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70-Zonen bleiben bestehen : L 265: Keine Chance für Tempo 80

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Landesbetrieb kassiert Anordnung auf durchgängige Höchstgeschwindigkeit zwischen Owschlag und Eckernförde / 70-Zonen bleiben bestehen

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2017 | 06:47 Uhr

Ascheffel | Acht Tempo-70-Zonen innerhalb einer 15 Kilometer langen Strecke – auf der Landesstraße 265 zwischen der Autobahn-Abfahrt Owschlag und der Stadt Eckernförde ist gleichmäßiges Fahren unmöglich. Das wird auch so bleiben, obwohl die Straßenverkehrsbehörde des Kreises die Situation ändern wollte. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr hat nun endgültig einen Strich durch die Rechnung gemacht – wegen eines einzelnen Beschwerdeführers.

Um es den Autofahrern zu ersparen, achtmal von 100 Kilometern pro Stunde auf 70 abzubremsen und kurz darauf wieder zu beschleunigen, hatte die Kreisverwaltung angeordnet, auf der gesamten Strecke Tempo 80 einzuführen (wir berichteten). Damit sollte eine „Harmonisierung des Verkehrsablaufs“ erreicht werden, wie Fachdienstleiterin Barbara Rennekamp im Dezember vergangenen Jahres sagte. Das Vorhaben war ihr zufolge überall positiv aufgenommen worden, denn die einzelnen Tempo-70-Zonen liegen zum Teil weniger als einen Kilometer auseinander. Etwa bei Ahlefeld-Bistensees Bürgermeister Detlef Kroll, dessen Gemeinde an der Strecke liegt, stieß die einheitliche Tempobegrenzung auf Zustimmung. Doch ein Bürger war nicht damit einverstanden und legte Einspruch ein. Damit kam die Fachaufsichtsbehörde, der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, ins Spiel. „Die Überprüfung führte zu dem Ergebnis, dass eine Anordnung von 80 Kilometern pro Stunde für den Bereich der L  265 zu diesem Zeitpunkt nicht vertretbar ist“, teilte der Landesbetrieb nun mit. Die Anordnung sei von der Kreisverwaltung endgültig zurückzunehmen. Begründet wird die Entscheidung damit, dass die Strecke weder zum Bedarfsumleitungsnetz der Autobahn 7 gehört noch übermäßig hoch belastet ist, auch nicht durch Unfälle. Messungen der Polizei haben laut dem Schreiben zudem ergeben, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen von den Autofahrern akzeptiert werden. Die Kieler Behörde beruft sich darauf, dass die 70er-Zonen auf rechtmäßigen Anordnungen beruhen. Sie seien aus verschiedenen Gründen eingerichtet worden. Zum Beispiel, weil die Straße nicht überall gut einsehbar ist, und weil es Bushaltestellen für Schulkinder gibt sowie Wanderwege, die die L  265 queren. An diesen Stellen das Tempo um zehn auf 80 Kilometer pro Stunde zu erhöhen wäre nur möglich, wenn sich die Gefahrensituation vor Ort geändert hätte. Das sei aber nicht der Fall.

Nach Gesprächen mit der Verkehrsbehörde des Kreises und der Polizei vor Ort geht der Landesbetrieb sogar noch einen Schritt weiter. Drei 70-Zonen auf der Strecke sollen ausgeweitet werden. Der Landesbetrieb spricht von einem Lückenschluss. So soll auf einem nicht einmal 600 Meter langen Stück zwischen zwei Tempobegrenzungen in Höhe Sachsbüttel künftig durchgängig 70 gelten. Gleiches gilt im weiteren Verlauf Richtung Eckernförde zwischen Ahlefeld und Bistensee sowie in Höhe Baumgarten. Die Schilder werden in den kommenden Wochen von der Straßenmeisterei montiert, die Anordnung wurde laut Barbara Rennekamp am vergangenen Freitag erteilt.

Besonders der CDU-Kreistagsabgeordnete und Hauptausschussvorsitzende Jörg Hollmann aus Eckernförde hatte sich für die Tempo-80-Lösung eingesetzt. „Für mich ist die Anordnung der Landesbetriebe erneut ein Beweis dafür, dass pragmatische Lösungen kein Gehör finden und fernab jedes Praxisbezuges entschieden wird“, sagte er verärgert über die Entscheidung. Das Vorhaben sei als Verkehrsversuch auf zwei Jahre angelegt gewesen, dem hätte die Behörde durchaus eine Chance geben können, findet er. Er halte es für „völlig widersinnig“, dass Tempo 70 nun ausgeweitet wird. „Auch der Naturschutz findet keine Beachtung. Eine gleichmäßige Fahrweise mit 80 Kilometer pro Stunde führt zur Entlastung unserer Umwelt“, ärgerte sich Jörg Hollmann.


Kieler Behörde untersagt auch Linie in Breiholz


Dass der Landesbetrieb Anordnungen der Kreis-Verkehrsaufsicht wieder kassiert, ist kein Einzelfall. „Das kommt öfter vor“, sagt Barbara Rennekamp. Etwa in Breiholz, wo die Gemeinde eine scharfe Kurve der L  308 in der Ortsdurchfahrt für so gefährlich hielt, dass sie eine durchgezogene Linie in der Straßenmitte beantragte, damit Autos aus Richtung Hamdorf künftig nicht mehr die Kurve schneiden. Das hielt auch die Verkehrsbehörde für richtig und stieß ein Verfahren an. Dem setzte der Landesbetrieb jedoch jetzt mit einem dreiseitigen Schreiben ein Ende. Mit 6,50 Meter sei die Straße zwar breit genug, um eine Linie aufzubringen, jedoch sei der Verkehr nicht stark genug. Laut Vorschrift sind Linien unter anderem erlaubt, wenn mehr als 5000 Fahrzeuge in 24 Stunden unterwegs sind. An der Stelle wurde jedoch nur 773 Autos gezählt. Zudem habe es in den vergangenen drei Jahren keine Unfälle gegeben. „Aus unserer Sicht wäre die Linie dort durchaus möglich gewesen. Sie hätte zur Sicherheit beigetragen“, sagte Rennekamp. „Die gesonderte Gefahrenlage ist oftmals schwer festzustellen. Wir wollten tätig werden, bevor etwas passiert.“ Aber letztendlich achte der Landesbetrieb darauf, dass die Anordnungen überall in Schleswig-Holstein einheitlich bleiben.

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