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Konzertabend : Konzertabend mit Samuel Harfst: Lieder vom Leben, Lieben und Gott

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zum Abschluss der Feierlichkeiten des 750-jährigen Bestens von Sieseby gastierte Samuel Harfst in der Siesebyer Kirche.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 06:17 Uhr

Thumby | „Bitte hör nicht auf zu glauben“, singt Samuel Harfst in seinem jüngsten Titel „Kleine Seele“. Am Wochenende spielte er bei der Abschlussveranstaltung der Feierlichkeiten aus Anlass der 750-Jahrfeier von Sieseby in der Kirche. Dabei schien es, als singe er zu sich selbst, als arbeite er sich am Thema Glauben ab. Denn „Kleine Seele“ ist, wie eigentlich alles, was Harfst mit seiner Band präsentierte, autobiografisch gefärbt. Und dennoch: „Kleine Seele“ enthält viel Samuel Harfst, der hier zum Pars pro toto für jene Generation junger Menschen wird, die heute durch einen tiefen Bezug zu Religion geprägt sind – und dabei bemerken müssen, dass es noch eine andere, konkurrierende Weltsicht auf das Leben gibt.

Die „starke Religiosität“, erzählt Harfst, habe er insbesondere von seiner Mutter vermittelt bekommen, der Großvater dagegen war ein glühender Nietzsche-Verehrer. Wenn dieser, so erinnert sich Harfst, in seinem freikirchlich geprägten Elternhaus zu stark ausholte und Gottes Existenz angelehnt an Nietzsche hinterfragte, gab es schon mal einen Tritt der Mutter unterm Tisch gegen das Schienbein des Vaters, um ihn zum Schweigen zu bringen. Lachen erfüllt den gut besetzten Kirchenraum.

Harfst erzählt viel Privates zwischen seinen Songs. Von dem Gefühl, „anders zu sein als die anderen“ – vielleicht und gerade durch seine religiöse Erziehung. Vor allem aber wird er nicht müde zu betonen, dass er doch eigentlich Straßenmusiker ist und das Theologiestudium zu Gunsten der Musik schon lange verblasst ist. Ein Straßenmusiker mit eben deutlich religiösem Hintergrund. Der tritt in seinen Stücken manchmal laut und deutlich zu Tage, wie in „Kleine Seele“, manchmal leiser und verhaltender, wie in „Stunde um Stunde“. Stilistisch knüpft er dabei an das aktuelle deutschsprachige Singer-Songwriter-Gemenge an. Manchmal klingt er unaufgeregt cool wie Clueso, wenn er in der Up-Tempo Nummer singt „Nur nicht weg von dir“, manchmal melancholisch-nachdenklich wie Tim Bendzko in „Abschied“. Dann aber auch wortakrobatisch wie Bosse in „Mit dir kommt der Sommer“. Nichts unbedingt Neues, aber hörenswert und eingängig.

Die musikalische Umsetzung seiner Titel übernahmen dabei neben Harfst an der Leadgitarre sein Bruder David (Piano, Mundharmonika, Backgroundgesang) und Dirk Menger (Cello, Piano und Backgroundgesang). Seine größten Erfolge feierte Samuel Harfst bislang auf dem Evangelischen Kirchentag, wo ihn auch die Siesebyer Pastorin Kirsten Erichsen mit Familie entdeckte. Ganze Messehallen würde er dort füllen, wie 2013 in Hamburg, erzählt Tochter Friederike Erichsen (23), selbst Theologiestudentin. „Mir gefällt an ihm, dass er trotz seines Erfolges so normal geblieben ist und man mit ihm einfach so reden kann.“ In der Konzertpause hatte sie sich mit ihm ganz ungezwungen unterhalten. Ihre Freundin Jessica Konrad (22 ) beeindruckte an seinen Liedern, dass sie vielfältig in ihren Bedeutungen sein können. „Je nach Stimmung passen seine Songs zu jeder Lebenslage. Das finde ich unglaublich.“

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