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Klassentreffen : Kriegs-Schülerinnen: „Wir mussten immer wandern“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Schülerinnen des Abschlussjahrgangs 1951 der ehemaligen Mädchen-Mittelschule haben sich nach 62 Jahren wiedergetroffen. Heute steht am Standort der Sky-Parkplatz in der Innenstadt.

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erstellt am 03.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Wo früher junge Mädchen fleißig Deutsch und Mathe büffelten, drücken heute die Stadtbesucher die Brötchentaste für eine halbe Stunde kostenloses Parken oder zahlen lieber gleich zwei, drei Euro, um entspannt in der Innenstadt zu bummeln. Knapp 20 Schülerinnen der einstigen Mädchen-Mittelschule in der Gartenstraße, die 1951 ihre Prüfung abgelegt hatten, haben am Sonnabend im Domkrug Wiedersehen gefeiert, wie schon des Öfteren in den vergangenen Jahren. Organisatorin Kriemhilde Freier (geb. Fabian) hatte alles vorbereitet und für den Nachmittag eine Stadtrundfahrt mit dem Bus gebucht, um alle auf den neusten Stand zu bringen, was in Eckernförde in den vergangenen Jahren geschehen ist.

Nur zu gerne erinnern sich die Schülerinnen von einst an ihre strenge und geachtete Rektorin Anna-Ida Jürgensen, die in Schülerinnenkreisen nur „Antje-Ida“ hieß. Diese Frau brauchte nur über den Schulhof zu schreiten, und es war Ruhe. Bei Kälte trug sie gern ein Pelzbarett. „Sie war eine Respektsperson, allein durch ihre Ausstrahlung“, sagt die frühere Klassensprecherin Inge Döll (geb. Borowiak). Und: „Antje-Ida“ besorgte ihr eine Lehrstelle als Rechtsanwalts- und Notargehilfin bei Dr. Vollert. Das war einer der Berufe, für die sich die Mädchen mit mittlerer Reife entschieden. „Viele gingen auch zur Kreissparkasse“, sagte Kriemhilde Freier, die meisten Lehrstellen gab es „auf Beziehung“. Die meisten Absolventinnen aber mussten Eckernförde verlassen, weil es hier zu wenige Lehrstellen gab. So wie Gisela Sinhuber (geb. Müller, Spitzname „Gila Mü“), die nach Braunschweig ging, dort noch immer lebt, aber immer wieder gerne nach Eckernförde zurückkommt.

Kriemhilde Freier musste jeden Morgen die sieben Kilometer von Hoffnungsthal nach Eckernförde laufen – und zurück. Andere Schülerinnen von den umliegenden Gütern Rögen, Altenhof oder Noer hatten es da bequemer und wurden mit Pferd und Wagen gebracht. Die Klasse war eine „Kriegs-Klasse“, deren Unterricht immer wieder unterbrochen werden und sie mehrfach umziehen musste: Gartenstraße, Hans-Theater, Kreissparkasse, am Strand, Borbyer Gemeindehaus, Baracke am Noorplatz – „wir mussten immer wandern“.

Ihren Abschluss haben die Mädels trotzdem alle geschafft.

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