Eckernförde : Kopf ab, Schwanz ab - reinbeißen

Kultur  in Sprottenform erlebten gestern Ayinuer Aierken (links) und ihre Kommilitonen.  Foto: Arendt
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Kultur in Sprottenform erlebten gestern Ayinuer Aierken (links) und ihre Kommilitonen. Foto: Arendt

Eine Begegnung der außergewöhnlichen Art: 20 chinesische Studenten kamen am Montag in der Räucherei von "Meergold Rehbehn & Kruse" den Eckernförder Sprotten näher.

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11. Mai 2011, 07:30 Uhr

Eckernförde | Aufmerksam verfolgt die Besuchergruppe jede Bewegung von Berndt Kruse. Auch Ayinuer Aierken lässt die Hand des Räuchermeisters nicht aus den Augen. Die 24-jährige Chinesin ist in Eckernförde, um ihre Deutschkenntnisse am Baltic Sea International Campus (BSIC) zu erweitern. Beim Ausflug in die Fischräucherei lernt sie gemeinsam mit 19 anderen chinesischen Studenten ganz neue Vokabeln, zum Beispiel Hygienekittel, Heißrauchverfahren - und natürlich Sprotte.
Räuchermeister Kruse macht es spannend. Er versammelt die Besuchergruppe direkt vor den schwarzen Altonaer Öfen, in denen das Heißrauchverfahren die zuvor eher unscheinbaren Sprotten in goldene Köstlichkeiten verwandelt. "Achtung", warnt er - und öffnet die Tür. Der gewünschte Effekt tritt ein: "Oooh!", machen die Gäste ihrem Erstaunen Luft, als ihnen eine gigantische weiße Rauchwolke entgegenschlägt.
Eckernförder Sprotten überzeugen optisch und geschmacklich
Dass die Kieler Sprotten eigentlich aus Eckernförde kommen, haben die Gäste längst erfahren. Wie die kleinen Fische schmecken, allerdings noch nicht. Das will Berndt Kruse schleunigst ändern: Ein wenig zögerlich greifen die chinesischen Studenten zu, als die hellen Holzkisten mit den frisch geräucherten Sprotten herumgereicht werden. "Kopf ab, Schwanz ab, etwas drücken - dann einfach die Gräte herausziehen", erläutert Räuchermeister Kruse. Die Studenten beobachten genau - und tun es ihm nach.
"Das war ganz leicht", sagt Ayinuer Aierken, nachdem sie den kleinen Fisch im Handumdrehen verzehrfertig gemacht hat. Und auch danach zögert die Chinesin nicht lange, sondern beißt beherzt zu. "Schmeckt sehr gut!", ist ihr Urteil. Und auch optisch gefallen ihr die Sprotten: "Sieht sehr gut aus", kommentiert sie die goldene Farbe der Eckernförder Spezialität. In China werde Fisch nur sehr selten geräuchert, eher gekocht, berichtet die 24-Jährige.
Chinesen lernen Vokabeln wie Hygieneartikel oder Heißrauchverfahren
Organisiert hat den Ausflug der Künstler Falko Windhaus, der am BSIC die Galerie 66 leitet und den Studenten aus China hiesige Kunst und Kultur näher bringt. "Und Sprottenräuchern - das ist Eckernförder Reinkultur", sagt er überzeugt. Außerdem lernten die Studenten bei diesem Ausflug Dinge und Vokabeln, die nicht in ihren Lehrbüchern stünden, fügt Deutschdozent Ulrich Siems hinzu. "Hier können sie im wahrsten Sinne des Wortes die Dinge begreifen, riechen, schmecken - und die Chance ist groß, dass ihnen das Gelernte auf diese Weise im Gedächtnis bleibt", sind sich Kulturvermittler und Deutsch-Dozent einig. "Damit die Studenten noch mehr Eindrücke gewinnen, würden wir uns freuen, wenn uns auch andere Einrichtungen zu einer Besichtigung einladen würden", sagt Falko Windhaus.
(doa, shz)

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