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Neue Ausstellung in carlshöhe : Kunst ohne Titel und Namen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Galerie Carlshöhe lockt mit ungewöhnlichem Ausstellungskonzept / 72 titelfreie und unsignierte Werke präsentiert Marlies Greifenberg

Ungewöhnlich aufgeräumt, geordnet und diszipliniert ging es gestern in den Räumen der Galerie Carlshöhe zu. Ungewöhnlich, weil 72 Künstlerinnen und Künstler des Kunstvereins „Natur & Kunst Carlshöhe“ in Begriff sind, ihre Werke für die bevorstehende Ausstellung und die dazugehörige Vernissage am kommenden Sonntag um 15 Uhr einzurichten. Man erwartet für Gewöhnlich ein geschäftig kreatives Treiben und Gewusel, wenn Künstler miteinander über die richtige Hängung, das richtige Licht und die richtige Anordnung der einzelnen auszustellenden Exponate verhandeln und sich gegenseitig beraten. Ein wahres Stimmengewirr erahnt man – doch weit gefehlt. Galerieinhaberin Marlies Greifenberg hat ihre Künstler gut im Griff: „Wenn ihr mit der Ausleuchtung eurer Werke zufrieden seid, dürft ihr nach dem Pressetermin gehen“, hält Greifenberg, studierte Kunstpädagogin und leitende Personalerin, ihre Schützlinge an, die Präsentation ihres jeweilig eingereichten Kunstwerks erneut zu überprüfen. „Ich möchte nicht, dass ihr später die Galerie verlasst und mit der Darbietung eurer Arbeiten nicht zufrieden seid, denn wir haben alles miteinander mehrfach diskutiert und besprochen.“

Man merkt Greifenberg das ehemalige Lehrerdasein an. Mittels einem kleinen Glöckchen verschafft sie sich eingangs Gehör, um dann mit fester Stimme als Projektleiterin - denn als Kuratorin versteht sie sich nicht – ihre klaren Vorstellungen von den letzten Handgriffen zur Realisation der Ausstellung „unbekannte Werke bekannter Künstler“ an ihre Schützlinge weiter zu geben. Seit Frühjahr arbeiten diese miteinander unter der Ägide von Greifenberg an der siebten Vereinsausstellung des NaKu Carlshöhe in der mit 600 Quadratmetern Fläche größten Privatgalerie Schleswig-Holsteins.

„Ich bin sehr zufrieden mit der diesjährigen Werkauswahl“, kommentiert Greifenberg den motivischen Fächer der nach dem Bewerbungsende am 31. März eingereichten Arbeiten. Einzig zwei formale Bedingungen mussten die Werke erfüllen: sie dürfen nicht größer oder gar kleiner als ein Quadratmeter sein und aktuell, also erst in diesem Jahr entstanden sein. Ihr geht es bei der Konzeption der Ausstellung vornehmlich um den sozial-kulturellen Aspekt des Kunstmachens und weniger um einen ästhetisch unterfütterten inhaltlichen Überbau. Denn jeder der kunstschaffenden Vereinsmitglieder darf in der Gruppenausstellung mit dem rätselhaften Titel eine selbst ausgewählte Arbeit präsentieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Künstler eine akademische Ausbildung genossen hat oder die Kunst aus Leidenschaft als Hobby betreibt. Demgemäß ist auch die sich hinter dem Ausstellungstitel verbergende ungewöhnliche Präsentation zu verstehen. Indem Greifenberg in Absprache mit ihren Künstlern auf die Titel und Künstlerangabe verzichtet, nimmt sie jeder Hierarchisierung und Bewertung vorab den Wind aus den Segeln. „Erst, wenn sich ein Kaufinteressent für eines der Werke findet, wird ihm auf Anfrage Titel und Name des dazugehörigen Künstlers geliefert.“ Sie greift damit mithin auf die Liebe zur Leerstelle im zeitgenössischen Kunstdiskurs zurück und eröffnet den Werken neue Bedeutungsebenen fernab von jeder inhaltlichen Zuschreibung. Denn „Untitled (ohne Titel)“ ist der häufigste Titel in der aktuellen Gegenwartskunst. Dabei entstehen mögliche Gedankenspiel wie, dass ein Werk ohne Titel unvollständig ist, und ein Titel ohne Werk eben auch oder dass die Titellosigkeit auch als ein Widerstand des Künstlers gegenüber einer Interpretationsflut gesehen werden kann. Aus der Frage nach dem Titel, die sich aus einem „Untitled“ ergibt, entsteht zwangsläufig ein Spannungsfeld. Ein interessantes Spannungsfeld.

Wer keines der Werke käuflich erwerben möchte und dennoch nach Besuch der Ausstellung neugierig das Spannungsfeld auflösen möchte, der ist zur Finissage am 30.August eingeladen. Dann wird das Geheimnis um die Werktitel und Urheber der zahlreichen Gemälde und Combine Paintings, Skulpturen und Installationen gelüftet.
 



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