Alt-Bürgermeister : Kurt Schulz und Eckernförde: Eine leidenschaftliche Affäre

Altbürgermeister und Ehrenbürger Kurt Schulz feiert heute seinen 90. Geburtstag. Foto: Kühl
Altbürgermeister und Ehrenbürger Kurt Schulz feiert heute seinen 90. Geburtstag. Foto: Kühl

Alt-Bürgermeister von 1969 bis 1987 feiert heute seinen 90. Geburtstag

shz.de von
08. Oktober 2012, 07:58 Uhr

Eckernförde | Gäbe es eine Wahl zum anerkanntesten und beliebtesten Eckernförder, Kurt Schulz würde sie gewinnen. Aber derartige Konkurrenzen sind seine Sache nicht. Eckernfördes erster Ehrenbürger, der im Laufe seines langen Lebens mit hohen Ehrungen, Auszeichnungen und Orden wie dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband überhäuft wurde, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Für ihn eine große Freude und Genugtuung, diesen Tag bei so guter Gesundheit und vor allem gemeinsam mit seiner Frau Helga begehen zu können, die vor wenigen Tagen selbst - vital wie eh und je - einen hohen Geburtstag feiern konnte.

Kurt Schulz hat nach dem Verlust seiner Stettiner Heimat 1945 als verwundeter Kriegsteilnehmer in Eckernförde neue Wurzeln geschlagen. Wurzeln, die ihn trotz verlockender beruflicher Perspektiven in der Landes- und Bundespolitik stets in seinem geliebten Eckernförde hielten. "Für mich gab es nur meine Stadt", sagt Schulz.

Der Stadt, der er vor allem in seiner 18-jährigen Amtszeit als Bürgermeister von 1969 bis 87 zu neuer Blüte verhalf. Schulz gilt nach wie vor als hoch geachteter Baumeister des modernen Eckernförde. Doch es ist nicht nur sein hohes fachliches Können als Finanzexperte mit hervorragenden Kontakten, das ihn zum Vorzeige-Eckernförder gemacht hat - es ist auch und vielleicht vor allem seine integre Persönlichkeit, sein Schneid und seine Warmherzigkeit, die die Menschen so sehr an ihm schätzen.

Von seinem Haus in der Sehestedter Straße blickt Kurt Schulz auf die Ostsee. Den freien, klaren Blick hat er auch während seiner Amtsgeschäfte gehabt. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn kümmerte er sich als Kreisangestellter um Flüchtlinge und Kinder. Dort fiel er auch seiner späteren Ehefrau Helga auf, 1950 läuteten die Hochzeitsglocken. Und fortan gab es nur noch eine Richtung - nach oben. Neben dem privaten Glück mit der Geburt ihrer Söhne Klaus-Peter (1951) und Matthias (1958), begann der politische Aufstieg des Sozialdemokraten. Er engagierte sich in seiner Heimatstadt, lernte Kurt Pohle kennen, wechselte in die Landesverwaltung und war von 1958 bis 1975 Mitglied des Landtages. Stationen einer Karriere: 1960 bis 1975 stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses, 1967 bis 1971 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, Wahl zum Ersten Landtagsvizepräsidenten am 24. Mai 1971. Da die veränderte Gesetzgebung es nicht mehr zuließ, dass er sowohl Eckernförder Bürgermeister als auch Landtagsabgeordneter war (Trennung von Amt und Mandat), musste er sich entscheiden: Kurt Schulz wählte Eckernförde.

Für ihn ein klarer Fall, für die Stadt ein Glücksfall. Schulz stellte im Eckernförde der 70er und 80er Jahren stets in enger Abstimmung mit der Ratsversammlung die entscheidende Weichen in Richtung Zukunft: Bau der anfangs bei den Geschäftsleuten umstrittenen Fußgängerzone Kieler Straße nach einem mehrwöchigen Probebetrieb, Bau der Stadthalle, des Meerwasserwellenbades, von Schulen (Schulzentrum), Sportstätten, Kindergärten, neuer Wohnviertel, Abbruch des Schlachthofs und Neubau des Kurparks und der Promenaden, Ausbau des Hafens, Sanierung der Altstadt oder Ausbau der Infrastruktur. Erst danach wurde er in eigener Sache aktiv: Ein neues Rathaus musste her. Und all das ohne nennenswerte Rücklagen und Steuereinnahmen: Kurt Schulz war ein versierter Finanzfachmann und wusste dank seiner bundesweit hervorragenden Kontakte, wo er für Eckernförde welche Fördertöpfe anzapfen konnte. Und das Geld floss, Eckernförde wurde immer reicher. Die Rücklage wuchs in seiner Amtszeit von Null auf 18 Millionen D-Mark, die Verschuldung sank von 30,2 auf 7,5 Millionen Mark, die Zinsausgaben wurden radikal gesenkt, die Personalkosten pro Einwohner blieben konstant auf dem niedrigsten Stand in ganz Schleswig-Holstein.

Die Eckernförder bereiteten ihrem Bürgermeister am 30. Oktober 1987 auf dem überfüllten Rathausmarkt eine bisher beispiellose Verabschiedung. Die Wertschätzung, die Schulz ihnen stets entgegenbrachte, gaben sie ihm an diesem Tag tausendfach zurück. Und er hat sein Versprechen gehalten und sich fortan aus allen kommunalpolitischen Diskussionen herausgehalten.

Schulz war ein gesuchter Gesprächspartner für Politiker wie Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Gerhard Stoltenberg, die er alle privat in seinem Haus empfangen hat. Die Parteizugehörigkeit spielte für ihn keine Rolle, wichtig war der gegenseitige Respekt und die Chemie, die stimmen musste. Das war auch so bei seinen vielen ehrenamtlichen Aufgaben, sei es als Grenzlandbeauftragter für Ministerpräsidentin Heide Simonis oder als Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindetages.

Kurt Schulz freut sich über die vielen, netten Begegnungen auf der Straße ("Moin, moin, Kurt"), die vielen Kontakte im ganzen Land und auch die in seiner Trainingsgruppe im "Kraftwerk" von Fred Jakubowski (siehe Bericht unten).

Eckernförde ist und bleibt "seine" Stadt, die er liebt und deren Menschen er mag. Die Stadt richtet aus Anlass des 90. Geburtstages ihres Ehrenbürgers am Donnerstag einen Empfang aus. Heute feiert Kurt Schulz privat mit Familie und Freunden. Sein Geburtstagswunsch: "Gesundheit und der Stadt und ihren Menschen alles Gute".

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