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Kultur-Austausch : Kühe mögen’s auch französisch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Angehende Gruppen-Dolmetscher aus Frankreich und Deutschland zu Gast bei 200 Milchkühen. Gäste kennen keine Scheu vor den Tieren.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 08:47 Uhr

22 angehende junge Gruppendolmetscher aus Frankreich und Deutschland waren gestern zu Gast auf dem Hof Dibbern in Neudorf. 200 Milchkühe, ebenso viele Kälber und Färsen sowie etwa zehn Mastbullen leben auf dem Hof von Malte Dibbern. Malte Dibbern kennt seine 200 erwachsenen Damen alle mit Namen. Die Hofführung übernahm Gerit Lück. Er ist Azubi im dritten Lehrjahr. Seine Erklärungen wurden von verschiedenen Teilnehmern übersetzt. Fragen nach Milchpreisen ebenso wie nach Gesundheit, Futter und Melktechnik wurden gestellt. Nebenbei gab es noch einige Streicheleinheiten für die Kühe und Färsen, ja selbst für die Bullen.

Zum Abschluss des Besuches ging es zum Blumenfeld. Etwa 30 Blumensorten wachsen hier für Selbstschneider, darunter ungefähr 40 Daliensorten. Mit dem Blumenfeld hat der jetzige Seniorchef Hans-Joachim Dibbern vor 17 Jahren begonnen – mit Sonnenblumen. Damals habe man ihn ausgelacht. „Die kannst du nie verkaufen“, waren gängige Reaktionen. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Den Hof hat inzwischen sein Sohn übernommen. Um das Blumenfeld kümmert er sich noch immer.

Die jungen Franzosen und Deutschen studieren zum großen Teil die Sprache des jeweils anderen. Voraussetzung war das jedoch nicht für eine Teilnahme an der Hofführung. Die Studenten haben neun Tage ihrer Semesterferien geopfert, um sich zum Gruppendolmetscher ausbilden zu lassen. Ihr Ziel: später einmal bei deutsch-französischen Jugendbegegnungen oder bei deutsch-französischen Schüleraustauschen übersetzen zu können. Organisiert hat der Bundesverband der Deutschen Landjugend die Fortbildung. Die deutschen Teilnehmer sind Mitglieder der Landjugend aus ganz Deutschland. Die französischen Teilnehmer kommen über den Verein „Roudel“, der sich unter anderem die interkulturelle Bildung auf seine Fahnen geschrieben hat. In früheren Jahren fanden diese Seminare gemeinsam mit dem französischen Landjugendverband statt. Aufgrund der massiven staatlichen Mittelkürzungen musste der französische Partnerverband Stellen abbauen. Seitdem hat der Verband keine internationale Abteilung mehr. Das deutsch-französische Seminar wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk gefördert.

Dieses wurde 1963 gegründet. Im Gründungsabkommen heißt es: „Das Jugendwerk hat die Aufgabe, die Bande zwischen der Jugend der beiden Länder enger zu gestalten und ihr Verständnis füreinander zu vertiefen; es hat hierzu die Jugendbegegnung und den Jugendaustausch anzuregen, zu fördern und gegebenenfalls selbst durchzuführen.“

Die Gruppe wohnt im DLRG-Haus in Eckernförde. Auf dem Programm stand bisher unter anderem eine Stadtführung durch das Ostseebad. In Kiel besuchten die jungen Leute das Schifffahrtsmuseum und die Kunsthalle. Außerdem trafen sie mit dem Flüchtlingsbeirat zusammen. Und immer ging und geht es noch bis zum 14. August darum, das Übersetzen vor einer Gruppe zu trainieren. Dass das Seminar mit Teilnehmern aus ganz Deutschland und ganz Frankreich im hohen Norden der Republik stattfindet, verdanken die Teilnehmer Timm Uekermann. Der pädagogische Mitarbeiter aus der Bundesgeschäftsstelle der Landjugend in Berlin, der das Seminar organisiert hat, hat lange in Schleswig-Holstein gelebt. Gern zeigt er deshalb seinen Gruppen seine alte Wahlheimat.

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