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Imland Klinik : Kreistag beschließt das endgültige Aus für Eckernfördes Kinderstation

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Auch ein emotionaler Auftritt einer jungen Mutter kann die Politiker nicht umstimmen.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2017 | 10:37 Uhr

Eckernförde/Rendsburg | Der Kreistag hat gestern beschlossen, die Geburtsstation an der Imland-Klinik Eckernförde als Hauptabteilung weiter zu betreiben. Die Kinderstation jedoch, die seit November 2016 nicht mehr in Betrieb ist, wird endgültig geschlossen. Gegen die Stimmen der SPD beschloss der Kreistag, die drei Betten der Kinderstation nach Rendsburg zu verlegen. Die Sozialdemokraten wollten zudem die nicht kostendeckende Kinder- bzw. Geburtsabteilung mit jährlich bis zu 500.000 Euro unterstützen – als Verlustabdeckung. Dafür konnten sie zwar den SSW als Unterstützer gewinnen, für eine Mehrheit reichte es aber auch bei diesem Punkt nicht.

Dass den Kreistagsmitgliedern das Thema wichtig ist, darauf ließ die Ausführlichkeit der Debatte schließen. Über zwei Stunden setzten sich die Politiker im Kreishaus betont sachlich mit der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Eckernförde auseinander. Nach der ersten Politikerrunde durften sich die Zuschauer zu Wort melden. Dies hatte Kreispräsident Lutz Clefsen gestattet.

Junge Mutter schildert schrecklichen Vorfall

Und dann wurde es plötzlich emotional. Eine junge Frau aus der Region Eckernförde trat an das Rednerpult. Sichtlich bewegt schilderte sie, wie sie im Frühjahr dieses Jahres miterleben musste, wie ihre damals wenige Monate alte Tochter fast gestorben wäre. „Ich saß im Auto, als mein Kind plötzlich im Autositz krampfte und nicht mehr richtig atmen konnte.“ Weil sie wusste, dass die Kinderstation der Imland-Klinik in Eckernförde bereits geschlossen war, rief sie in der Klinik an, um zu erfahren, ob man ihrem Kind dennoch helfen könnte. Doch das Krankenhaus habe sie abgewiesen, berichtete sie im Kreistag. Die Tochter sei mittlerweile wegen Sauerstoffmangels bereits blau angelaufen. Also brachte sie ihre Tochter schnell zur wenige Fahrminuten entfernt gelegenen Praxis ihres Kinderarztes. Der Mediziner habe das Kind stabilisiert. Dann das nächste Problem: Die Tochter sollte mit dem Krankenwagen in die Rendsburger Klinik gebracht werden, doch kein Fahrzeug stand zur Verfügung. „Ich habe meine Tochter dann selbst nach Rendsburg gefahren“, sagte die Mutter, die anonym bleiben wollte. Ihr Kind sei durch den Sauerstoffmangel in seiner Entwicklung zurückgeworfen worden. „Meine Tochter fing gerade an zu krabbeln, aber das konnte sie nicht mehr.“ Auch könne man nicht ausschließen, dass nach diesem Geschehen eine Epilepsie entstanden sei.

Im Kreistag wurde es ganz still, als die Mutter sprach. Die politischen Positionen konnte sie trotzdem nicht beeinflussen. CDU-Kreistagsabgeordneter Jörg Hollmann hatte bereits zuvor deutlich gemacht, dass eine Kinderstation in Eckernförde Mehrkosten von über einer Million Euro verursachen würde. Die Neugeborenenversorgung werde über den jetzt schon bestehenden pädiatrischen Konsildienst sichergestellt. Niedergelassene Kinderärzte und Ärzte der Hauptabteilung in Rendsburg stünden dafür bereit. Selbstverständlich würden Notfälle und Unfälle von Kindern und Jugendlichen weiter in der Inneren, der Chirurgie und Orthopädie in Eckernförde aufgenommen und behandelt. Hollmann setzte auf den Versorgungsversicherungsfonds, den die neue Landesregierung auf den Weg bringen wolle, um dauerhaft Zuschüsse für die Geburtshilfe und die Kinderheilkunde zahlen zu können.

SPD-Fraktionschef Kai Dolgner kritisierte die Schließung der Kinderstation scharf. Eltern aus der Region Eckernförde müssten künftig lange Wege in Kauf nehmen, um zu ihren Kindern auf der Kinderstation in Rendsburg zu gelangen. Dolgner machte deutlich, dass den drei Kinderbetten in Eckernförde jährlich 400 Fälle gegenüberstanden, also 133 pro Bett. Dolgner: „Das ist eine höhere Auslastung als in Rendsburg. Vollbelegte Betten zeigen, dass es einen Bedarf gibt.“ Der FDP, die für die Verlegung der Kinderbetten nach Rendsburg stimmte, hielt Dolgner vor, dass sich führende Liberale auf Landesebene im Wahlkampf für den Erhalt der Kinderstation in Eckernförde ausgesprochen hätten. Er nannte als Beispiel Wolfgang Kubicki.

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