaften. Daneben bekommt man aber auch einen gewissen Einblick in die Geschichte des Alltags, der Arbeit und der Lebensbedingungen. Ergänzt wird dies mit unzähligen materiellen Hinterlassenschaften wie Dokumente, Gemälde, Plakate, Waffen, Exponate, die den technischen Fortschritt dokumentieren sowie Dinge der Alltagskultur. Sie geben zu den historischen Informationen einen unmittelbaren Bezug zur Vergangenheit.

Wer diese Ausstellung in sich aufnimmt, hat einen tiefgehenden Überblick in viele Aspekte der wechselvollen Geschichte der Deutschen gewonnen. Man fragt sich am Ende, ob die Identität Deutschlands, das, was Deutschland war, allmählich verloren geht, wenn sich die europäischen Länder immer enger zusammenschließen. Ein Besuch, der nachdenklich macht und in jedem Fall sehr empfehlenswert ist.

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