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Publikumsmagnet : Kunsthandwerk in der Scheune

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Wohlder Markt findet von Jahr zu Jahr mehr Zuspruch. Für die Aussteller steht die künstlerische Anerkennung im Vordergrund.

Der Regen hielt vermutlich einige Besucher davon ab, den 7. Wohlder Markt auf dem Gut Wulfshagen zu besuchen, doch der Atmosphäre in der Scheune konnte er nichts anhaben. Das Licht der Kronleuchter und der zahlreichen kleinen Lampen oder Kerzen an den Ständen brachte das Kunsthandwerk eindrucksvoll zur Geltung. Von Jahr zu Jahr wurde der Markt größer, das Angebot breiter. Ideengeber Klaus Juschkat hatte wieder eine Idee parat: den „Schluckfisch“. Der Schnaps kann „wahlweise vor, während oder nach dem Verzehr des Backfisches zu sich genommen werden“, erklärt der ehemalige Bürgermeister schmunzelnd. „Marktschnaps Wulfshagen – und der Fisch liegt gut im Magen.“

Gutsherr Moritz Graf zu Reventlow stellt für den Markt sein Anwesen zur Verfügung: „Wir haben Spaß daran. Es ist eine Kommunikationsplattform für die Gemeinde. Die ganze Gegend kommt zum Klönschnack hierher und trinkt ein Bier zusammen. Es ist schon fast eine Tradition geworden.“ Wichtig sei vor allem, dass es keine kommerzielle Veranstaltung sei und als Eintritt lediglich eine Schutzgebühr erhoben werde, die zur Kostendeckung dient. „Wenn wir etwas überhaben, freuen sich alle“, stellt der Hausherr fest. „Letztes Jahr konnten wir dem Kindergarten in Blickstedt 500 Euro übergeben.“

Fast von Anfang an stellen Kirsten Bremer und Karen Ullmann ihre Werke aus. „Strandgut“ nennen die beiden Kronshagenerinnen ihre Kunst, die sie aus Treibholz herstellen. Bevorzugt nach einem Sturm wird der Anhänger ans Auto gekuppelt – und dann geht es an die Nordseeküste. So gehörten die beiden Freundinnen zu den wenigen, die von den Stürmen Christian und Xaver profitierten. „Wir haben beide im Garten einen kleinen Tischlerschuppen“, erzählt Kirsten Bremer.

Auch für Renate von der Wöste gehören am Strand aufgesammelte Holzstücke zu ihren Arbeiten – jedoch in ganz anderer Form: Sie werden mit Blattgold überzogen und auf zehn mal zehn Zentimeter große Karten aufgebracht, die als Gruß nur verschenkt, aufgestellt oder gerahmt werden können. Unzählige Motive hat die Delmenhorsterin, die erstmals in Wulfshagen ausstellte, im Angebot.

Ihr Talent zur Malerei mit Bienenwachs entdeckte die gelernte Altenpflegerin erst, als sie in Rente ging: „Ich bin mit meinem Mann mit dem Wohnwagen losgefahren und habe das Maleisen mitgenommen, das 30 Jahre in der Schublade gelegen hatte. Plötzlich hatte ich meine Handschrift gefunden. Wenn ich einen guten Tag habe, kommt sogar etwas dabei heraus“, sagt die 65-Jährige bescheiden, aber ohne ihre Leidenschaft verstecken zu können.

Tina Kiekebusch ist begeistert: „Ich besuche viele Märkte, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen. Das ist wunderschön.“ Bemerkenswert sind für sie die geringen Preise, doch da sind sich die Künstler in der Wulfshagener Scheune einig: Wenn es teurer ist, kauft es keiner. Das Material des Hobbys bezahlt zu bekommen, steht für sie im Vordergrund. Wertschätzung zu erfahren, sei eben eine andere Art der Bezahlung. Renate von der Wöste erkärt: „Wenn etwas mit Liebe ausgesucht wird, um es zu verschenken, ist es einfach schön.“

 

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