Kunst : Kunst für die Region

Florian Gaida, Kerstin Mempel, Clemens C Franke und Susanne Kallenbach (v. l.) im Gespräch miteinander.
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Florian Gaida, Kerstin Mempel, Clemens C Franke und Susanne Kallenbach (v. l.) im Gespräch miteinander.

25 Jahre Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde. Künstlerfest zum Abschluss der Ausstellung auf Carlshöhe.

shz.de von
05. Februar 2018, 06:19 Uhr

Eckernförde | Neue Fenster und Türen, originaler Bundeswehr-Lagerfußboden, weiße Wände: Hier passt alles zusammen. Die Blicke werden auf die Bilder und Objekte konzentriert. Sogar die mit goldenen Rettungsfolien geschützten Leckereien für das abschließende Künstlerfest erfüllten bis zu ihrer endgültigen Verwendung noch die Aufgabe besonderer, geheimnisvoller Ausstellungs-Objekte in der Galerie Carlshöhe. Zum Abschluss der Jubiläumsausstellung „25 +“ boten die ausstellenden Künstler am Sonnabend Möglichkeit zu Gesprächen über ihre Arbeit an. Geleitet wurde die Gesprächsrunde vom Kieler Kunsthistoriker Jens Martin Neumann.

Sie bot – wenn auch wegen der hallend-brummeligen Akustik des Ausstellungsraumes nicht immer in allen Details verständlich – tiefe Einblicke in die Empfindungs- und Entstehungswelten, auch in die Probleme der Künstler. Etwa 30 Interessierte lauschten ihrem Gespräch.

Erste Erkenntnis: Hinter jedem „etwas“ steckt eine weitere, tiefe Empfindung, auch die Furcht davor, wie schnell sich Umstände ändern. Susanne Kallenbach weiß das. „Was ich mache, verändert sich.“ Sie konnte aus Erfahrung berichten, wie sehr beim Brand ihre Keramiken Größe und Farbe ändern. Fotografen wie Florian Gaida oder Thorsten Mischke ziehen schon deshalb die Arbeit im Studio vor – ihre fotografischen Arbeiten sind bis ins feinste Detail komponiert und arrangiert – weit weg vom üblichen Schnell-Schuss.

Für Kerstin Mempel sind Fotografien als Vorlage für ihre Malerei ungeeignet, weil im zweidimensionalen Foto Wertigkeiten von Objekten im Raum egalisiert werden. Digitale Bilderflut des aktuellen Zeitalters wurde wegen der Menge, aber auch wegen der Nachbearbeitungsmöglichkeiten diskutiert. In Zeiten von Fake-News könne man nicht einmal mehr seinen Augen trauen, dennoch enthielten die Bilder als Basis doch Reales.

„Darf ich das gut finden“ benannte Florian Gaida ein weiteres Problemfeld: Die Darstellung von Männlichkeit am Beispiel einer nackten Person mache ihn nachdenklich. Einig war man sich aber, dass man in einer Zeit lebe, in der es noch nie so viele schlechte Bilder gegeben habe. Die Diskussion um Malerei und Fotografie als Übersetzung einer Wirklichkeit in andere Ebenen entspann sich zu einer tiefgreifenden Innenansicht aus den Tiefen der Empfindung von Künstlern. Teils schon Insider-Gespräch, ermöglichte es Einblicke auf Details „hinter dem Vorhang“, die sie sensibel und penibel aufdecken, zeigen und damit ins Bewusstsein heben. Dass es nicht immer wie gewünscht gelingt, dafür brauche man „Frustrationstoleranz“.Claudia Sperlich findet die Welt chaotisch und versucht mit klaren Konturen und wenigen Farben Klarheit zu schaffen. „Ich habe immer das Bedürfnis, ein angenehmes Bild zu schaffen.“ „Alles weglassen, was nicht gebraucht wird.“ Zustimmung von Anna Brunner-Mocka, die ein Bild als Kombination von Linien und Flächen definierte, bei denen der Ausdruck jedoch von den Linien bestimmt würde. „Ohne Farbe geht nichts“ waren sich die Experten auch einig. Auch darin, dass in digitalen Zeiten zwar alles gespeichert und schnell abrufbar ist, es aber auch unsicher ist. Was von der vielen Kunst übrig bleibt. „Kunst und Kultur ist für jetzt da!“ war ein Standpunkt, der noch zu diskutieren wäre.

Sicher ist: Die Welt wäre ohne Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ ärmer. Auch ohne den Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde? In 515 Jahren (so alt ist die Mona Lisa) wüsste man das genauer. Nach nur 25 Jahren ist klar: Ohne den Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde wäre sie ein gehöriges Stück ärmer. Mindestens bei uns und in der nächsten Nachbarschaft. Nach 25 Jahren bestimmt Gelassenheit die Stimmung im Künstlerbund Rendsburg-Eckernförde. Zukunftssorgen spielen keine Rolle. „Wir kennen uns schon lange, haben teils zusammen studiert und sind nun in der ganzen Welt verteilt. Der Kern lebt nach wie vor in Mittelholstein um Rendsburg-Eckernförde“ erklärte Clemens C Franke im Gespräch mit der Eckernförder Zeitung. Auch ohne jungen Nachwuchs blicken die Künstler realitätsbewusst zuversichtlich nach vorne.

Studenten aus Kiel bleiben kaum im dünn besiedelten Kern Schleswig-Holsteins oder finden hier ausreichende Überlebensmöglichkeiten. Das erschwert den Beitritt weiterer Mitglieder. „Wir sind offen für neue Mitglieder. Wir sind nicht pessimistisch und fühlen uns wohl miteinander. Der Bezug zur Region ist uns wichtig. Und den tragen wir tief in uns!“

Gründungsmitglied Peter Rathmann hat einen Arbeitsschwerpunkt in Hamburg, Claudia Sperlich lebt in Kiel und Clemens C Franke in Felde – alle haben in der Jubiläumsausstellung des Künstlerbundes in der Galerie Calshöhe einige ihrer Werke ausgestellt, genau wie Anna Brunner-Mocka, Clemens Franke, Florian Gaida, Susanne Kallenbach, Kerstin Mempel, Thorsten Mischke, Claudia Sperlich.


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