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Eckernförder Zeitung

22. August 2017 | 22:52 Uhr

Langsam, aber nicht ungerecht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine Familie aus Afghanistan beantragt Asyl und wird abgewiesen. Sie durchläuft alle gerichtlichen Instanzen und verliert. Also muss sie ausreisen. So herzlos das angesichts der Erlebnisse der Familie in ihrem Heimatland klingen mag – so ist unsere Rechtsprechung. Deutschland muss sich angesichts Millionen aufgenommener Flüchtlinge nicht vorwerfen lassen, ungerecht zu handeln.

In diesem Fall kommt jedoch ein besonderer Aspekt hinzu: die schwere Epilepsie-Erkrankung des Sohnes. Vielleicht wird das Gesundheitsamt zu der Einsicht gelangen, dass es ihm durchaus zuzumuten ist, eine lange Flugreise anzutreten. Doch was dann? Die medizinische Versorgung in Afghanistan dürfte mit unserer nicht vergleichbar sein. Und eine Einrichtung wie die Schule am Noor mit Schulbegleitung und individueller Förderung wird es auch kaum geben. Der Kinderarzt rechnet in diesem Fall mit einer massiven Verschlechterung des Gesundheitszustandes und mit dem Auftreten lebensgefährlicher Situationen. Ist das kein Grund, die Lage nochmal zu überdenken? Das zu prüfen, ist wiederum die Aufgabe des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Und was bedeutet das? Ist das noch möglich, oder ist der Zug schon abgefahren? Da soll ein Asylbewerber erst einmal durchblicken.

Die heftigen Anfälle des Sohnes, die der Vater auf einem Video festgehalten hat, sind jedenfalls nur schwer anzusehen. Da mag man denken: Man kennt andere Flüchtlinge, gegen deren Ausweisung man nichts hätte, aber bei einem dermaßen leidenden Kind sollte man eine Ausnahme machen. Zumal die Familie gern nach Hamburg ziehen möchte. Dort hat sie Verwandte, könnte der Vater im Lebensmittelhandel arbeiten. Die Zeit wird es zeigen: Die bürokratischen Mühlen mahlen zwar langsam, aber nicht zwangsläufig ungerecht.

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erstellt am 24.Dez.2016 | 06:26 Uhr

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