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Bauausschuss : Kontrollierte Offensive für die Käthe-Kollwitz-Siedlung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Bauausschuss empfiehlt einen Bebauungsplan mit stark reglementierten Entwicklungsmöglichkeiten für die Borbyer Siedlung.

von
erstellt am 15.Apr.2016 | 06:00 Uhr

Eckernförde | Das Quartier Käthe-Kollwitz-Straße ist ein besonders sensibles Wohngebiet. Die 1936 für Marineoffiziere erbaute Siedlung aus einheitlich gestalteten kleinen Doppelhäusern mit Vorgarten, roter Ziegelfassade und roter Dacheindeckung soll als Flächendenkmal erhalten bleiben. Nachdem zuletzt vereinzelte Neubauten mit heller Klinkerfassade, die für sich genommen zwar sehr ansprechend aussehen, sich aber vom einheitlichen Charakter der Siedlung abheben, für Unmut im Planungs- und Gestaltungsbeirat geführt hatten und auch vereinzelte Anbauten kritisiert wurden (wir berichteten), soll nun ein Bebauungsplan mit zahlreichen Reglementierungen die Käthe-Kollwitz-Siedlung vor weiteren Veränderungen schützen und in ihrer Gesamtheit bewahren. Der Bauausschuss hat sich in seiner Sitzung am Mittwochabend einstimmig dafür ausgesprochen.

Der Hamburger Stadtplaner Luis Gomes Martinho hatte die wesentlichen Festsetzungen zusammengefasst. Um die laut Gestaltungsbeirat einmalige Wohnsiedlung zu erhalten, sollen alle künftigen Bautätigkeiten nach den Vorgaben des B-Plan Nr. 71 ausgeführt werden. Das heißt: Jedes Gebäude bekommt eine Baulinie, es werden maximale First- und Traufhöhen festgelegt, Anbauten sind ausschließlich rückwärtig als Flachbau ohne Dachterrasse unterhalb der Traufabtreppung erlaubt, Dachgauben sind nur rückwärtig erlaubt, es werden für jedes Gebäude (zwei Doppelhaushälften) maximal vier 80 x 120 Zentimeter große Dachfenster pro Dachfläche erlaubt, eine Vorgartenzone (Stellplatz möglich) wird vorgeschrieben, an der Vorderfassade sind bodentiefe Fenster oder Eckfenster sowie Windfänge unzulässig, Balkone werden nicht erlaubt, eine Fassadenverkleidung ist zulässig, Fassade und Dach sind mit rotem Ziegel auszuführen. Der Stadtplaner wies darauf hin, dass in dem aufzustellenden B-Plan eine Ortsgestaltungssatzung integriert sei.

Der Gestaltungsbeirat hatte die Aufstellung eines B-Plans abgelehnt und stattdessen zunächst die Ausgabe einer Gestaltungsfibel und später einer Ortsgestaltungssatzung empfohlen. Dem wird jetzt nicht gefolgt. Bürgermeister Jörg Sibbel bezeichnete dies als „nicht zielführend“. Er plädierte für eine praktikable Abwägung von öffentlichem und privatem Interesse der Eigentümer, die sich in dem B-Plan wiederfänden. Die verschärften Festlegungen folgten einem „vernünftigen Maß“ und böten den Eigentümern noch Entwicklungsmöglichkeiten.

Frauke Piechatzek (SPD) argumentierte ähnlich. Das Gesamtbild sei durch die Neubauten „schon etwas gestört“, die jetzt zu fassenden Regelungen seien aber „völlig ausreichend“. „Wir wollen aus der Käthe-Kollwitz-Straße ja kein Museum machen, dort muss auch noch gewohnt werden.“ Unverständlich sei ihr jedoch, dass man die Farbe der Fenster nicht reglementiert. Das sei für ihn „keine substantielle Beeinträchtigung“, entgegnete Planer Gomes Martinho, „das kann die Siedlung vertragen“.

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