Bauernverband : Korrektes Düngen als große Herausforderung

Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde.  sim
Klaus-Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rendsburg-Eckernförde. sim

Landwirte werden beim Düngen sparsamer sein und zeitnah melden müssen.

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25. März 2020, 14:48 Uhr

Gettorf | Die Landwirtschaft ist einer der Wirtschaftszweige mit dem größten Bürokratieanteil. Im nächsten Jahr kommt noch einiges dazu, wenn die neue Düngemittelverordnung des Bundes durch Landesregelungen konkretisiert worden ist. Müssen Landwirte derzeit einmal im Jahr ihre Nährstoffbilanz melden, wird sie künftig wohl spätestens zwei Tage nach dem Ausbringen gemeldet werden müssen.

Hauke und Christian Prien, die mit den Eltern ihren Hof in Lindau bewirtschaften, sind nicht erfreut. „Die Dünge-Zeitfenster werden ohnehin immer kleiner und dann kommen die zusätzlichen Meldungen noch dazu.“

Die neue Düngemittelverordnung beinhaltet auch eine 20-prozentige Reduzierung der Düngermenge

Das wird zu Ertragsminderungen führen. „Wir haben dann weniger Einnahmen, aber gleiche Pacht-Ausgaben“, sagen die Priens. Zudem würden die Preise für Verbraucher steigen. Die neue Düngemittelverordnung stand im Mittelpunkt der Jahresversammlung des Bauernverbandes der Bezirke Eckernförde und Dänischer Wohld in Gettorf (die vor dem Versammlungsverbot stattfand).

Hintergrund für die neue Verordnung ist die zu hohe Nitratbelastung der Böden. Die EU-Kommission hatte ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland angestrengt und 2018 vom Europäischen Gerichtshof Recht bekommen.

Das Urteil muss bis zum 3. April umgesetzt sein

Dann verzichtet die EU auf ein Zweitverfahren und Deutschland spart tägliche Strafzahlungen von 852.000 Euro.

Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbands: „Wir als Verband haben nicht alles richtig gemacht. Wir sind Opfer unseres Erfolges.“ Er spielte damit auf die erfolgreiche Lobbyarbeit an, die dazu führte, dass die Kurskorrektur nicht zu einem früheren Zeitpunkt stattfand. „Wir sind ‚Land schafft Verbindung‘ (Organisatoren der Bauernproteste; die Redaktion) dankbar für ihr Engagement, aber Lautstärke löst keine Probleme.“

Umbau der Tierhaltung

Ein weiteres Thema waren die Empfehlungen der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung in eine tier- und umweltschonende Form. Die Einnahmen aus einer Fleischsteuer sollen dafür verwendet werden, die Bauern beim Umbau ihrer Tierhaltung finanziell zu unterstützen. Die Steuer soll 40 Cent pro Kilogramm Fleisch betragen, zwei Cent pro Liter Milch und 15 Cent pro Kilogramm Käse. Schwarz signalisierte Zustimmung.

15 Cent pro Tonne Milch

Klaus Peter Lucht, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes , informierte über die „Sektorstrategie Milch 2030“. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter will 15 Cent pro Tonne Milch sammeln, um unter anderem eine Imagekampagne für die Milchwirtschaft zu finanzieren. „Jetzt müssen wir Geld in die Hand nehmen, um in den Medien wieder vorzukommen“, so Lucht. Die Milchwirtschaft will den Auftakt machen. Lucht betonte, dass Schweine- und Gefügelwirtschaft später folgen sollten.

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