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Plattdüütsch Fründschop : Konferenz mit Amerikanern op Platt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

30 US-Amerikaner waren bei der „Konferenz de Plattdüütsch Fründschop“ in der Stadthalle. In ihren Familien wird seit Generationen die plattdeutsche Sprache erhalten, seit ihre Vorfahren aus Norddeutschland auswanderten.

Mit dem Auftakt der 11. Plattdeutschen Kulturtage begann eine internationale Woche für alle Freunde ihrer Heimatsprache. Karl-Heinz Groth (Initiator der Plattdüüschen Kulturdaag) und das Organisationsteam der Plattdüütsch Gill hatten ein interessantes Programm auf die Beine gestellt.

International wurde es mit dem Beginn der 19. Konferenz „Plattdüütsch Fründschop“: Rund 40 US-Amerikaner aus Illinois, Wisconsin und Iowa trafen sich in der Ostseestadt. Sie alle verbindet eines – die Wurzeln der Heimatsprache Plattdeutsch. Doch wie kommt es, dass Menschen in den USA Plattdeutsch sprechen? Die Antwort ist recht einfach: In den USA leben Auswanderer oder ihre Nachfahren, und die stammen zum Teil aus dem norddeutschen Raum, wo traditionell Plattdeutsch gesprochen wird. Dennoch beherrschen nicht mehr alle die Sprache ihrer Vorfahren, viele können das Plattdeutsche verstehen, aber nicht sprechen.

Zu Beginn ihres Deutschland-Besuchs machten sie am Donnerstag Halt in Bredenbek. Dort lebt Hans Werner Hamann, der für die Amerikaner ein kompetenter Ansprechpartner und Freund geworden. Am Freitag ging es per Stadtführung „Dörch dat ole Eckernför“ mit Opsteekfru Stine und Fischer Fiete mit anschließendem Sprottenschmaus in der Fischdeel.

Zur offiziellen Konferenzeröffnung begrüßte Heiko Gauert, Vorsitzender der Plattdüütsch Gill Eckernför, zahlreiche Ehrengäste. Bürgermeister Jörg Sibbel zeigte sich der Plattdeutschen Sprache mächtig: „In Eckernför levt dat Plattdüütsche und ward heegt un plegt, dorob sünd wi bannig stolt.“ Grußworte des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes überbrachte der Vizepräsident Hermann-Josef Thoben. Franz Neff (59), Präsident der American/Schleswig-Holstein Heritage Society, überreichte der Stadt ein Gemälde als Gastgeschenk und stellte die ASHHS kurz vor: „1989 gegründet, um sich für den Erhalt und die Förderung des kulturellen Erbes des Landes Schleswig-Holstein und der Familienforschung einzusetzen und zum Erhalt der Plattdeutschen Sprache.“ Lächelnd bekannte Neff, dass er das Plattdeutsche erst von seinem Schwiegervater gelernt habe und es noch immer lerne: „Es ist so schön für das Herz und eine so warme Sprache.“

Michael J. Kearney aus Clinton, Iowa ist nicht das erste Mal dabei: „Ich spreche zwar kein Plattdeutsch, aber ich liebe den Klang der Sprache und verstehe alles.“ 1885 wanderten seine Großeltern aus. Am 12. Mai legte das Schiff in Hamburg ab und kam am 25. Mai in New York an. „Mein Urgroßvater war Kutscher, meine Urgroßmutter Dienstmädchen. Beide fanden in Clinton eine zweite Heimat und sprachen immer Plattdeutsch miteinander.“ An der Konferenz liebt der Amerikaner den unkomplizierten Austausch, die Vorträge seien sehr interessant, gerade die Sprachentwicklung des Plattdeutschen ist ein spannendes Feld, stellte er fest. Clinton in Iowa hat 26 000 Einwohner, wie viele Plattschnacker darunter sind, ist nicht bekannt.

Erika Hansen (74) lebt seit über 40 Jahren in den USA. Die gebürtige Flensburgerin beherrscht nicht nur das Plattdeutsche, sondern spricht immer noch fließend Dänisch und springt ohne Probleme in Englische. Sie koordiniert die Reisen und betreut die amerikanischen Konferenzteilnehmer: „Der jüngste Teilnehmer ist 45, die älteste 90,“ sagt sie.

Ein buntes Rahmenprogramm sorgte für eine ungezwungene Konferenzatmosphäre, die mit hochkarätigen Vorträgen, die Ilse Rathjen-Couscherung zum Teil ins Englische übersetzte, gefüllt wurde. Heiko Gauert, Vorsitzender der Plattdüütsch Gill Eckernför, führte die rund 100 Konferenzteilnehmer in einem spannenden Vortrag durch die Entwicklungsgeschichte der plattdeutschen Sprache. Die Chorgemeinschaft Eckernförde untermalte musikalisch die Veranstaltung. Mit dem plattdeutschen Gottesdienst in der St.-Nicolai-Kirche endeten die plattdüütschen Kulturdaag und die Konferenz. Ganz sicher treffen sich im nächsten Jahr die Plattschnacker des Nordens in Nebraska, Kanada, Texas oder Florida zum Austausch.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 06:15 Uhr

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