Kunst-Hoch in der Novembernacht

„Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“ – das Motto der drei Affen hat Brigitta Krause auf ihre Weise aktualisiert. „Alles sehen, alles hören, alles sagen und weit in die Welt hinausposaunen“ heißt eine ihrer Arbeiten. „Ausspionieren, abhören, posten“ sind die Themen ihres Triptychon „Verzapft“ aus diesem Jahr.  Fotos: Frank
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„Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“ – das Motto der drei Affen hat Brigitta Krause auf ihre Weise aktualisiert. „Alles sehen, alles hören, alles sagen und weit in die Welt hinausposaunen“ heißt eine ihrer Arbeiten. „Ausspionieren, abhören, posten“ sind die Themen ihres Triptychon „Verzapft“ aus diesem Jahr. Fotos: Frank

Künstler der Stadt geben Einblicke in ihr Schaffen / Viele interessante Stationen und Aktionen in der Eckernförder Kunstszene

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10. November 2014, 06:15 Uhr

Elf Adressen nennt das Programmheft zu den vier „Langen Nächten der Kultur“. In Wirklichkeit verstecken sich dahinter noch viele Künstler- und Atelier-Adressen mehr: Allein die Carlshöhe bietet 13 offene Ateliers an, im Innenstadtgebiet kommen noch elf dazu. Darin nicht enthalten sind kooperierende Künstler, die wie Regine Black in der Zimmergalerie von Marion Loh oder Volker Altenhof, der seine Werke in gemeinsamer Ausstellung mit Falko Windhaus in der Galerie 66 präsentierten.

Wer sich auf das Kunst-Städtepuzzle „Am Abend in Eckernförde Kunstorte entdecken“ einließ, machte nicht nur Bekanntschaft mit einer feinen Stadt, sondern auch mit fantasiereichen, freundlichen, kontaktfreudigen und liebenswürdigen Menschen, die gerne bereit sind, in verschiedensten Formen und Ausführungen etwas von ihrem Lebensglück abzugeben. Ob an die Wand zu hängen, wie Volker Altenhofs großformatige Bilder, oder als kleinen Schatz in handgefalteter Schatulle wie die Mini-Elfen von Regine Black.

Auch Bild-, Ton- und Raumerlebnisse, die nur vor Ort erlebbar sind, wurden in St. Nicolai mit Gerald Eckerts Video-Pazifik-Strandwelleninstallation über vier große Bildschirme präsentiert: Absolut unerwartet und ungewöhnlich wirkten seine elektronischen Sounds aus dem Computer mit live dazu gespielten Cello-Klängen (Gerald Eckert) und den Flöten von Beatrix Wagner. Sich darauf einzulassen, erforderte große innerer Ruhe, Interesse an neuen Erlebnis-Erfahrungen und Gelassenheit. Viel „erdiger“ dagegen die Finger- Fertigkeiten im Plastilin-Knetkurs von Patrick Schloßer: Für ihn ist das eine weniger aufwändige und gute Übe-Alternative im Vergleich zum heißgemachten Schmiedestahl. Alles passte unter „Kunst“ in die Nacht.

Wieder bestimmten Abwechslung und Vielfalt den Charakter dieser Kulturnacht. Künstler live zu erleben und mit ihnen über ihre Kunst zu sprechen, bereichert ungemein. Gemeinsames Gestalten war genauso möglich, wie bei Norbert Weber zu erleben, welche Probleme der Kunst-Drucker mit den Monotypien (Ein-Stück-Drucke) der norwegischen Künstlerin Bente Stokke löste: Galt es doch, originale Asche von Islands Luftverkehrsverhinderungs-Vulkan „Eyjafallajökull“ zu verarbeiten. Und Marion Loh hat mit ihrem erstmals geöffneten Zimmeratelier private Räume der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie regte mit Orakelsteinen und Geschenkwörtern zu intensiven Gesprächen an. Dabei kam die Kreativität nicht zu kurz, neue Bekanntschaften entstanden. Wie die zu Prof. Dr. Gynter Mödder, der gerne ein „Mauseum“ in Eckernförde eröffnen würde. In Bergheim-Glessen hat er schon eins (www.mauseum.de).

Bis spät in die Nacht wurden Kunstwerke durch Menschen lebendig, wurde der Kunstbegriff deutlich erweitert: Durch die, die sie schaffen und durch die, auf die sie wirken. Ein großer Gewinn für die Stadt und für die Kunst.




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