„Ninive“ abgewrackt : Kurzer Prozess nach langer Irrfahrt

Mit schwerem Gerät rückte die Abbruchfirma der „Ninive“ zu Leibe. Am Nachmittag war das Wrack zerlegt.
Mit schwerem Gerät rückte die Abbruchfirma der „Ninive“ zu Leibe. Am Nachmittag war das Wrack zerlegt.

Hafenbetreiber Stadtwerke Eckernförde haben gestern den seit zwei Jahren am Vogelsang stehenden Schiffsrumpf der „Ninive“ abwracken lassen. Die blockierten Parkplätze werden wieder frei gegeben.

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16. November 2017, 06:55 Uhr

Eckernförde | Die „Ninive“ ist endgültig Geschichte. Gestern hat ein Abrissbagger am Borbyer Ufer des Binnenhafens den Rumpf des 25 Meter langen Zweimasters zerlegt, heute werden das Eichenholz, die Beschläge, handgeschmiedeten Nägel, Seile und sonstigen Schiffsteile in Container geladen und fachgerecht entsorgt. Damit endet das traurige Kapitel des einst stolzen Segelschiffes.

Die „Ninive“ war 1985 bis 1989 als Nachbau einer Pommerschen Jacht-Galeasse in Rickling bei Bad Segeberg vom Verein „Jona“ als Arbeitsbeschaffungs- und Resozialisierungsmaßnahme von jungen Menschen und Freigängern der Justizvollzugsanstalt Neumünster gebaut worden. Aus dem Verein „Jona“ wurde 2002 der Verein „Ninive“. Der übernommene gleichnamige Zweimaster segelte mehrfach die Windjammerparade auf der Kieler Woche mit, lag dann aber als Sanierungsfall ab 2011 vier Jahre lang fest vertäut im Eckernförder Binnenhafen. Beim Hochwasser in der Nacht zum 22. Januar 2015 war Wasser durch die teilweise marode Bordwand in den Innenraum des Schiffes gedrungen, das volllief und sank. Eine Woche später wurde es in einer gemeinsamen Aktion von Feuerwehr, THW und Stadtwerken ausgepumpt und wieder schwimmfähig gemacht, bevor es im Dezember 2015 mit zwei Kränen an Land gehievt wurde. Seitdem steht der Schiffsrumpf als Torso auf dem Parkplatz am Vogelsang neben der „Lütten Werft“.

Bis gestern. Hafenbetreiber Stadtwerke Eckernförde setzten ihre mehrfach angekündigte Abwrackaktion um. Da die Besitzverhältnisse nach Auskunft von Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens, der von einem „herrenlosen Schiff“ sprach, weiterhin unklar sind und die „Ninive“ offenbar weder dem Verein „Ninive“ noch dem in Hamburg ansässigen Verein „Belquis“, an den das Schiff zwischenzeitlich verkauft worden sein soll, gehört, dürften sämtliche Bergungs- und Entsorgungskosten in Höhe von geschätzten rund 40 000 Euro auf die Stadtwerke zukommen.

Die beauftragte Abbruchfirma BMS hat die aus Eichenholz gebaute „Ninive“ vom Bug aus Stück für Stück auseinandergenommen. Das Abwracken eines großen Segelschiffes war für Firmenchef Ives Seiring und Baggerfahrer Sven Seemann eine Premiere. Der Holzrumpf mit seinen Querverstrebungen sowie genagelten und verschraubten Teilen erwies sich bis auf die stark angegriffene Außenbeplankung als äußerst stabil, doch Baggerführer Seemann setzte die schweren Greifzangen ganz nach den Erfordernissen mal brachial, mal fast schon grazil ein. Scheibchenweise wurde so im Laufe des Tages aus einem vollständigen Schiffsrumpf ein großer Haufen zerborstener Eichenhölzer mit großen Nägeln, Schrauben, Seilen und sonstigen Kleinteilen.

Dietmar Steffens kündigte an, dass die sechs durch das Schiffswrack blockierten Parkplätze zum Wochenende, spätestens aber zum Wochenbeginn wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollen.

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