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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 21:15 Uhr

Lesung : Kopfkino in der Stadtbücherei

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gernot Gricksch hat in der „LesArt“-Reihe aus seinem Roman „Die Bank der kleinen Wunder“ gelesen – ein Buch, liebevoll und augenzwinkernd geschrieben.

Es war die helle Freude, einen Abend lang Gernot Gricksch zuzuhören. In der Veranstaltungsreihe der Stadtbücherei – LesArt/Literatur in Eckernförde – las am Mittwoch ein wahrer Künstler aus seinem Buch. Ja, ein Künstler, denn er beherrscht die Kunst, seine Zuhörer zu fesseln, zum Lachen zu bringen, zum zustimmenden Kopfnicken, kurz: einzuwickeln. Im Laufe der Lesung entwickelten sich dann Handlungsstränge, denen man wie den Abläufen eines Filmstreifens gebannt folgen konnte.

Kopfkino. Man sah alle diese Menschen leibhaftig vor sich, hörte sie sogar „authentisch“ sprechen, weil der Autor ihre Stimmen glaubhaft ins Spiel brachte. Ob Mann, Frau, junges Mädchen, ob maulig, frustriert, glücklich, verliebt, enttäuscht oder gnadenlos betrunken – sie waren alle mit im Raum: die sonnenanbetende Lisa im Alsterpark, die alle verstohlenen Blicke des Dermatologen auf der Bank falsch deutet. Dann erlebte man hautnah ein genervtes Paar. Angelika und Joachim versuchen auf Anraten ihres Therapeuten vergeblich, in Hamburg mit einem Wochenende die kaputte Ehe zu retten.

Gernot Gricksch, früher Journalist für Film und Fernsehen, dann selber Drehbuchautor und schließlich Romanschreiber, hat eine ausgeprägte Gabe: Er beobachtet Menschen ganz genau, ihre Schönheit, ihre Schwächen, ihre Träume, ihre Enttäuschungen, und fängt alles ein und setzt es um in Sprache. Als geistiger „Menschenfänger“, als sehr zugeneigter Beobachter, schildert er liebevoll, meistens mit großer Sympathie, was in Menschenköpfen und -herzen so ablaufen kann. Gricksch: „Ich will erzählen, wie man sein Leben so gestalten kann, dass man glücklich ist.“

Was zunächst aussehen mag wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, verdichtet sich über die 235 Buchseiten schließlich zu einem Roman. Alle Geschichten sind miteinander verknüpft und ranken sich letztlich um die selben Menschen. Menschen, die auf einer Bank im Hamburger Alsterpark in unterschiedlichsten Situationen den kleinen Augenblick erleben, der alles verändern kann.

Ein positives Buch, liebevoll und augenzwinkernd geschrieben. Kein Wunder, dass es „Die Bank der kleinen Wunder“ heißt. Kein Wunder, dass Szenen daraus in Bälde verfilmt werden – mit Gernot Gricksch als Regisseur.

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