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Kredit oder Versicherung: Senioren werden diskriminiert

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 07.Apr.2014 | 11:05 Uhr

Altersdiskriminierung, Krankenversicherung oder Kinder- und Jugendhilfe: Mit diesen Bereichen hat die Bürgerbeauftragte Birgit Wille täglich zu tun. Sie setzt sich seit 13 Jahren für Hilfesuchende ein, berät und informiert diese mit ihrem Team und vertritt deren Anliegen gegenüber den Behörden. Gestern stellte sie beim Seniorenfrühstück in der Bürgerbegegnungsstätte ihre Arbeit vor.

Ins Leben gerufen wurde das Amt der Bürgerbeauftragten im Oktober 1988 vom Land Schleswig-Holstein. Dass die Einführung dieses Amtes notwendig war, zeigt die Anzahl der Kontaktaufnahmen. Im vergangenen Jahr haben rund 3900 Bürger Hilfe bei Wille und ihren Mitarbeitern gesucht. „Trotz des Internet-Zeitalters melden sich 80 Prozent der Menschen telefonisch bei uns“, erzählt Wille. „Der persönliche Kontakt ist ihnen wichtig.“

Die Mitarbeiter haben Zugang zu allen Dienststellen und Einrichtungen des Landes und können Auskünfte einholen, Akten anfordern und Stellungnahmen erbitten. Das sei wichtig, um kompetente Hilfe zu leisten. Oft rufen Hilfesuchende an, weil es Probleme mit Behörden gibt, etwa mit dem Jobcenter oder wegen eines Rentenantrags. Wenn ein Anruf kommt, nehmen sich Wille und ihr Team dessen sofort an. In den meisten Fällen wird das Problem nach kurzer Zeit gelöst. Wille erinnert sich lediglich an einen Fall, der sie über drei Jahre beschäftigte. Die größte Herausforderung ist laut Wille die fachkompetente Unterstützung der Menschen. Dies habe sie vor allem im Bereich der Pflege festgestellt, wo sehr viel Informationsbedarf besteht. Deshalb wurden Pflege-Stützpunkte im Land eingerichtet.

Neben der Pflege gibt es zwei weitere Bereiche, über die viel Diskussionsbedarf besteht: Die Mütter-Rente und die Altersdiskriminierung. Vor allem letztere liegt der Bürgerbeauftragten am Herzen. Deshalb setzt sie sich dafür ein, dass diskriminierte Menschen zu ihrem Recht kommen oder erst gar nicht schlecht behandelt werden. Opfer würden wegen ihres Geschlechts (Frauen), ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung, sexueller Identität sowie ihres Alters diskriminiert. Wille erzählt von Fällen, bei denen ein 85-Jähriger für einen Spanien-Urlaub keine Reise-Rücktritts-Versicherung bekam oder ein 65-Jähriger die Null-Prozent-Finanzierung eines Elektromarktes für eine Kamera nicht in Anspruch nehmen durfte, da sie nur für Menschen unter 65 Jahren gelte. Um diesem entgegen zu gehen, richtete sie den Wunsch an den Seniorenbeirat, sich des Themas anzunehmen. Die Gesellschaft verändere sich schließlich mit dem Alter und man müsse darüber nachdenken, wie man miteinander leben möchte.

Wille gibt am 8. Mai ihr Amt auf und räumt ihren Platz für einen Nachfolger, der in diesen Tagen gewählt wird. „Ich war gerne Bürgerbeauftragte, doch es ist auch gut, dass jetzt Schluss ist und jemand Anderes den Posten übernehmen kann.“ Nach dem Ende ihrer Amtszeit möchte sie sich anderen Aufgaben widmen.

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