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Flächen reduziert : Küste und Noor bleiben windkraftfrei

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die neue Wind-Karte der Landesplanung löst unterschiedliche Reaktionen aus / Unverständnis in Schwedeneck und Holzdorf, Freude in Eckernförde

von
erstellt am 18.Mär.2016 | 06:02 Uhr

Die Befürchtungen von Natur- und Landschaftsschützern, aber auch von vielen Bürgern Eckernfördes bewahrheiten sich nicht. Die drohende „Umzingelung“ Eckernfördes mit 180 Meter Windrädern ist vom Tisch. In einer ersten Darstellung der Suchräume für Windräder durch die Landesplanung waren unter anderem auch die Gooseeniederung und der Raum Windeby mit dem westlichen Noorufer für eine Bebauung vorgesehen. Diese Flächen entfallen jetzt auf der neu überarbeiteten „Goldkarte“ des Landes – benannt nach den orange-goldfarbigen Markierungen für Windeignungsflächen. Die Sorge war groß, dass die Planung eine Zerstörung sensibler Natur- und Landschaftsräume zur Folge hätte. Im Umweltausschuss der Stadt Eckernförde wiesen die Landschaftsplaner Matthias Valkema und Frank Metasch daraufhin, dass durch die Standorte überregional wichtige Vogelzuglinien der Wasservögel und die charakteristischen Landschaftsräume zerstört werden würden.

Umzingelt von Eignungsflächen wäre nach aktuellem Stand aber die Gemeinde Holtsee, dabei hatte die Gemeindevertretung betont, keine weiteren Anlagen anzustreben. Im Amt Hüttener Berge setzt man auf ein so genanntes informelles Planungskonzept, das bis Ende Mai bei der Landesplanungsbehörde eingereicht werden soll. In jeder der 16 Gemeinden wird dieses Konzept beraten und beschlossen. In dem Planungskonzept will die Gemeinde der Landesplanung gute und sachliche Argumente liefern, auf deren Grundlage das Land schließlich die Abwägung vornimmt. Eine Verhinderungsplanung solle damit nicht betrieben, aber zumindest steuernd eingegriffen werden.


Seeadler bremst Procon aus


Bei der Neuvorlage des nächsten Entwurfs der sogenannten Windkarte durch die Landesplanung sind auch im Schwansener Raum eine ganze Reihe von bisher als potenziell für die Windkraft denkbaren Flächen herausgefallen. So ist die bislang von der Procon im Bereich Maasleben (Holzdorf) vorgesehene Fläche für einen Windpark nicht mehr aufgeführt. Die Landesplanung hatte dafür die Präsenz des Seeadlers angeführt, berichtete Amtsdirektor Gunnar Bock vom Amt Schlei-Ostsee. Wie das Unternehmen damit umgehen will, ist ungewiss, eine Stellungnahme lag auf Nachfrage der EZ nicht vor. Nach der Versagung einer vorzeitigen Genehmigung für den Park durch die Landesplanung, die die Gemeinde beantragt hatte, hatte das Unternehmen ein UVP-Verfahren eingeleitet und auch Bauanträge gestellt, wie Bürgermeister Dirk Radeck auf Nachfrage der EZ mitteilte. Nach dem Herausfall der Fläche sei er enttäuscht, dass bisher soviel Arbeit in das Vorhaben gesteckt wurde. Zugleich bedauert er die Entwicklung, da seine Gemeinde sehr gerne von den erhofften Gewerbesteuern des Windparkbetreibers profitiert hätte, wie er am Rande der Sitzung des Amtsausschusses Schlei-Ostsee berichtete.

Die jetzt noch in Schwansen potenziell für Windkraftanlagen nutzbare Fläche ist etwa auf 35 bis 40 Prozent gegenüber der Ausweisung im letzten Entwurf im November gesunken, sagte Norbert Jordan, Leiter der Bauabteilung im Amt. Die Landesplanung hatte beim ersten Entwurf noch 7,8 Prozent der Landesfläche ausgewiesen, die Fläche war jetzt nach intensiven Beratungen auf 3,7 Prozent gesunken. Ziel ist es, dass im Spätsommer nur noch 2 Prozent der Landesfläche ausgewiesen werden.

Herausgefallen sind alle bisherigen Bereiche östlich der L 26 zwischen Barkelsby und Waabs und in einem breiten Streifen entlang der Ostsee sowie alle Bereiche in der Nähe der Schlei. Raus sind außerdem Flächen in Fleckeby, Güby und Hummelfeld. Geblieben sind die Bereiche östlich Riesebys, südwestlich Looses sowie ein langer Riegel zwischen dem bestehenden Windpark nordöstlich Looses fast bis Großwaabs. Dann gibt es noch einen Bereich zwischen Gut Damp und dem Ostseebad Damp und ein Thumbyer Bereich östlich und westlich der B 203. Schließlich noch eine Dörphofer Fläche östlich Karlsburger Holz.

Bei der Sitzung des Amtsausschusses am Mittwochabend verständigten sich die Mitglieder auf ein Treffen der Bürgermeister der acht betroffenen Gemeinden. Dazu soll, so wurde es vereinbart, auch ein externer Fachmann berufen werden, um die Gemeinden zu beraten. Bei dem Gespräch müsse geklärt werden, welche Interessen vorliegen und ob ein gemeinschaftliches Vorgehen möglich ist, sagte Amtsdirektor Bock. Die Bürgermeister aus Damp, Horst Böttcher, und Udo Steinacker aus Waabs sehen im Tourismus einen wertvollen gemeinsamen Faktor, der im Vergleich zur Windkraft sehr kritisch betrachtet werden müsse, erklärten sie beide auf EZ-Nachfrage. Bereits einen Gemeinderatsbeschluss gegen eine Ausweitung der Potenzialflächen hat die Gemeinde Loose gefasst.

Die verbliebenen Potenzialflächen könnten nach Aussage von Bock in der weiteren Abwägung der Landesplanung vor allem noch durch drei Faktoren beeinflusst werden. So sei die Fassung des charakteristischen Landschaftsraumes Schwansen noch nicht abgeschlossen. Zweitens wirke sich der Osterwall, als Teil des Dannewerks noch auf Potenzialflächen im Bereich in Gammelby aus. Drittens könnte auch der Naturpark Schlei noch Auswirkungen haben. Darüber hinaus würden alle Flächen im Vergleich zu anderen Flächen landesweit abgewogen. Wie es am Ende ausschaut, könne man nicht sagen, sagte er .

„Schön ist das nicht“, sagte Bürgermeister Gustav-Otto Jonas (SPD) zu den neuesten Plänen der Landesregierung. Die Gemeinde hatte gemeinsam mit Investor Stephan Haack von der Wotan-Gruppe-Windenergie konkrete Pläne für eine Anlage mit drei Mühlen im Gebiet zwischen Sprenge und Surendorf. Dass die potentiellen Eignungsflächen in Schwedeneck nun komplett von der Karte verschwunden sind, hatte den Bürgermeister überrascht. Mit Einschränkungen habe er gerechnet, aber nicht mit einer Entscheidung „in der Schärfe“. „Damit werden wir als Gemeinde umgehen müssen. Auch wenn es noch nicht in Stein gemeißelt steht – es sieht nicht gut aus für die Windkraft in Schwedeneck“, so Jonas.

Der Wunsch der Gemeinde nach weiteren Windkraftanlagen war nicht ungeteilt. Die Bürgerinitiative (BI) „Gegenwind Schwedeneck“ hat sich in den letzten Monaten stark gemacht und bis zuletzt Unterschriften für eine Resolution an das Land gesammelt. Nicole Helmbold von der BI äußerte sich verhalten optimistisch. „Das ist eine gute Entwicklung, aber bei der Karte handelt es sich immer noch nur um eine Entwurfsfassung“, erklärte sie. Man freue sich aber darüber, dass die Landesplanung letztendlich die Situation so zu bewerten scheint, wie die Unterstützer der BI es bereits seit langem tun. „Das bestätigt uns natürlich“, sagte sie. 

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