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Eckernförder Zeitung

23. Oktober 2017 | 09:00 Uhr

Kulturstadt und Sonderwirtschaftszone

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 26.Okt.2013 | 06:48 Uhr

Die Königsberger Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu 90 Prozent zerstört. Die hier nach dem Krieg angesiedelten Russen haben aus den Trümmern eine neue Stadt aufgebaut. Königsberg erhielt den Namen Kaliningrad nach dem sowjetischen Politiker Michael Kalinin. Heute scheint auch unter manchen Russen der Name dieses brutalen Politikers als nicht mehr ganz geeignet. So ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass die Stadt irgendwann ihren alten Namen zurück erhält.

Zunächst hat man den Eindruck, eine russische Stadt zu besuchen mit den typischen Plattenbauten und den nüchternen Straßenzügen. Vieles scheint renovierungsbedürftig zu sein. Auf den zweiten Blick kann man jedoch erkennen, dass der Abschied vom Kommunismus und seiner Doktrin langsam auch im Stadtbild offensichtlich wird. Es gibt große überdachte Einkaufspassagen und Kaufhäuser, in denen der ganze Luxus der westlichen Welt angeboten wird. Es werden Kirchen gebaut. Im Zentrum, am Platz des Sieges, wurde die orthodoxe Erlöser-Kirche fertig gestellt, ein gewaltiger Bau mit fünf eindrucksvollen goldenen Kuppeln. Für die evangelisch-lutherische Gemeinde entstand die architektonische sehr ansprechende Luisen-Kirche. Der gut besuchte Gottesdienst, an dem wir teilnahmen, wurde in deutscher und russischer Sprache gehalten. Man bemüht sich im übrigen, was vom preußischen Königsberg übrig blieb, zu rekonstruieren. Im Zentrum der Altstadt beeindruckt der wieder aufgebaute Dom, ein monumentaler dreischiffiger gotischer Backsteinbau. Er wird heute für viele Arten von Veranstaltungen, jedoch nicht mehr sakral genutzt.

Das Bernsteinmuseum ist sehenswert. Es zeigt vor allem modernen Bernsteinschmuck. In dem ganz in der Nähe gelegenen Palmniken werden im Tagebau jährlich ca. 300 Tonnen Bernstein gefördert und so wird überall Bernstein in vielen Formen angeboten. Das Kant-Museum zeigt Originalausgaben des großen Philosophen Immanuel Kant. Die Gebietsregierung beabsichtigt Kant zum Symbol der Region zu machen und zu vermarkten. Der Domdirektor Igor Odinzow vertritt die Ansicht, dass Kant als russischer Staatsangehöriger gestorben sei, weil er, wie alle Königsberger damals einen Eid auf Katharina II geleistet hatte. Folglich sei er ein Teil der russischen Kultur. Ob diese merkwürdige Auslegung historisch nachvollziehbar ist, müssen Sachkundige beantworten.

Bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 sollen auch Spiele in Kaliningrad ausgetragen werden. Man hofft, dass dies das Ansehen der Stadt weltweit fördert. Wer sich für aktuelle Ereignisse aus Kaliningrad interessiert, kann sich in dem nunmehr 20 Jahre erscheinenden deutschsprachigen „Königsberger Express“ informieren, der monatlich herausgegeben wird. Für die Einreise in russische Exklave Oblast (Gebiet) Kaliningrad benötigt man ein bereits zu Hause ausgestelltes Visum. Das Gebiet ist umgeben von den EU-Staaten Polen und Litauen. Die Kaliningrader fühlen sich dadurch eingesperrt, ähnlich wie die Berliner während der Mauer, denn sie müssen bei jeder Ausreise über Land ein Visum beantragen.

Auf unserer Fahrt über Land fielen uns viele ungenutzte landwirtschaftliche Flächen auf. Dort sucht man finanzkräftige Interessenten zur Bewirtschaftung und Pacht mit der Option eines späteren Kaufs. Die Oblast Kaliningrad mit seinen 945 000 Einwohnern ist eine Sonderwirtschaftszone, um Firmen aus Asien und Westeuropa zu Investitionen zu bewegen, die sich aber noch in Grenzen halten.

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