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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 19:09 Uhr

Kunst des Glaubens

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 21.Aug.2015 | 17:28 Uhr

Sommerzeit, Ferienzeit – das ist meist mit einer Unterbrechung verbunden. Der Ball in der Bundesliga ruht. Im Urlaub darf die Arbeit pausieren. Die Ferien vergönnen eine erholsame Pause vom Lernen.

Früher machten im Sommer auch die Musiker eine Kunstpause. Die alte Spielzeit endete im Juni und die neue begann im September. Heute ist gerade diese Sommerzeit eine Festivalzeit geworden. Rock ist am Strand zu hören. Openair – Opern locken an den Hafen oder Rathausplatz. Klassische Konzerte werden in Scheunen und Kirchen gegeben und erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Sommer genießen Einheimische und Urlauber Kunst und Kultur.

Mit einem schönen Wort hat der Philosoph Peter Sloterdijk beschrieben, worin für ihn das Wesen der Kunst bestehe: in der „aktiven Komplizenschaft mit dem Unmöglichen“.

In der Kunst der Musik, der Bilder und Bücher wird uns eine Welt eröffnet, die über alles Verständliche, Selbstverständliche und Erklärbare unseres Lebens hinausgeht.

Gegen alles, was wir sonst versuchen, mit unserem Verstand zu erfassen und durchleuchten, lassen wir uns durch die Kunst mit dem Unmöglichen berühren. Sie erschließt uns neue, ungeahnte Dimensionen.

So ließe sich auch die Kunst des Glaubens als „aktive Komplizenschaft mit dem Unmöglichen“ gut beschreiben. Gott selbst, so erzählen die christlichen Glaubensgeschichten, übt sich immer wieder in dieser Kunst. Er wird zum aktiven Komplizen mit dem Unmöglichen in seinem Vermögen, gerade die Unmöglichen zu mögen. So hat er gerade an Menschen, die andere für unmöglich halten, an Zöllnern, Ehebrechern und Dieben eine überraschend diebische Freude. Er hat eine Schwäche für die Schwachen.

Deshalb können auch alle, die nicht immer alles richtig machen, die Gott ferner stehen mögen, die wenig vorzuweisen oder sich etwas zu Schulden kommen lassen haben, ihr Leben auf diesen sie mögenden Gott ausrichten und auf seine herzliche Zuwendung hoffen. Das ist eine überraschend unkomplizierte Kunst. Sie will womöglich auch Dich und mich als aktiven Komplizen mit dem Unmöglichen gewinnen.

Der Glaube hält in uns die Einsicht wach, dass es noch mehr gibt als unsere manchmal so schöne, aber ebenso manchmal so traurige Wirklichkeit. Die Kunst besteht darin, über alles Mögliche an das Unmögliche zu glauben. Denn „bei Gott ist nichts unmöglich“. Daran mögen wir uns nicht nur zur Sommerzeit freuen. Diese Kunst ist immer möglich.


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