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Sperrung der Rader Hochbrücke : Lastwagen drängen sich durch Eckernförde

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Seitdem die Rader Hochbrücke gesperrt ist, rollt der Schwerlastverkehr durch Eckernförde. Die Lastwagen donnern durch die Straßen, die Tassen wackeln im Schrank.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 01:36 Uhr

Eckernförde | Seit zwei Wochen ist die Rader Hochbrücke für alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gesperrt. Seit zwei Wochen ist Eckernförde deshalb ein Nadelöhr, durch das sich die Lkw von morgens bis abends drängen. Die tonnenschweren Kolosse nehmen die Umleitung über die B76, fahren von der Berliner Straße über den Domstag und biegen schließlich auf die Rendsburger Straße wieder Richtung Autobahn ab - und andersherum. Das ist nicht nur für Fahrer und Spediteure ein unangenehmer Umstand. Das hohe Verkehrsaufkommen wird auch für Autofahrer zur Geduldsprobe und für Anwohner zu einem alltäglichen Ärgernis.
"Ich habe den Eindruck, das werden täglich mehr", sagt Bärbel Michelsen. Die 50-Jährige arbeitet bei der Fleischerei Sörensen im Domstag. Von 6 bis 18 Uhr ist hier geöffnet, und von 6 bis 18 Uhr finden die Mitarbeiter kaum noch eine ruhige Minute. "Der Lärm ist schon belastend", so die Fleischereifachangestellte. "Manchmal müssen wir uns richtig anbrüllen. Aber die Kunden nehmen das mit Humor." Dennoch: Die Belastung durch den Lärm spüre man. "Das stresst. Unsere Chefin genehmigt da auch schon mal eine Extrapause, damit wir uns mal im Hinterzimmer entspannen können."

"Da vibriert drinnen alles"

Lärm durch das Abbremsen der Lkw und vor allem die Beleuchtung nerven Meik Sibbers. "Die fahren teilweise mit Fernlicht. Dann ist meine Wohnung hell erleuchtet", so der 26-Jährige, der am Anfang der Bismarckstraße wohnt. Andererseits sei es ja nur für eine Weile, stimmt er seiner Nachbarin Christel Jansen zu. "Irgendwo müssen die ja langfahren", betont sie.
Angst und bange wird es Nicole und Christian Schulz vor allem, wenn Schwer- und Gefahrentransporter ihr Haus im Brookhörn passieren. "Neulich hat hier ein Säure-Lkw mitten auf der Straße gedreht. Gar nicht auszudenken, wenn da mal was passiert", meint Christian Schulz. Die jungen Eltern sorgen sich auch um ihren Sohn Erik. "Man mag ihn im Garten nicht einen Moment aus den Augen lassen." Problematisch sei zudem die Kombination mit dem derzeit häufig defekten Bahnübergang, so der 32-Jährige. "Die Lkw rangieren rückwärts in die Spielstraße hinein, um hier zu wenden." Auch die Lärmbelästigung sei ärgerlich. "Es geht Tag und Nacht so. Das Fenster kann man da gar nicht auflassen und im Garten sitzen mag schon gar nicht mehr", so Nicole Schulz. Aber selbst im Haus werden man aufgeschreckt. "Die brettern hier ganz schön lang. Da vibriert drinnen alles", ergänzt Christian Schulz.

Wer kommt für die Straßenschäden auf?

"Die Fahrer haben natürlich Zeitdruck", sagt Rolf Schumacher, der im Domstag als Hausmeister arbeitet. Deshalb hätten sie häufig ordentlich Tempo drauf. "Mieter haben mir berichtet, dass bei ihnen die Tassen im Schrank wackeln, wenn die Laster hier durchrollen." Er frage sich aber vor allem, wer für die Straßenschäden aufkommt, die nun durch die Mehrbelastung in Eckernförde entstehen könnten.
In dem Falle, so Bürgermeister Jörg Sibbel, werde das Land als Träger herangezogen. Mit bis zu 7000 Lastwagen, die täglich durch Eckernförde fahren, sei die Belastungsgrenze für Eckernförde überschritten. Die B76 werde ja vierspurig ausgebaut, weil es dort ohnehin ein hohes Verkehrsaufkommen gibt. Hinzu komme der starke Urlaubsverkehr.
Eigentlich sollte nur der Süd-Nord-Verkehr von der Autobahn über Kiel und Eckernförde geleitet werden, während die Lastwagen von Norden über Husum umgeleitet werden sollten. "Die Umleitung über Husum und die B 5 wird jedoch kaum in Anspruch genommen", so Sibbel. "Der gesamte Umleitungsverkehr läuft über Eckernförde." Auch über die L 265 von Owschlag nach Eckernförde. Dabei sei diese Straße nicht geeignet. Dennoch sei Eckernförde verpflichtet, den Ausweichverkehr aufzunehmen. Das soll in 12 bis 13 Wochen aber vorbei sein. Sibbel: "Der Zeitplan ist recht verbindlich. Es sind keine Überraschungen bei den Betonarbeiten an den Brückenpfeilern zu erwarten."

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