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Lebende Rasenmäher : Lammzeit auf den Goosseewiesen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

48 Muttertiere weiden zurzeit in dem Schutzgebiet. Die Heidschnucken bringen ihren Nachwuchs ohne Hilfe zur Welt. Der Nabu registriert bereits 13 Lämmer.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 06:33 Uhr

Eckernförde | Es blökt und es hoppelt zurzeit auf den Goosseewiesen am südlichen Stadtrand von Eckernförde. Wo normalerweise nur ausgewachsene Schafe grasen, springen seit Ende März 13 muntere schwarze Lämmer (Stand 6. April) zwischen 48 Muttertieren. Laut Aufzeichnungsbuch des Nabu Eckernförde, der das rund neun Hektar große Schutzgebiet betreut, ist eines bereits am 11. Februar geboren. „Vor der eigentlichen Lammzeit“, erklärt die Schäfermeisterin Anke Mückenheim aus Sönderby, der die Heidschnuckenherde gehört. Seit 16 Jahren werden ihre grau gehörten Heidschnucken für eine extensive Beweidung der Biotopflächen eingesetzt.

Jürgen Schmidt und Karl-Heinz Siebrecht sind die Nabu-Betreuer für die Goosseewiesen. Sie führen genau Buch, welche Tiere sie an welchen Tagen entdeckt haben. Sei es jetzt die vermehrte Beobachtung des Eisvogels in den vergangenen Wochen oder gar die Sichtung eines Seeadlers. So wird jetzt in der Lammzeit jeden Tag die Ankunft der neuen Lämmer notiert. Auch ob es sich um Zwillingsgeburten handelt, verrät Anja Rolf vom Nabu Eckernförde. Die Geburt geschieht hauptsächlich in den Abendstunden. Ohne fremde Hilfe bringen die Mutterschafe ihren Nachwuchs zur Welt.

So langsam fängt das Gras an zu wachsen, die Vegetationsperiode beginnt. Nur in der vegetationsarmen Zeit, benötigten die Schafe zusätzliches Futter. Dann wurden Heu und Siloballen zugefüttert. Das junge Gras, das die Mutterschafe jetzt fressen, enthält viel Eiweiß. „Das ist wichtig für die Milch des Muttertiers“, erklärt die Schäfermeisterin. Jedes produziere genau die Menge an Milch, die für die Aufzucht der Nachkommen benötigt werde. Ein Melken dieser Schafe sei aus diesem Grund nicht möglich.

„Heidschnucken sind Schafe, die extensiv gehalten werden können“, sagt Anke Mückenheim. Die Tiere bevorzugen rohfaserreiche Nahrung, die nährstoffarm ist. Auf diese Weise sorgen die Vierbeiner, bei denen auch die Weibchen graue, sichelartige Hörner tragen, für den Schutz seltener Pflanzen. So weiden sie in dem Schutzgebiet auf unterschiedlichen Flächen. Dort, wo schützenswerte Pflanzen blühen oder Saat bilden, grasen die Tiere zu dem Zeitpunkt nicht. „Sie tragen dazu bei, dass die Wiesen nicht verbuschen, die Artenvielfalt erhalten bleibt und das Gras kurz gehalten wird“, erklärt Anja Rolf. Unter Nabu-Kreisen werden sie auch als „lebendige Rasenmäher“ bezeichnet.

Ein Herdbuch führt die Schäfermeisterin für die Heidschnucken auf den Goosseewiesen nicht, da es sich bei diesen Schafen um eine Gebrauchsschafherde handelt. Sind die Lämmer herangewachsen, wird ein Teil der weiblichen Tiere für die Nachzucht vewendet. Die Jungböcke werden von den Wiesen genommen, um die Nachzucht durch einen einzigen Bock zu sichern. Die Bocklämmer werden direkt vermarktet.

Aufgrund der Beweidung ist das Schutzgebiet eingezäunt, so dass ein öffentlicher Zugang nicht möglich ist. Wer Interesse hat, kann sich direkt an den Nabu Eckernförde wenden. In dem Schaukasten am Eingang der Goosseewiesen stehen Kontaktadressen.

>www.nabu-eckernfoerde.de

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