zur Navigation springen

Gesellenprüfung als Landesbester : Landesbester lässt das Wasser sprudeln

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Brunnenbauer Tim Manzelmann legte Gesellenprüfung als Landesbester ab / Schulpraktikum als Einstieg in den Traumberuf

Gettorf | Er hat sich für einen Beruf entschieden, der laut Matthias Wiese, Juniorchef des Unternehmens Wiese Brunnenbau, zu den härtesten im Baugewerbe zählt: Tim Manzelmann ist Brunnenbauer und wurde in diesem Jahr Landesbester in seinem Gewerbe.

Gekommen ist er zu dem Beruf über ein Praktikum, das er als Schüler bei Wiese absolvierte. „Zunächst hatte ich ein Praktikum als Zimmermann gemacht, das mir allerdings nicht so gefallen hat“, so der Gettorfer. Nach dem zweiten Praktikum stand für Tim Manzelmann fest, dass dieser Beruf für ihn der richtige ist. „In den letzten Jahren haben wir eigentlich alle unseren Azubis über die Schulpraktika bekommen“, stellte Matthias Wiese klar. Denn übermäßig bekannt ist der Beruf des Brunnenbauers nicht. Landesweit gibt es laut Wiese zehn Unternehmen, die sich dem Brunnenbau widmen. Dabei ist es ein Beruf mit durchaus großer Bandbreite. Neben Bau, Wartung und Instandhaltung von Brunnen gehören unter anderem auch Baugrunduntersuchung sowie die Erstellung von Erdwärmesonden zur Beheizung von Gebäuden zu den Aufgaben. Voraussetzungen, den Beruf zu ergreifen, sind laut Matthias Wiese und Seniorchef Friedrich Wiese eine gute Schulbildung, körperliche Robustheit und mathematisches Verständnis, da auch viele Berechnungen angestellt werden müssen. Wobei gute Schulbildung nicht gleich „höhere“ Schulbildung bedeutet: Tim Manzelmann hat den Hauptschulabschluss und problemlos im Sommer seine Gesellenprüfung abgelegt – und das als bester von fünf Absolventen aus Schleswig-Holstein. Denn im Gegensatz zu beispielsweise Maurern oder Fliesenlegern, die zur Ermittlung der Besten in Heide noch zu einer zusätzlichen Prüfung gegeneinander antraten, werden bei Brunnenbauern oder auch Straßenbauern die Landesbesten anhand der Ergebnisse ihrer Gesellenprüfung ermittelt, die sie in Rostrup nahe Bad Zwischenahn ablegen, wo auch der überbetriebliche Teil der Ausbildung im zweiten und dritten Lehrjahr erfolgt.

Und was ist das Schönste am Beruf des Brunnenbauers? „Es ist schon toll, wenn der Brunnen fertig ist, alles klappt und man sieht, wie das Wasser sprudelt“, so der 19-Jährige. „Man hat relativ schnell ein Erfolgserlebnis, indem man das Ergebnis der Arbeit sieht“, ergänzt Matthias Wiese. Auf die Frage nach dem weniger Angenehmen kommt nicht etwa wie erwartet die Antwort, dass die Arbeit bei Wind und Wetter draußen, im Winter mit entsprechend niedrigen Temperaturen das Unangenehmste sei. „Die Fahrerei nervt etwas“, so Tim Manzelmann. Denn das Brunnenbauunternehmen Wiese, gegründet 1846 und damit das drittälteste Unternehmen Gettorfs, ist von Flensburg bis in den Raum Hannover tätig und war auch schon in Dänemark und Schweden im Einsatz. Zurzeit fährt Tim Manzelmann mit zwei weiteren Kollegen täglich nach Lübeck, wo bei den Dräger-Werken neue Rohrleitungen verlegt werden. Und auch die Arbeit am Schreibtisch ist sicher nicht unbedingt jedermanns Sache. „75 Prozent der Tätigkeit sind eigentliches Handwerk, 25 Prozent sind Schreibtischarbeit“ sagte Wiese. Nicht nur Berechnungen, sondern auch Dokumentationen für die untere Wasserbehörde oder das Geologische Landesamt. Die Aufstiegsmöglichkeiten bezeichnet Matthias Wiese als überdurchschnittlich gut. „Gute Brunnenbauer sind gesuchte Spezialisten, zum Beispiel als Bauleiter im Wasserbau“, so der Juniorchef, der auch die guten Verdienstmöglichkeiten hervorhob. Und auf gute Brunnenbauer kann das Unternehmen, das sich die Ausbildung des Nachwuchses auf die Fahnen geschrieben hat, schon mehrfach zurückblicken. In den letzten zehn Jahren hat es zwei Bundes- und drei Landessieger hervorgebracht.

Und wie sieht Tim Manzelmann seine Zukunft? Auf jeden Fall will er zunächst seinem Ausbildungsbetrieb treu bleiben und spielt mit dem Gedanken, irgendwann seinen Meister zu machen. Eines scheint aber ohne Zweifel schon festzustehen: Seinen Weg wird er auf jeden Fall machen in seinem Traumjob als Brunnenbauer. Und noch eines zeigt sein Beispiel: Die Behauptung, dass ein Hauptschulabschluss nicht viel wert sei, gehört ins Reich der Märchen.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen