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Vortrag an der Jungmannschule : Lässiger Typ mit harten Botschaften

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Wissenschaftler und Naturfilmer Robert Marc Lehmann (34) konfrontiert Jungmannschüler mit herben Bildern geschundener Tiere. Er appelliert, Plastik zu vermeiden.

Eckernförde | Da half das dickste Fell nichts, das ging unter die Haut: Am Donnerstagvormittag stand die Jungmannschule im Zeichen von Informationen, bitteren Wahrheiten und viel notwendiger Aufklärung. Die Schülerin Marlene Michaelis (14, siehe Bericht unten) war während ihrer Ausbildung zur Jungfilmerin (Green Screen-Naturfilme) dem Meeresbiologen und Forschungstaucher Robert Marc Lehmann begegnet, hatte ihn mit all seinem umfänglichen Wissen und abenteuerlichen Erfahrungen erlebt und ihn gebeten, für einen Vortrag in ihre Schule zu kommen.

In Gruppen füllten die einzelnen Klassenstufen nacheinander die Aula – und was passierte dann? Ein junger Mann auf der Bühne – kurze Hose, den Schirm der Cap in den Nacken geschoben, unkompliziert und locker –, nahm seine jungen Zuhörer von Anfang an so ernst und gefangen, dass alle auf ihn gerichtet waren. Dazu sprach er die Sprache der Youngsters, unkonventionell, oft herrlich flapsig, sehr zum Vergnügen seiner Zuhörer. Er holte alle im Direktverfahren ab, kein Wunder also, dass er sofort den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen fand: Robert Marc Lehmann, ein mit seinen 34 Jahren sehr jugendlich wirkender Forscher, Wissenschaftler, Tierschützer und Weltbürger, der inzwischen durch seine TV-Auftritte, als Filmer, als Fotograf unter anderem für National Geographics sehr bekannt (und beliebt) ist.

Seit Jahren verschreiben Lehmann und sein Team sich mit all ihrem Engagement und Können der Rettung gefährdeter Tiere, der Regenwälder und der Vermeidung von Plastikmüll. Robert Lehmann tauchte oft mit Haien, lernte diese Tiere als ungefährlich kennen, schwärmt von ihrer Intelligenz, ihrer Bedeutung als Gesundheitspolizei der Meere. Im Gegensatz zu Delphinen (über 1000 tödliche Unfälle im Jahr weltweit) sei eine Begegnung mit Haien (60 Todesfälle im gleichen Zeitraum) nicht beunruhigend. Das jedoch sei die unvorstellbare Grausamkeit der Menschen, die Haien bei lebendigem Leibe die Flossen abschneiden – für asiatische Suppen. „Nur Knorpel, schmeckt nach nichts, in den Flossen sammeln sich Gifte“, und die Haie „fühlen Schmerzen wie wir, sinken zum Meeresboden, wo sie nach 24 Stunden ersticken“.

Neben Haien und gefährlichen Kegelrobben, der Rettung von gestrandeten Orcas, zeigte der Naturfilmer ebenfalls die Leiden der Nashörner: Oft gewildert, wegen ihrer teuren Hörner brutal zugerichtet, gab es darüber erschütternde Hintergrundinformationen und Bildmaterial. Regenwälder werden großflächig gerodet, um Palmöl-Plantagen anzulegen. Bei der Brandrodung legen sich die Orang Utan-Mütter schützend über ihre Babys, verbrennen und hinterlassen Waisen. Rettung und Aufzucht der kleinen Affen, Rettung der vom Aussterben bedrohten Schildkröten, Gürteltiere, Bisons – bald war den Schülern der Mund trocken geworden vor Schrecken – angesichts des Unheils, für das Menschen verantwortlich zeichnen. Menschen, die so viel Plastik produzieren, dass entfernteste Inseln, die Meere so vermüllt und zudem fast leergefischt sind, dass der Fischbestand immer kritischer wird, sich Plastik in der Nahrungskette ansammelt, Seevögel bereits ihre Nester aus Plastikmüll bauen – „Plastik überall und der bleibt ewig!“ Lehmann:„Wenn Uganda Plastik verbieten und Plastikmüll damit vermeiden kann, warum können wir das nicht?“ Und als überzeugender Retter weiter zu den Schulkindern: „Wenn ihr aus dem Raum geht, fangt an – wir haben‘s sonst verkackt.“


>www.robertmarclehmann.com


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