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Gettorf: Chronik für Kleingärtnerverein : Laubenpieper halten Historie fest

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kleingärtnerverein „Frahmkoppel“ feiert 2018 das 100-jährige Bestehen. Ehrenvorsitzender Wichard Urhammer erstellt eine Chronik.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 06:48 Uhr

Gettorf | Im Ersten Weltkrieg leiden Kinder und Erwachsene große Not. Gemüse aus dem eigenen Schrebergarten sind damals ein Segen. Es entstehen ganze Kolonien. 2018 feiert der Kleingärtnerverein „Frahmkoppel“ in Gettorf sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erstellt Ehrenvorsitzender Wichard Urhammer gerade eine Chronik. „Zum Jubiläum soll das Werk fertig sein“, kündigt der 79-Jährige an.

Seine Arbeit verrichtet der Gettorfer in der Laube auf seiner Parzelle: „Hier habe ich meine Ruhe“, sagt der langjährige Vorsitzende augenzwinkernd. Ganz nebenbei macht er seinen Garten winterfest, gräbt die Beete um. Unterdessen stapeln sich auf einem Tisch in der Laube alte Protokolle, Dokumente, Zeitungsausschnitte, Fotos und Karten. „Einiges habe ich noch von meinem Vorgänger“, berichtet Urhammer. Er zeigt alte Schwarzweiß-Aufnahmen, worauf heitere Laubenpieper bei einem „Kappenfest“ des Kleingärtnervereins zu sehen sind. „Das war um 1930“, sagt er.

Ebenso führten ihn seine Recherchen ins Gettorfer Heimatmuseum, wo Urhammer auf weitere Schriftstücke stieß. Jetzt wälzt der Hobbygärtner den Berg an Schriftstücken, taucht in die Welt vor 100 Jahren ein. „Es ging den Kleingärtnern damals darum, zu überleben“, sagt Urhammer, „heute ist es hingegen ein Freizeitvergnügen.“ Doch gerade in Kriegszeiten herrschte Hunger in der Bevölkerung. „Es wurde überwiegend Gemüse angebaut“, sagt der Ehrenvorsitzende, „Blumen kamen erst später dazu.“

Die Gründung des Vereins erfolgte nach seinen Worten am 15. September 1918. Die Bezeichnung lautete damals noch Gartenpächterverein. Dessen Wiege stand Urhammer zufolge auf dem Gelände zwischen Ringweg, Gartenstraße und Kieler Chaussee, wo sich später der Sportplatz befand und nun das Baugebiet „Triangel“ aus dem Boden gestampft wird. Die Kleingärtner bewirtschafteten dort 140 Parzellen. Bereits 1915 hatte die Gemeinde das Gelände von einem Hofbesitzer erworben. Kaufpreis: 47500 Reichsmark. Urhammer: „Die Gemeinde nahm eine Anleihe auf.“ Ein Teilstück sei mit Häusern bebaut worden.

Es blieb nicht das einzige Kleinod. „Im Zweiten Weltkrieg wurden Gärten knapp, es kamen ja auch einige Flüchtlinge nach Gettorf“, so Urhammer. Eine Anlage mit 169 Parzellen entstand „in Richtung Bornstein“, wie der Ehrenvorsitzende erläutert. Ebenso wurschtelten Kleingärtner am Ravensberg, wo sich jetzt ein Gewerbegebiet befindet. „In Spitzenzeiten hatte der Verein über 800 Mitglieder“, rechnet er vor. Die „Frahmkoppel“-Anlage im Südosten der Gemeinde gibt es Urhammer zufolge seit 1920. Vor etwa 20 Jahren trennten sich die Gartenfreunde der „Tannenkoppel“, ein Gelände im Nordwesten Gettorfs, von dem Verein.

Liegen Schrebergärten überhaupt noch im Trend? „Es gibt jüngere Leute, einige sind erst in den Zwanzigern, die in den Verein eintreten“, berichtet Urhammer, dessen Garten schon als „schönste Parzelle“ im Kreis Rendsburg-Eckernförde ausgezeichnet wurde. 43 Parzellen bewirtschaften die Kleingärtner auf der „Frahmkoppel“. Urhammer freut sich über einen gelegentlichen Klönschnack am Zaun, „man hilft sich gegenseitig“, trinkt mal ein Bier zusammen, und außerdem werde im Verein mitunter gegrillt „Und wenn wir hier Kinderstimmen hören, ist das umso besser“, sagt der Ehrenvorsitzende, „das werden vielleicht mal unsere Nachfolger.“

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