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Hohe Kosten : Kosten zu hoch – Zuschuss gedeckelt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Waabser Gemeinderat fordert Vertragseinhaltung von der Kirche

Waabs | „Wir wollen nur, dass die Kirchengemeinde ihren Vertrag zum Betrieb der Kita erfüllt“, stellte der Waabser Bürgermeister Udo Steinacker (CDU) Montagabend bei der Sitzung der Gemeindevertretung fest. Die Gemeinde sei bereit, die Kirchengemeinde Waabs für den Betrieb ihrer evangelischen Kindertagesstätte Apfelbäumen mit 155  000 Euro in diesem Jahr zu unterstützen. In ihrem einstimmigen Beschluss bei einer Enthaltung wird damit ein zusätzlicher Defizitausgleich zur Kita für 2016 aber ausgeschlossen.

Die Vertretung folgte damit der ebenso deutlichen Empfehlung des Haupt- und Finanzausschusses. Für die Abrechnung 2015 gilt der Deckel nicht, ein eventuelles Defizit wird bei Vorlage der Rechnungen durch die Gemeinde getragen. Betreut werden derzeit rund 38 Kinder in zwei Gruppen von 7.15 bis 15 Uhr. Drei Erzieherinnen und zwei Sozialpädagogische Assistenten sowie ein Praktikant betreuen die Kinder. Eine Gruppe wird altersgemischt geführt.

In den vergangenen Jahren waren die Kosten, die die Gemeinde Waabs als Zuschuss gab, von 125  000 Euro in 2012 auf 155  000 Euro in 2015 gestiegen. Für 2016 wird mit 165  000 Euro gerechnet. Ebenso waren die Elternbeiträge von 178 Euro für Ü3 (7,5 Stunden Betreuung) in 2014 auf 195 Euro (7,75 Stunden) in 2015 gestiegen. Ab 1. April steigt der Beitrag erneut auf dann 215 Euro bei 7,75 Stunden Betreuung.

Dem Beschluss gehen zahlreiche intensive Gespräche mit Beteiligung des Kirchenkreises und des Amtes Schlei-Ostsee voraus, die aber, wie Bruno Kruse (CDU) feststellt, nichts ergaben. Nach Berechnung des Amtes und im Vergleich zum Betrieb anderer Kitas in kommunaler Trägerschaft, sei der Betrieb günstiger möglich. Im Bezug auf Waabs sei mit rund 25  000 Euro zu rechnen, so die Zahlen aus den Berechnungen von Amtsdirektor Gunnar Bock. So stellt die Amtsverwaltung fest, dass Mehrkosten durch die unterschiedlichen Abrechnung der Verwaltungskosten durch das Amt und die Kirchenkreisverwaltung sowie unterschiedliche Personalkosten verursacht werden.

Hauptknackpunkt bei den Gesprächen sei die Berechnung der sogenannten Verfügungszeit, jener Zeit, die die Kita-Mitarbeiter für die Vor- und Nacharbeit haben, sagte die Waabser Pastorin Peggy Kersten auf Nachfrage der EZ, davon sei man auch nicht abgewichen. Mit ihrer Verfügungszeit von 20 Prozent bezogen auf den Regelkitaanspruch von vier Stunden folge man gesetzlichen Empfehlungen, so Kersten. Im Gegensatz dazu wird bei kommunaler Trägerschaft die 20-prozentige Verfügungszeit auf die tatsächliche Öffnungszeit der Einrichtung bezogen. Dadurch kommt es nach den Berechnungen des Amtes zu einer höheren Wochenstundenzahl bei kirchlicher Trägerschaft für das Personal.

Kersten bedauert die Entscheidung der Vertretung. Sie würden nun mit dem Kirchenkreis rechtliche Schritte prüfen. Von sich aus würden sie den Vertrag mit der Gemeinde nicht kündigen wollen. Warum die Kosten für die Kita so anstiegen, liege auch an generell steigenden Kosten, auch für die Mitarbeiter, sagte sie. Zudem müssten sie viele gesetzliche Auflagen erfüllen, die ein anderer Träger auch zu finanzieren hätte. Man müsse sehen, ob die Qualität bleibe, stellte Kersten fest.

Die Entscheidung der Vertretung wurde von zahlreichen Eltern von Kinder in der Kita begrüßt. Unter ihnen auch Christian Netz. Er sei froh, dass nun Bewegung in die Gespräche komme. Auch sie müssten fast jährlich höhere Beiträge zahlen, stellte er auf Nachfrage der   EZ fest. Ebenso Sabrina Zimbehl, die betonte, dass sie grundsätzlich mit der Kita sehr zufrieden sei. Unglücklich findet sie allerdings, dass es keine Beitragsstaffelung gebe. So zahle sie ab 1. April 210 Euro im Monat, obwohl ihre Tochter nur rund drei Stunden betreut werde. Bezahlt wird aber für die volle mögliche Zeit von 7.15 bis 15 Uhr. „Das ist schon viel Geld“, sagte sie. Auf eine Staffelung wird aus Solidarität verzichtet, erläuterte Kersten, so sei es bei mit dem Elternbeirat abgesprochen worden.

Aus Sicht der Gemeindevertretung sei der Kostendeckel mit 155  000 Euro auf einem sehr hohen Level, für den ein Betrieb möglich sein müsse, wie Nis Juhl (CDU) feststellt. Zweifel brachten Lothar Schaldach (SPD) und Frederike zu Lynar Lassen (WGW) vor. So müsse es sich zeigen, ob die Qualität bleibe. Auf der anderen Seite stellten Kruse und auch Elvira Brief (SPD) in Frage, ob eine Kita noch konfessionell gebunden sein müsse, das sei nicht mehr zeitgemäß. „Überkonfessionell und überkulturell, das wird gebraucht“, sagte Brief.

Wie auch immer die Gespräche ausgehen, die Gemeinde Waabs hat nicht vor, der Kirchengemeinde etwas wegzunehmen oder die Eltern vor Probleme zu stellen, stellte Steinacker fest.

 

Standpunkt

Handlungsbedarf erkannt


Zu Finanzdeckel der Gemeinde Waabs für die evangelische Kita

Ja, alle Kosten steigen. Ob Miete, Material, Nahrung oder eben auch Personal. Dass davon früher oder später auch öffentliche Einrichtungen und auch kirchliche wie jetzt der evangelische Kindergarten Waabs betroffen sind, ist klar. In einem gewissen Rahmen sind Preissteigerungen, die dann durch Träger, Eltern und Zuschussgeber getragen werden müssen, nachvollziehbar. Wenn aber die Kosten so stark steigen und Vergleiche mit vielen anderen Einrichtungen ähnlicher Größe zeigen, dass es günstiger geht, dann gibt es Handlungsbedarf. Dass bedeutet ja nicht, dass keine weitere Zusammenarbeit mehr möglich ist, aber es muss gesprochen werden. Dabei muss im Interesse von Bürgern (Steuergeld), Eltern (Beiträge) und Trägern eine Lösung gefunden werden. Es muss Ansätze geben, wo gespart werden kann, ohne, dass dabei die Qualität leiden muss. Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum kirchliche Einrichtungen andere Kostenschlüssel anwenden als kommunale Träger. Sollten nicht alle Kinder gleich gut betreut werden?

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erstellt am 16.Mär.2016 | 06:34 Uhr

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