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Wirtschaft regional : Kornkraft verbindet Leben und Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bio-Bäckerei aus Schinkel besteht 25 Jahre / Eigentümer suchen Nachfolger / Tag der offenen Tür am 3. Juni

Es duftet nach Roggen, Dinkel, gerösteten Haferkörnern, die Kruste ziert ein Herz – zu ihrem 25-jährigen Bestehen hat die Kornkraft-Vollkornbäckerei ein Jubiläumsbrot kreiert. Das Symbol ist bewusst gewählt. „Es ist mit Herz gebacken – wie alles bei uns“, erklärt Dieter Schlieger-Halver, der den Bioland-Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Gundel aus dem Wunsch heraus aufgebaut hat, ein Lebensumfeld zu schaffen, dass es möglich macht, sich besser zu ernähren.

Den Auslöser gab 1986 die „Gemeinschaft Schinkel“, eine Gruppe von 34 ökoaktiven Menschen, die einen Acker von vier Hektar Land für die biologische Bewirtschaftung kauften. Gabi und Dieter Pasegrau waren zwei von ihnen und erzeugen dort bis heute Gemüse und Kartoffeln, das sie auf den Wochenmärkten in der Region vermarkten. Ihr Gemüsestand war es auch, der in den Anfängen der Spezialbäckerei die Kornkraft-Backwaren bei den Kunden bekannt machte. Zu dem Geschäft in Schinkel kam im Februar 1998 der Verkaufsladen in Eckernförde.

Von Robinia und Jahne Zastrow stammt bis heute das ökologisch angebaute Getreide. Als das Gut Rosenkrantz auf Bio-Anbau umstieg wurden auch von dort Mehle und Backzutaten auf biologischer Basis bezogen. „Die Kriterien waren anfangs sehr streng, es gab ausschließlich Vollkornprodukte“, erinnert Schlieger-Halver. Über Gut Rosenkrantz war später Bio-Weißmehl zu bekommen, so dass auch Kuchen, Brote und Brötchen aus hellem Mehl das mittlerweile 16 Brote, zahlreiche Brötchenvariationen und Kuchen umfassende Sortiment ergänzten. Backhilfsmittel und Zusatzstoffe kommen Bäckermeisterin Gundel Halver nicht in den Teig. „Unsere Brötchen sind deshalb kleiner und nicht tagelang knusprig“, erklärt ihr Mann. Und sie werden in Gänze in der Nacht hergestellt – nicht vorgebacken, eingefroren und dann Tag um Tag fertiggebacken, betont Schlieger-Halver. Der Arbeitstag beginnt in der Backstube um 22.30 Uhr und endet gegen 8 Uhr. „Das war nicht unser Ziel. Wir wollten um 5 Uhr aufstehen und in den Tag hinein backen. Aber das erlaubt der Wochenmarktbetrieb nicht“, sagt der Bio-Bäcker.

Dieser Rhythmus, aber auch der Verzicht auf moderne Maschinen – jeder Mitarbeiter in der Backstube bewegt pro Nacht fünf Tonnen – hat ihren Preis. Mit ihren 61 Jahren wächst bei Dieter Schlieger-Halver und seiner Frau der Wunsch, sich auf das Maß aus dem Geschäft zurückzuziehen, das sie noch leisten können, so lange wie möglich. „Wir suchen schon länger nach einem Nachfolger“, verrät Schlieger-Halver. „Es war unsere Stille Hoffnung, dass einer der Lehrlinge Kornkraft übernimmt. Doch das hat bisher nicht geklappt“, bedauert er. „Das ist der Wermutstropfen beim Blick in die Zukunft.“

Rückblickend war es jedoch der richtige Weg, den er 1989 mit seiner Frau eingeschlagen hat. „Wir waren den Hauptteil unseres Arbeitslebens selbstständig und haben eine Arbeit gemacht, die uns Freude macht. Der Wunsch, Leben und Arbeit eng zu verknüpfen, hat sich für uns erfüllt“, sagt Schlieger-Halver. Der Betrieb konnte von anfangs fünf auf neun Kollegen erweitert werden. „Ein Beitrag zur Stärkung kleiner ländlicher Räume, auf den wir stolz sind.“

Die Kunden aus dem Dorf möchten auf die Vollkornbäckerei nicht verzichten, die seit anderthalb Jahren an jedem Dienstagvormittag Anker für einen kleinen Wochenmarkt unter den Linden vor der Tür geworden ist. „Hier gibts das beste Brot, besonders das Olivenbrot mag ich gern“, schwärmt Maike Jessen. „Und die Käsestangen – es gibt kein besseres Schulbrot“, fügt die Mutter hinzu, die von Anfang an zu den Stammkunden der Kornkraft-Bäckerei zählt. Wie sehr die Menschen hinter dem Laden stehen, zeigt sich im November, als der Chef sich den Fuß brach. Mitglieder der Nachbarschaftshilfe Dörpshölp sprangen ein und staden Gundel Halver zur Seite.

Das Jubiläum wird am Dienstag, 3. Juni, mit einem Einblick in die Backstube für Groß und Klein und einem ausgedehnten Markt – 7 bis 18 Uhr – begangen, auf dem die Bio-Käserei Thomas Böhm, Gemüsehof Pansegrau und Hof Baarth mit Geflügel vertreten sind.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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