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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 05:51 Uhr

Künstlerpech in Andalusien

vom

Auf der Suche nach besonderen Motiven an der Costa del Sol / Traumhafte Aussichten und überraschende Ansichten

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Eckernförde | Meine Lebensgefährtin besaß in Andalusien direkt an der Costa del Sol ein kleines "Studio". Tage voller Müßiggang, Sonne und Rotwein begannen, wenn wir dort waren. Viel schöner, als der nahe Naturstrand erschienen mir die Exkursionen in die Ursprünglichkeit der hinter uns aufsteigenden Berge. Vom Strand weg erhoben sich diese bis auf 1400 m. Es gab da so viel aus maurischer Zeit zu entdecken. Die "weißen Dörfer", die einfach gebauten Finkas, die Wasserkünste und Brunnen, die bis in unsere Zeit die Bergbewohner mit Trinkwasser versorgen. Für mich, als Maler, warteten da oft ungeahnte Motive.

Ich hörte von einem Kunstmalerpaar, das hoch in den Bergen wohnte und Malkurse gab. Da ihr Wohnsitz nur schwer zugänglich war, konnte man sich dort einmieten. Richtung und die Stelle, ab der es in die Berge ging, wurden gut beschrieben.

Da standen wir nun eines schönen Tages mit unserm kleinen Mietauto. Die Abfahrt spaltete sich in drei Straßen, die alle nach oben führten. Die eine davon war noch im Bau, die zweite asphaltiert, die dritte schon zu Beginn sandig und mit Schlaglöchern übersät. Ich entschied mich für die Betonstraße. Ein wunderbarer Baumbestand, viele exotische Pflanzen in Blüte begrüßten uns rechts und links des Weges bis ..., ja bis wir nach kurzer Fahrt vor einer hohen Mauer standen, die uns die Weiterfahrt verwehrte. Da aber die Aussicht in die Tiefe und übers Mittelmeer so faszinierend war, beschlossen wir, dort oben unser Mitgebrachtes zu verzehren.

Uns war klar, dass wir umdrehen mussten. Auf der Rückfahrt wurde uns klar, dass wir in einer großen Gärtnerei gelandet waren. Entsetzen stand uns aber im Gesicht, als unsere Weiterfahrt durch ein unüberwindbares stählernes Tor mit Kette und Schloss versperrt wurde. Was nun, wir waren eingeschlossen!

Es war Sonnabend um die Mittagszeit. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Ein Handy hatten wir noch nicht. Vor Montagmorgen würde sicher keiner kommen. Neben der Asphaltstraße fiel ein Abhang mit höherem Baumbestand fast senkrecht ab. Es schien kein Entrinnen zu geben. Was nun! Ich fand eine Möglichkeit über das Geäst der Bäume ins Freie hinunter zu kommen. Der Jüngste war ich ja nun auch nicht mehr. Mutig hangelte ich mich über dem Abhang zur unteren Straße hinab. Geschafft! Ein neues Problem tat sich auf: Mir fehlten zur Verständigung die Spanisch-Kenntnisse. Ich beschloss, den Nächsten, den ich traf nach einer "Telefonica" zu fragen. Da! Zwei schulpflichtige Mädchen mit Hund kamen mir entgegen. "Uno momento" rief ich ihnen zu, "Wo, por favor, Telefonica? Zu meinem Erstaunen, fragte die Ältere zurück: "Sind Sie Deutscher?" Ich atmete hörbar auf und schilderte unsere missliche Lage. "Kein Problem", meinten da die beiden - wie aus einem Mund - "unser Papa hat den Schlüssel zum Schloss, den hole ich gleich." Da fiel mir spontan der Satz ein: "Erwarte Wunder und sie werden geschehen!"

Der Papa öffnete das Tor und erzählte uns dabei, wie er als Gärtner kurz entschlossen nach Südspanien ausgewandert war. Er hatte bisher nichts bereut. Seine Kinder gingen hier auf eine deutsche Schule und er selbst hatte beste Arbeitsbedingungen, viel Selbständigkeit, eine preiswerte Wohnung und gutes Auskommen. Dazu das anhaltend schöne Wetter, das die Pflanzen wie von selbst gedeihen ließ. Kurz, er war rundum zufrieden.

Den richtigen Weg zum gesuchten Künstler zeigte er uns auch. Es war der, mit den unzähligen Schlaglöchern. Wir quälten uns diese bergige Strecke hinauf. Straße konnte man sie nicht nennen, aber die Landschaft rings wurde schöner und fruchtbarer, je höher wir kamen.

Traumhafte Aussichten beim Blick in die Tiefe. Unzählige Motive für ein Malerauge taten sich auf. Zwischen rot blühenden Bourgainvilleazweigen, Bananenstauden, Platanen und Feigenkakteen stand ein Brunnen, der einer männlichen Figur glich. Die Arme reckte er wie zur Begrüßung zum Himmel. Er war künstlerisch aus diversen Eisenrohren zusammengeschweißt und man konnte das Wasser genau an der "richtigen Stelle" entnehmen. Gleich daneben stand eine antike Säule mit einer schräggestellten Amphore als Abschluss, aus der das Wasser zur Erde niederstürzen konnte. Ein großes Gittertor führte in die Hazienda des Künstlers. Aber, oh Schreck, der Weg in einen paradiesischen Garten war für uns leider verschlossen und das Künstlerpaar verreist.

Das war "Künstlerpech" auf der ganzen Linie! Trotzdem werden wir diese Fahrt nicht vergessen.

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