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Kritik gerät zur Farce und Bahnhof in der Vorhand

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Die Nooröffnung gehört mit der Hafenspitze oder dem Kino zu den am intensivsten diskutierten Projekten in der Stadt. Das schon 2006 im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) angerissene und 2008 in der städtischen Rahmenplanung konkretisierte Vorhaben hat also eine über vierjährige Entwicklungsphase hinter sich. In 16 öffentlichen Sitzungen und Versammlung - darunter am 27. Oktober 2010 eine Einwohnerversammlung mit 500 Besuchern in der Stadthalle - sind die Grundzüge und das Für und Wider ausführlich dargelegt und diskutiert worden. Und es soll Zeitungen gegeben haben, die darüber relativ umfassend berichtet haben. Information und Transparenz müssten eigentlich hinreichend gegeben sein. Und trotzdem gibt es Ausschussmitglieder, die ganz frisch im Amt nun erstmals selbst die Politik mitbestimmen dürfen und allen Ernstes öffentlich behaupten: "Es hat keine große Aufklärung gegeben." Und die Leute am Info-Stand, die hätten auch nichts von einer Verschwenkung der Reeperbahn über den Steindamm gewusst und fühlten sich ohnehin schlecht über die Nooröffnung informiert - Kommentar überflüssig.

Kritik ist unerlässlich, setzt aber ein gewisses Maß an Interesse und Kenntnis voraus. Ignoranz ist ein schlechter Ratgeber: Nicht informiert, keinen Schimmer von den Vorgängen, aber immer schön draufhauen und Gerüchte in die Welt setzen oder zumindest unreflektiert weitertragen.

So gerät Kritik zur Farce.

Die Bahn kann doch fix. Der fade Bahnhof ist zum zweiten Mal zum Objekt der Begierde geworden: Beim ersten Mal hatte die Stadt vor Jahren noch abgewunken und wollte die geforderten 600 000 Euro nicht berappen, jetzt wird erneut verhandelt, um welche Summen es nun geht, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber seit Donnerstagabend, dass die Stadt unmittelbar vor einem Vertragsabschluss mit der Deutschen Bahn steht und diese den Bahnhof bereits aus dem bundesweiten Angebot herausgenommen hat. Bekommt die Stadt Ende des Jahres den Zuschlag - was durchaus wahrscheinlich ist - wird sie das einfallslose Gemäuer gleich wieder aus ihrem Portfolio tilgen und es an den Fockbecker Architekten und Investor Hans-Jürgen Sindram weiterverkaufen, damit dieser dort seine Kino-Vision verwirklichen kann. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Stadt hier Nägel mit Köpfen macht, ihre Entwicklungspläne für die südliche Innenstadt mit der Achse Reeperbahn - Fördeplatz - Strand forcieren wird und damit eine kleine Vorentscheidung für den lange diskutierten Kinostandort gefallen ist.

Ob es nun der vorgestellte Glaspalast mit Gewerbeeinheiten werden wird, steht auf einem anderen Blatt. Ebenso wie die künftige Nutzung der Willers-Jessen-Schule.

Das werden noch muntere Sitzungen im Bauausschuss. Da zeigt der Vorsitzende Micha Bund (Bürger-Forum) gleich mal den Investor für den Kaiserhof und Lindenhof, Michael Mattner aus Henstedt-Ulzburg, an, weil der seiner Meinung nach den denkmalgeschützten Kaiserhof verfallen lässt. Seine Partei gibt Bund Schützenhilfe, spricht von "Brandnestern" und "warmem Abriss", was wiederum die CDU und FDP empörte.

Es wird spannend, wenn Mattner seine Pläne persönlich im Ausschuss erläutern wird.

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