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Sparkassenschließung : Kunden vermissen den Service

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Karbyer fünf Wochen nach Filialschließung der Förde Sparkasse unzufrieden. Kein Briefkasten für Überweisungen.

von
erstellt am 28.Dez.2016 | 05:34 Uhr

Karby | Bargeld abheben und Auszüge aus dem Kontodrucker holen – mehr Leistungen finden die Kunden der Förde Sparkasse in der im November geschlossenen Filiale in Karby nicht mehr vor. „Viele Bürger sind traurig und unzufrieden“, sagt Bürgermeister Klaus-Dieter Moese mit Blick auf die verbliebene SB-Filiale. Seit der Schließung am 18. November habe er schon von vielen Bürgern Beschwerden gehört und einige hätten auch schon verärgert die Bank gewechselt, berichtet er.

Die Gemeinde hatte im Herbst unteranderem mit einer Unterschriftensammlung gegen die Schließung der Filiale protestiert (wir berichteten). Und es wurden auch Gespräche mit der Geschäftsführung geführt, doch alles vergeblich, so Moese. Nun warten die Karbyer und die Bürger der Nachbargemeinden darauf, dass an der ehemaligen Filiale etwas geschieht. Mit großen Plakaten weist die Förde Sparkasse darauf hin, dass hier eine SB-Filiale entsteht.

Das ist bereits erfolgt, stellt Caye Petersen, Pressesprecher des Geldinstitutes auf Nachfrage der EZ fest. Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Förde Sparkasse. Die Veräußerung des Gebäudes sei geplant, wobei die Sparkasse gerne als Mieter am bisherigen Standort die SB-Filiale erhalten will, so Petersen. Zu Anfang des Jahres werde man in Kaufverhandlungen und der Suche nach einer Lösung eintreten, es hätten sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet.

„Die Schließung der Filiale ist schon ärgerlich“, sagt Simone Appel. Vor allem, da die Zahnärztin aus dem Ort auch oft Geld einzahlen muss. Das geht in der verbliebenen SB-Filiale aber nicht. Nun muss sie wiederholt in der Woche nach Vogelsang-Grünholz, zur nächsten Filiale, fahren, was zusätzliche Wege für sie bedeutet. Sie sei seit über zehn Jahren Kunde des Geldhauses, nun überlegt sie, ob sie die Bank wechselt, sagt sie.

Soweit ist Marianne Schmidt aus Karby noch nicht. Ihr reicht das Angebot des Geldautomaten aus, sagt sie. Sie hat ihr Konto bei der Nordostsee Sparkasse und muss für persönliche Beratung dafür eh über die Schlei nach Kappeln. Sie kommt damit aber zurecht, da sie Überweisungen online tätigt.

Online überweisen und Geldgeschäfte tätigen, das können nicht alle, sagt Bürgermeister Moese. Besonders ältere Bürger hätten da wenig Erfahrung. Sie sind auf persönliche Betreuung angewiesen. Für sie wird der Weg nach Vogelsang-Grünholz lang. Wer dann auch kein Auto hat, der stehe vor einem Problem. Er wünscht sich wenigstens einen Sammelkasten, in dem man Überweisungen einwerfen kann, und diese dann von der Sparkasse abgeholt werden.

Über zusätzliche Wege klagt auch Brigitte Wohlfahrt. Sie betreibt seit 25 Jahren einen kleinen Supermarkt in Karby. Auch sie muss nun mehrmals die Woche nach Vogelsang–Grünholz fahren, um Bargeld einzuzahlen. Bei ihr im Geschäft treffen sich die Menschen und schnacken. Das Thema Sparkasse tauche da immer wieder auf, berichtet sie. Seitdem die Filiale nur noch wenige Angebote bereit hält, stellt sie auch weniger Kundschaft fest. Wer früher mal eben zur Sparkasse gegenüber ging, der kam im Anschluss auch oft zum Einkaufen zu ihr. Heute führen Kunden direkt zur Filiale nach Vogelsang-Grünholz und würden dann vermutlich auch dort einkaufen. Sie schätzt, dass etwa zehn Prozent weniger Kunden kommen.

Enttäuscht von ihrer Bank ist auch Hilde Clausen. Seit sie Kind ist, ist die Seniorin Kundin der Sparkasse gewesen. Mit einem Sparbuch fing alles an, sagt sie. Sie kommt mit den Automaten zurecht. Für Überweisungen oder Formulare aber muss sie nach Vogelsang fahren. Auch sie wünscht sich für Karby einen Sammelkasten, um ihre Überweisungen einzuwerfen.

„Die Bereithaltung eines Briefkasten für Überweisungen ist nicht vorgesehen“, stellt hierzu Pressesprecher Petersen fest. Der Grund liege im sehr hohen Aufwand, da täglich eine voraussichtlich geringe Anzahl an Überweisungsträgern per Boten aus Karby abgeholt werden müsste, so Petersen. Zum anderen verlangten rechtliche Rahmenbedingungen eine taggleiche Verbuchung der Überweisungen, die dann aber nicht garantiert werden könnte. Auch bestehe das Risiko des Diebstahls einzelner Überweisungen und damit verbundener Betrugsversuche, so Petersen.

Ein langjähriger Kunde der Sparkasse aus Karby zog für sich bereits die Reißleine. Er sei zur Schleswiger Volksbank im benachbarten Dörphof gewechselt, ruft er noch im Vorbeigehen. Waltraut Fiering, sie betreut die Volksbank Filiale, berichtet auf EZ-Nachfrage von einigen neuen Kunden und verschiedenen Nachfragen. Sie erwartet noch weitere Kunden, denn „wir sind vor Ort“ sagt sie.

Eine größere Abwanderung der Kunden seit der Umwandlung der Sparkassenfiliale in eine SB-Filiale habe die Förde Sparkasse bislang nicht festgestellt, so Petersen. Für die Kunden sei es wichtig, dass ihnen mit Heike Nissen ihre aus Karby bekannte Beraterin in Vogelsang weiter zur Verfügung steht, stellt Petersen fest.

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