Lauf ins Leben 2015 : Lauf der Hoffnung und der Emotionen

In sich gekehrt, aber auch offen für Zuwendungen von außen machten sich die Teilnehmer des Lauf ins Leben auf die Abschlussrunde.
1 von 4
In sich gekehrt, aber auch offen für Zuwendungen von außen machten sich die Teilnehmer des Lauf ins Leben auf die Abschlussrunde.

Der 11. Lauf ins Leben am Schulzentrum Süd hat am Wochenende 1059 Teilnehmer beim 22-Stunden-Lauf für die Krebsgesellschaft in Bewegung versetzt. Es war mit Einnahmen von 33000 Euro auch finanziell ein Erfolg.

von
20. Juli 2015, 06:09 Uhr

Die letzte Runde nach 22 Stunden: Nenas Song „Wunder geschehen“ dröhnt aus den Lautsprecher, begleitet die Teilnehmer. Viele sind in sich gekehrt, haken sich ein beim Nebenmann, bei einigen fließen Tränen in Gedenken an Verstorbene oder an Krebs Erkrankte, die Kerzentüten brennen, die mittelalterlichen Kämpfer stehen Spalier vor dem umkränzten Torbogen. Die Gemeinschaft fängt in diesen sehr emotionalen Momenten alle auf. Jeder Einzelne in Gedanken, aber gleichzeitig alle vereint auf der Laufbahn und in den Herzen. Dieses wunderbare Erlebnis, das kaum in Worte zu fassen ist, gibt es nur beim Lauf ins Leben der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft in Eckernförde. 44 Mannschaften mit 1059 Teilnehmern waren von Sonnabend bis Sonntag Mittag gemeinsam unterwegs und haben in großen Zelten auf dem Sportplatz am Schulzentrum Süd einen Tag und eine Nacht verbracht.

Und es floss dank der Teilnahmebeiträge und der Sponsorenhilfe reichlich Geld, dass die Krebsgesellschaft für die Krebsberatung in Eckernförde, Workshops und Kurse vor Ort einsetzt: Projektleiterin Wienke Voß gab die Zahl bekannt: über 33  000 Euro – Jubel bei allen Beteiligten. Wesentlich zu diesem guten Ergebnis beigetragen haben Großspenden wie die 3030 Euro vom Provinzial-Team, das auf einen Teil seines Gehalts für wohltätige Zwecke verzichtet, die 2900 Euro, die die „Strandläufer“ aus Föhr auf der Insel gesammelt haben oder auch die rund 450 Euro, die die Physios der Helios Klinik Damp, die die Muskeln der Läufer geschmeidig hielten, der Krebshilfe schenkten.

Der einsetzende Regen am Sonntag war den überwältigenden Emotionen und der familiären Atmosphäre der Finales in keiner Weise abträglich. Der Lauf ins Leben hatte Sonnabend bei herrlichem Wetter begonnen. Während auf dem Rasen die Camps mit Zelt, Schlafsack und Grill errichtet wurden und rings herum die vielen Stände und die Bühne das Areal mit Leben füllten, setzten sich auf der Laufbahn die Läufer und Geher in Bewegung. Wer hier unterwegs ist, taucht tief ein in eine einzigartige Atmosphäre aus Begegnungen und Solidarität.

Heide Böse, der gute Engel im Frühstückszelt, hat liebevoll kleine Notizbüchlein als Willkommensgeschenk gebastelt und möchte damit für jeden Einzelnen einen Platz schaffen, wo man gute und nicht so gute Gedanken und Gefühle festhalten, aber auch loslassen kann. Schirmherrin Harriet Heise und Professor Dr. Thomas Becker von der Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein begrüßen alle Teilnehmer. In einer Ecke des Frühstückszeltes zeigt Organisatorin Wienke Voß eine bunte Kartenecke, von jeden Betroffenen mit Gedanken zu dem Thema „Ich bin kostbar, weil…“ beschrieben. Man liest Sätze wie „…weil ich trotz vieler Rückschläge immer positiv bin und dies auch weitergeben kann…!“ Für Anneke Heinrich (34) aus Kiel ist dies eine bewundernswerte Stärke, die man als kranker Mensch aufnimmt: „Sie macht einen manchmal hilflos und wütend, traurig und aggressiv, diese unberechenbare Krankheit. Ich wollte heute nur mal schauen, aber ich werde ganz sicher den Kontakt suchen, weil es schön ist, diese Gemeinschaft zu spüren.“

Katharina Papke, Geschäftsführerin der Krebsgesellschaft, war zutiefst beeindruckt von dieser Atmosphäre. Der Lauf ins Leben erlebte mit der Eröffnungsrunde der an Krebs erkrankten Menschen einen ersten emotionalen Höhepunkt. Statt eines Grußwortes war Bürgermeister Jörg Sibbel wieder in sein Laufdress geschlüpft und zeigte seine Solidarität wie die übrigen Teilnehmer auf der Laufbahn. Ob Laufen, gehen, walken oder im Rollstuhl geschoben, alles ist gestattet. Der ein oder hält einen Klönschnack mit seinem Lauf-Nachbarn, so mancher ist im Gedanken versunken, andere wiederum laufen zielstrebig ihre Bahnen.

Die „Strandläufer“ aus Föhr sind seit 2004 dabei. Bunte Schiffe und Fahnen schmücken ihr Domizil. Dafür gab’s den Preis für das am besten dekorierte Zelt. Eine bunte Truppe sind auch die Borby Dixies und Freunde, sie laufen unter den Namen „Borbyer Kreisläufer“. Mit dabei 25 Läufer der Imland Klinik, sie haben ihr Zelt mit einer Richtkrone geschmückt. Vor dem Zelt des St. Martin Stifts Eckernförde zeigt Ingelore Selle stolz die liebevoll gebundenen Blumenstöcke: „Wir freuen uns einfach daran, sie sehen aus wie zur Gilde.“ Nicht wegzudenken ist Helga Ballert (74) vom Gettorfer SV, liebevoll wird sie die „Mitschnackerin“ genannt, sie hat gleich 60 Teilnehmer mobilisiert und schafft es jedes Jahr aufs Neue, ihre Mitmenschen für die gute Sache zu gewinnen.

Im Kerzenzelt herrscht Stille, hier hat jeder die Möglichkeit für die abendliche Kerzenzeremonie eine eigene Kerzentüte zu malen, mit Wünschen oder Grüße zu beschriften. Eine Aktion, die Corinna Kiencke aus Rieseby für ihren Schwiegervater „Heinzel“ (74), der gegen den Lungenkrebs kämpft, gerne wahrnimmt. Neben Sonne und Herzen steht der Schriftzug: „Ich wünsche Dir viel Kraft. Wir haben Dich lieb!“ Gemeinsam mit Viola Feuerstack, die an ihre im letzten Jahr an Brustkrebs verstorbene Schwester Cordula (44) denkt – „Sister of my Heart, I’m still miss you, so much“ –, füllen sie die Erde und Kerzen in die Tüten. Beide sind sich einig: „Es ist schön, dass es diese Möglichkeit gibt, zu gedenken, aber auch nach vorn zu schauen und so Spenden für Projekte und Hilfen zu sammeln.“ Viola Feuerstack läuft als „Flietzpiepe“ für den TSV Rieseby.

Ein besonderer und tief berührender Teil der Veranstaltung ist die abendliche Kerzenzeremonie. Moderatorin Katja Bock ruft alle Läufer zur Bühne, während der Zeremonie wird der 22 Stunden Lauf kurz eingestellt. Feierlich umrahmen Petra Kiencke-Meißner musikalisch und Diakon Christoph Schröder-Walkenhorst mit einfühlsamen Worten das Entzünden der Lichter. Viele Kerzentüten umsäumen die Laufbahn, jede mit einer Schicksalsgeschichte. Still, von Fackeln begleitet wird eine Runde in Gedenken an Betroffene gegangen – ein berührender, unter die Haut gehender Moment.

Für viel Unterhaltung sorgte das Rahmenprogramm, ob Plattdeutsches Theater „Diner for One“ mit den Snutensnacker aus Loose, das Musikprogramm von „Vacuum“ über die „Suhrbrook Family“ bis „Zweistimmig & Freunde“, Tanzeinlagen, Vorträge, Massage bis hin zum Blick in die Sterne, mittelalterliches Lagerleben mit Miranargh und der Schule für Mittelalterlichen Schwertschaukampf oder für die kleinen Besucher farbenfrohe Riesen-Seifenblasen, es war für jeden etwas dabei. Einfach mal stehen bei Kaffee, frischen Waffeln von Franziska (14) und Kim Lea (17), unermüdlich gezaubert oder beim Imbiss ins Gespräch kommen, diese Miteinander fand großes Anklang. Ein großes Lob galt dem Organisationsteam des Technischen Hilfswerk Eckernförde und dem DRK. Ganz im Stillen leisten sie eine wichtige Arbeit, ebenso wie die 40 Helfer, die ehrenamtlich für einen reibungslosen Ablauf sorgten.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen