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Gut Rosenkrantz : Landwirt, Müller und Naturkosthändler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ernst-Friedemann von Münchhausen: Firmengründung vor 25 Jahren auf Gut Rosenkrantz

Fast ganz am Ende der Rosenkrantzer Straße steht ein prächtiges Gutshaus, was der kleinen Straßen ihren Namen gegeben hat. Das Gut Rosenkrantz. Hier lebt die Familie von Münchhausen. Hört man sich die Erfolgsgeschichte an, die hinter den Mauern dieses Gutshauses immer noch geschrieben wird, dann könnte sie aus der Feder des durch seine Geschichten bekannten gleichnamigen Baron von Münchhausen stammen. Ein Verwandtschaftsgrad besteht tatsächlich. Bei der Geschichte von Ernst-Friedemann von Münchhausen, Gründungsgesellschafter der Handelsgesellschaft für Naturprodukte, handelt es sich allerdings um eine wahre Begebenheit, die mit viel harter Arbeit, einer guten Idee und aus Überzeugung begann.

Der Landwirtschaftsmeister Ernst-Friedemann von Münchhausen übernahm den Betrieb auf Gut Rosenkrantz, der zunächst konventionell betrieben wurde, 1977. „Damals wurden hier noch Milchkühe gehalten, was ich zunächst auch so übernommen habe“, erklärt der Gutsbesitzer. Aus privaten und gesundheitlichen Gründen entschied er sich 1989 für die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft. Eine große Rolle spielte die Tschernobylkatastrophe.

Damals gründete er gemeinsam mit seiner Frau eine Elterninitiative für unbelastete Nahrung. „Ich hatte damals einfach das Gefühl, dass man die Dinge selbst in die Hand nehmen muss, sonst passiert nichts.“

Zu der Zeit betrieb von Münchhausen schon seinen Biobetrieb. Zusammen mit dem Nachbarhof, der auf Gemüseanbau spezialisiert war, sollte es zunächst in Richtung Hofladen gehen, doch es stellte sich schnell heraus, dass sie allein den Marktanforderungen nicht gewachsen waren. Also gründeten sie mit mehreren Landwirten eine Erzeugergemeinschaft und im zweiten Schritt gründeten Ernst-Friedemann von Münchhausen, sein Schwager Peter Diederichsen, der mittlerweile in Rente ist und Achim Schwarz , Gründer des Naturkostunternehmens Nordlicht, die Handelsgesellschaft für Naturprodukte. Das war im Februar 1992.

Die Handelsgesellschaft siedelte zunächst in das leerstehende Gebäude der Getreide AG, der jetzigen Schinkeler Möhl. „Dort hatten wir Lagermöglichkeiten und konnten Anlagen zur Getreidetrocknung und zur Getreidereinigung aufbauen und waren damit nicht mehr von anderen abhängig“, erklärt von Münchhausen. Aus Platz, aber vor allem aus logistischen Gründen, zog die Firma 2001 mit Sack und Pack nach Neumünster. Auf dem neuen Gelände befand sich eine Feinmühle, die sie 2007 in Betrieb nehmen konnten. „Damit wurden wir dann auch zu Müllern.“

Überhaupt gehört die Unabhängigkeit und ein logistisch ausgeklügelter Unternehmenskreislauf zur tragenden Philosophie der Handelsgesellschaft, die sich auf die Belieferung von Bäckereien spezialisiert hat und seine Logistik selbst organisiert. „Wir haben eigene Fahrer und eigene Fahrzeuge. Die Fahrer haben immer die gleiche Route, kennen die Kunden und wissen genau, wo sie was abladen müssen.“ Die Bäckereien werden nicht nur mit dem Mehl beliefert, sondern die Handelsgesellschaft liefert auch alle erdenklichen Zutaten, die ein Bäckereibetrieb benötigt. Da ist von Trockenfrüchten über Schokolade und Nüssen alles dabei, was das Bäckerherz begehrt.

Der Kreislauf von Getreidehandel und Bäckereiversorung wird durch die hauseigene Saatgutvermehrung ergänzt.

Im Jahre 2009 wurde die Tochtergesellschaft Gut Rosenkrantz Bio-Futter GmbH geründet, die als eigenständiges Unternehmen aus der Handelsgesellschaft ausgegliedert wurde.

Ein Steckenpferd des Unternehmens ist der Dinkelanbau. Seit 2005 beteiligt sich von Münchhausen in einem Dinkel-Projekt, um den Anbau des wertvollen Getreides in Schleswig-Holstein zu fördern. Dies hat sich erfolgreich etabliert. „Dinkel ist ein spezielles Getreide, was durch seine Schale bis zum letzten Verarbeitungsprozess geschützt ist.“ Auf dem Betrieb auf Gut Rosenkrantz wurde eine Dinkeschälanlage errichtet.

Vor zwei Jahren stieg auch Louisa von Münchhausen in das Unternehmen ein und leitet momentan die Saatgutabteilung sowie ein EDV-Projekt. Die 30-Jährige absolvierte zunächst ein duales Studium und arbeitet für einen amerikanischen Handelskonzern, bevor sie sich entschied bei Gut Rosenkrantz einzusteigen. Die Entscheidung bereut sie nicht. „Es gibt viel zu tun, aber es macht auch großen Spaß“, erzählt die junge Frau, die im engen Kontakt zu den Partnerlandwirten steht und sie in Sachen Düngung und Aussaat berät.

Und als wäre das alles nicht schon genug, wird unabhängig von der Firma auf dem Gut weiterhin Landwirtschaft betrieben. „Den Betrieb wird mein Sohn Tilman von Münchhausen nach seinem Studium übernehmen.“ Einen weiteren landwirtschaftlichen Betrieb in Sachsen-Anhalt, führt die Tochter Johanna von Münchhausen, die ebenfalls Landwirtschaft studierte. Die dritte und älteste Tochter, Christiane von Münchhausen, ist promovierte Tierärztin.

In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 25-jähriges Bestehen und lädt zur Feier am Sonnabend alle Mitarbeiter und Kunden auf das Gut Rosenkrantz ein. Es werden 300 Gäste erwartet.

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erstellt am 17.Mai.2017 | 06:58 Uhr

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