Händels Oratorium : Lang und gut: Der Messiah in Borby

Platz ist in der kleinsten Kirche: In der ersten Reihe kamen sich Besucher und Musiker sehr nahe. Fotos: Frank
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Platz ist in der kleinsten Kirche: In der ersten Reihe kamen sich Besucher und Musiker sehr nahe. Fotos: Frank

Die Kantorei der Kirchengemeinde Borby hat mit Mitgliedern des philharmonischen Orchesters Kiel Händels „Messiah“ aufgeführt.

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14. Januar 2019, 16:38 Uhr

Eckernförde | Georg Friedrich Händel (1685-1759) hat sein Oratorium „Messiah“ im Jahr 1741 komponiert. Es gehört aufgrund des „Halleluja“-Chores zu den bekanntesten Werken der Musikgeschichte. Die Uraufführung fand am 13. April 1742 in Dublin statt. Es ist ein Oratorium ohne Handlung in drei Teilen („Verheißung des Messias und Geburt Jesu“, „Passion und Auferstehung“ und „Erlösung“) mit zumeist alttestamentarischen Bibelstellen, die das Geschehen eher reflektieren als darstellen – damals ein absolutes Novum. „Dieses Oratorium übertrifft bei Weitem alles, was je in dieser Art in diesem oder einem anderen Königreich aufgeführt worden ist. Worte vermögen die Ergriffenheit des Publikums nicht auszudrücken“ hieß es damals in einer Dubliner Zeitung.

„Fein“, wenn auch nicht immer fehlerfrei, war auch die Aufführung am Sonnabend in der Borbyer Kirche. Unter der Leitung von Heiko Henrich zeigte die Kantorei der Kirchengemeinde Borby nicht nur Qualitäten wie Einsatz- und Singfreude, Standfestigkeit, Begeisterung und Können (hier ganz besonders die Damen in schwindelnden Höhenlagen). Mitglieder des philharmonischen Orchesters Kiel spielten auf historischen Instrumenten. Wie so oft, gab es damit für die Musiker besondere Herausforderungen: Spielweise und die Bauart der Instrumente forderten sie heraus – gut zu sehen bei der langen Naturtrompete, die ohne Ventile gespielt wird. Mit etwa 20 entsprach die Besetzung in der für solche Projekte vergleichsweise kleinen Borbyer Kirche auch derjenigen von Händels Uraufführung. In der ersten Reihe kamen sich Publikum und Musiker sehr nah: Eine seltene Gelegenheit, das Werk im Detail aus Sicht der Instrumentalisten zu erleben.

Drei Stunden in Originalsprache

Mit den Solisten Constanze Berger (Sopran), Nicole Dellabona (Alt), Timothy Evans (Tenor) und Konstantin Heintel (Bass) hatte Heiko Henrich beeindruckende Stimmen gefunden, wobei Timothy Evans erst zwei Tage vor der Aufführung aufgrund der überraschenden Absage des vorher engagierten Tenors eingesprungen war – wegen seiner englischen Muttersprache ein Glücksfall. In einem fingierten Handy-Gespräch – verbunden mit der Erinnerung ans Publikum, es auszuschalten – teilte Heiko Henrich in seiner Begrüßung auf humorvolle Weise mit, dass dieser Messias in originaler Sprache aufgeführt würde, jedenfalls größtenteils, „Denn uns ist ein Kind geboren…“ auf Deutsch passte dagegen gut. Texte zum Mitlesen, in beiden Sprachen gegenübergestellt, waren sehr hilfreich beim Lauschen und Genießen – auch wenn im Programmblatt aufgrund der Textmenge eine kleine Schriftgröße gewählt worden war.

Das war auch ein versteckter Hinweis auf die Dauer des dreiteiligen Werks: Sieben volle Seiten Text, netto über zweieinhalb Stunden Musik, die nur durch Stimmpausen unterbrochen war. Das erforderte gute Kondition und Ausdauer vom Publikum. Insgesamt knapp drei Stunden mit Begrüßung, Dank und Zugabe dauerte das Konzert. Eigentlich noch länger, denn vor dem Eingang hatte sich eine halbe Stunde vor Beginn bei regnerisch-trübem Wetter schon eine lange Warteschlange gebildet. Da taten das aus dem Stand gesungene „Dona nobis pacem“ und „Omnis gente“ der Stimmung gut.

„So ein Spontangesang ist doch was Feines“ freute sich ein Besucher. Einstudierter Gesang auch. Er bewirkte Ergriffenheit und Begeisterung des Borbyer Publikums. Mit drei Sitz- und Hörstunden in der voll besetzten Kirche auch Anspannung. „Gut gemacht“, fasste eine Besucherin diesen langen Abend zusammen. Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.


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