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Kunsthaus Eckernförde : Kunsterlebnis im Gewerbegebiet Nord

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Uwe Svensson zeigt über 400 Bilder, Grafiken und Radierungen im Kunsthaus Eckernförde im Amselweg. Der Galerist schafft Platz für seine eigenen Werke.

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erstellt am 25.Feb.2017 | 06:52 Uhr

Eckernförde | Gewerbebetriebe wie ein Stahl- und ein Heizungsbauer, ein Autohandel und die Straßenmeisterei prägen den Amselweg. Wer in so einem Umfeld nach Kunst sucht, wird normalerweise nicht fündig. Im Amselweg ist das anders. In Nr. 3 steht ein großer, gelber Rahmen vor dem Kunsthaus Eckernförde. Der Begriff Kunsthaus trifft ziemlich gut, was sich dem Besucher hinter der Eingangstür erschließt: Kunst an jeder Wand, in jedem Winkel, hinter jeder Tür. Mittendrin der Hausherr, Buchbindermeister, Rahmenbauer, Kunstkenner und Galerist Uwe Svensson. Der 75-Jährige hat seine öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten zwar merklich runtergefahren, ist aber weiterhin ungemein kreativ und produktiv, malt und rahmt wie eh und je. Nur seine einst florierende Buchbinderei mit acht Angestellten, eigener Werkstatt und guten Auftraggebern hat er aufgegeben.

Sein Ruf als exzellenter „Kunst-Einrahmer“ beschert ihm allerdings nach wie vor Aufträge weit über die Region hinaus, die Kunden kommen aus ganz Deutschland, „außer dem Saarland und Thüringen“, fügt er an, ohne eine schlüssige Erklärung für deren Abstinenz zu haben. „Der Rahmen hat die Aufgabe, das Bild zu unterstützen“, sagt Uwe Svensson, der zugibt, manchmal auch „ausgeflippte Ideen“ zu haben. Und die haben sich für die Bilder und Grafiken, die durch seine Hand gingen, noch nie nachteilig ausgewirkt – im Gegenteil. Mit dem untrüglichen Blick eines Künstlers und der meisterhaften Präzision eines Handwerkers hat Svensson die Wirkung von Bild und Rahmen als Gesamtkunstwerk stets zu steigern gewusst.

Aber das Einrahmen von Kunstwerken ist nur eine Seite seines Schaffens. Uwe Svensson ist auch Galerist und Maler. 424 Bilder sind in seiner inzwischen 42-jährigen Schaffenszeit entstanden. Einige hat er in seiner Galerie im Amselweg, im Landtag oder auch im nahe gelegenen Restaurant-Hotel Stöterau in Gammelby ausgestellt, die meisten seiner Arbeiten stehen jedoch sorgsam verpackt in seiner Werkstatt. Und genau diese möchte er so schnell wie möglich im Kunsthaus Eckernförde zeigen. Das Problem: Es ist voll. Hochwertige Blumen-Drucke in Giclée-Technik von Max Streckenbach neben Grafiken von Pablo Picasso und Paul Wunderlich, Farbradierungen von Wolfgang Zelmer und Leslie Hunt neben gerahmten Kunstdrucken, den unvergleichlichen Holzschnitten von Gerhart Bettermann und feinsten Kupferstichen von Otto Rohse, dem berühmten Briefmarkengestalter – Uwe Svensson präsentiert auf engstem Raum rund 400 Werke von etwa 70 Künstlern, weniger bekannten und Berühmtheiten.

Um Platz für seine eigenen Werke zu haben, hat der Künstler und Galerist einen Abverkauf seiner gesammelten Werke gestartet und bietet sie für die Hälfte des Preises an. Ebenso verhält es sich mit den hochwertigen, von ihm gerahmten Spiegeln im „Spiegelzimmer“, das wie ein vornehmes, gutbürgerliches Wohnzimmer mit Parkett und samtenen Polstermöbeln eingerichtet ist.

Svensson hat Spaß an Farben und Farbverläufen. Das drückt sich in seinen Arbeiten aus. Die Motive spielen für ihn eine untergeordnete Rolle, und sind auch nicht immer auf Anhieb erkennbar. Doch wenn man die oft mit kräftigen, leuchtenden Farben dargestellten Landschaften, Körper, Gegenstände oder Strukturen entdeckt hat, kann das Kopf-Kino und die Reise in die Welt der Assoziation beginnen. Sein Werk ist mitnichten abgeschlossen. Den 75-Jährigen juckt es noch mächtig in den Fingern, wie er sagt. Und wenn ihn etwas bewegt, greift er zu Pinsel, Farben und Leinwand und verarbeitet seine Gedanken auf kreative Art und Weise. Selbst in seinem Garten hinterm Haus ist die Kunst allgegenwärtig: „Udo und Udoline“ lassen grüßen, zwei Baumstümpfe als Mann und Frau in Anspielung an Panik-Rocker Udo Lindenberg, den er persönlich allerdings nicht auf seiner Playlist hat, weil er viel mehr auf Elvis und andere Musik steht. Gegenüber am Maschendrahtzaun guckt Donald Trump ziemlich dämlich aus der Wäsche. Svensson hat den ungeliebten US-Präsidenten und Milliardär am Tage seiner Vereidigung auf seine Weise porträtiert – nicht gerade zum Vorteil seines Modells. „Was ich gut finde, male ich nicht“, sagt Uwe Svensson, was ihn von den meisten seiner Künstlerkollegen deutlich abhebt. Ein ausgeprägter Individualist eben.

Seine Karriere als Galerist begann am 5. August 1974. Der Keitumer Maler Dieter Röttger lockte viele geladene Gäste und Kunstfreunde in den Amselweg. Auf einen Schlag war das Kunsthaus Eckernförde mitten im Gewerbegebiet Nord eine wichtige Adresse für die Kunstwelt im Norden. Fürsprecher war unter anderem der Leiter des Landesmuseums Schloss Gottorf, Dr. Joachim Kruse und auch Eckernfördes Bürgermeister Kurt Schulz und seine Frau Helga zählten seither zu engen Weggefährten Svenssons. Fünf bis sieben Ausstellungen richtete er pro Jahr aus. Darunter Werke so bekannter Maler und Künstler wie Bruno Bruni, Gerhart Bettermann oder Otmar Alt. Nebenher reiste Svensson selbst durch die halbe Republik, um seine eigenen Arbeiten zu zeigen, nach Nordenham, der ersten auswärtigen Adresse, folgten Städte wie Stuttgart, Berlin oder Schneverdingen.

Wer Kunst erleben und vielleicht auch erwerben möchte, ist im Amselweg 3 an der richtigen Adresse. Besichtigungstermine nimmt Uwe Svensson unter Telefon 04351/83655 entgegen.

>www.kunsthaus-eckernfoerde.de

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