Bauernverband Dänischer Wohld Eckernförde : Landwirte kritisieren die neue Düngemittelverordnung

Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde, informierte über die Sektorstrategie Milch 2030.
Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde, informierte über die Sektorstrategie Milch 2030.

Auf der Winterversammlung, vor der Coronakrise, war auch die Milchstrategie 2030 Thema.

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24. März 2020, 09:38 Uhr

Gettorf |  Die Landwirtschaft ist eines der Wirtschaftszweige mit dem größten Bürokratieanteil. Im nächsten Jahr kommt noch einiges dazu, dann wenn die neue Düngemittelverordnung des Bundes durch entsprechende Landesregelungen konkretisiert worden sind. Müssen Landwirte derzeit einmal im Jahr ihre Nährstoffbilanz melden, wird es ab nächstem Jahr voraussichtlich so sein, dass sie spätestens zwei Tage nach der Ausbringung von Dünger diese Menge melden müssen. Das wurde auf der Winterversammlung des Bauernverbandes, Bezirk Dänischer Wohld und Gettorf thematisiert.

Erhöhter Bürokratieaufwand durch neue Düngemittelverordnung

Hauke und Christian Prien, die zusammen mit ihren Eltern ihren Hof in Lindau bewirtschaften, sind nicht erfreut über diese Zusatzbelastung. „Die Zeitfenster, in denen wir düngen dürfen, werden ohnehin immer kleiner und dann kommen diese zusätzlichen Meldungen noch dazu.“

Düngermenge soll um 20 Prozent reduziert werden

Aber das ist nicht das einzige Problem. Die neue Düngemittelverordnung, die sich derzeit in der parlamentarischen Beratung befindet, beinhaltet auch eine 20-prozentige Reduzierung der Düngermenge für alle, egal wie hoch die Fläche derzeit mit Nitraten belastet ist.

Wir haben dann weniger Einnahmen, haben aber dieselben Ausgaben für die Pacht. Hauke und Christian Prien
 

 Das wird zur Ertragsminderungen führen, Weizen wächst dann nur noch zu Futterweizen statt zu Brotweizen heran, fürchten die Bauern. „Wir haben dann weniger Einnahmen, haben aber dieselben Ausgaben für die Pacht“, so die Brüder Prien. Folgen hätte das aber nicht nur für die Bauern, sondern auch für die Verbraucher. Denn wo das Angebot knapp ist, steigen die Preise.

Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbands, war zu Gast auf der Winterversammlung .
Sigrid Querhammer
Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbands, war zu Gast auf der Winterversammlung .
 

Zu Gast war der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Werner Schwarz

Die kommende neue Düngemittelverordnung war Hauptthema der Jahreshauptversammlung des Bauernverbandes der Bezirke Eckernförde und Dänischer Wohld im sehr gut gefüllten Saal des Hotels Stadt Hamburg. Sowohl im Bericht von Kreisgeschäftsführerin Rixa Kleinschmidt als auch im Referat des Präsidenten des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Werner Schwarz nahm dieses Thema breiten Raum ein.

Zu hohe Nitratbelastung der Böden

Hintergrund für die neue Düngemittelverordnung ist die zu hohe Nitratbelastung der Böden und damit des Grundwassers in Deutschland laut dem Nitratbericht von 2008 – 2012. Weite Teile Schleswig-Holsteins und Niedersachsens sind in Deutschland überdurchschnittlich hoch belastet. Die EU-Kommission hatte deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland angestrengt und 2018 vom Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Das Urteil muss bis zum 3. April 2020 umgesetzt sein. Dann verzichtet die EU auf ein Zweitverfahren und Deutschland spart Strafzahlungen in Höhe von 852.000 Euro täglich.

Düngemittelverordnung heftig diskutiert

Es wurde heftig diskutiert. Für manche Diskutanten waren diese Strafzahlungen das kleinere Übel. Einer der Teilnehmer rechnete vor: „Die Verluste der Bauern liegen bei 1,2 bis 1,3 Millionen Euro am Tag.“ Ein anderer brachte die Honorare, die das Bundeslandwirtschaftsministerium für externe Berater ausgibt, als Gegenargument ins Gespräch. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein gab sich selbstkritisch:

Wir als Verband haben nicht alles richtig gemacht. Wir sind das Opfer unseres eigenen Erfolges. Werner Schwarz
 

 „Wir als Verband haben nicht alles richtig gemacht. Wir sind das Opfer unseres eigenen Erfolges“, womit er auf die erfolgreiche Lobbyarbeit seines Verbandes in den vergangenen Jahren anspielte, die dazu geführt hatte, dass die erforderliche Kurskorrektur nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt eingeleitet wurde.

 Derzeit liegt der mit Brüssel abgestimmte Entwurf im Bundesrat. Stimmt der Bundesrat wie geplant am 3. April zu, verzichtet die EU-Kommission auf weitere rechtliche Schritte. Nach Zustimmung des Bundesrates haben die Länder drei Monate Zeit, ihre Landesdüngemittelverordnungen anzupassen, sodass den Bauern noch ein paar Monate Zeit bleiben, sie umzusetzen.

Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung

Ein weiteres Thema waren die Empfehlungen der sogenannten Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung. Eine Kommission unter der Leitung des früheren Bundesagrarministers Borchert hatte in den vergangenen Monaten weitestgehend lautlos, parteiübergreifend und unter Mitwirkung vieler Nichtregierungsorganisationen Empfehlungen erarbeitet, die zum Ziel haben, die Nutztierhaltung tier- und umweltschonender zu gestalten.

Zeitraum von 40 Jahren für den Umbau

Der Umbau soll über einen Zeitraum von 40 Jahren erfolgen. Die Einnahmen aus einer Fleischsteuer sollen dafür verwendet werden, den Bauern beim Umbau ihrer Tierhaltung finanziell unter die Arme zu greifen. Die Steuer soll nach den Vorstellungen der Kommission 40 Cent pro Kilogramm Fleisch betragen, 2 Cent pro Kilo Milch und 15 Cent pro Kilo Käse.

Ich halte das für richtig. Wenn die Anreize richtig gesetzt werden, sind wir bereit, uns zu engagieren und einen ganzen Betriebszweig zu verändern. Werner Schwarz
 

 Bauernverbandspräsident Schwarz signalisierte Zustimmung: „Ich halte das für richtig. Wenn die Anreize richtig gesetzt werden, sind wir bereit, uns zu engagieren und einen ganzen Betriebszweig zu verändern.“

Sektorstrategie Milch 2030

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Klaus Peter Lucht informierte über die „Sektorstrategie Milch 2030“, die im vorigen Jahr vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter erarbeitet wurde. Der Verband will bei den Milchbauern 15 Cent pro Tonne Milch einsammeln, um unter anderem eine Imagekampagne für die Milchwirtschaft zu finanzieren.

Imagekampagne für die Milchwirtschaft starten

 „Wir sind monatelang auf die Straße gegangen. Jetzt müssen wir Geld in die Hand nehmen, um in den Medien wieder vorzukommen“, so Lucht. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht. Details der geplanten Branchenkommunikation sollen bis zum Sommer geklärt sin. Die Milchwirtschaft will den Auftakt machen. Lucht betonte, dass die Schweine- und Gefügelwirtschaft zu einem späteren Zeitpunkt folgen sollten.


 

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