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Eckernförder Zeitung

16. Dezember 2017 | 18:32 Uhr

Zurück : Koma-Patient zurück auf dem Bock

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fünf Wochen lag Uwe Strehlau nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus / Im Beiwagen seiner Ehefrau kann er weiterhin sein Hobby ausüben

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 06:03 Uhr

Fleckeby | Um ihren Mann aus dem Koma zu wecken und ihm die Aussicht auf eine lebenswerte Zukunft zu geben, wollte Andrea Strehlau (57) alles tun. Dafür schaffte sich die begeisterte Motorradfahrerin sogar einen Beiwagen an und lernte, damit zu fahren.

Vor drei Jahren erlitt Uwe Strehlau (heute 61) aus Fleckeby einen Herzinfarkt und fiel ins Koma. Fünf Wochen lang saß seine Frau täglich an seinem Bett. Auf Anraten der Ärzte redete sie mit ihm – auch wenn keine Reaktion kam. „Ich wollte, dass er Lebensfreude hat und am Leben bleiben möchte“, verrät sie.

Da beide Ehepartner begeisterte Motorradfahrer mit eigenen Maschinen sind, erzählte sie ihrem Mann vor allem von gemeinsamen Motorradtouren. Diese Geschichten waren immer verbunden mit dem Ausblick, dass sie bald wieder gemeinsam Motorrad fahren würden. „Ich habe das gehört, mitgenommen und bin die Touren mit ihr wieder gefahren“, berichtet ihr Mann. Aber das habe auf einer ganz anderen Bewusstseinsebene stattgefunden. Er selbst bezeichnet diesen Zustand als „Nahtoderlebnis“, in dem er sich zwischen Leben und Tod entscheiden musste. Und da hätten ihm die Erzählungen seiner Frau viel Mut gemacht.

Bereits in dieser Phase sah diese aber die Situation realistisch. „Selbst fahren kann er vielleicht noch nicht – also brauche ich einen Beiwagen“, dachte sie. Ihr erster Gedanke war, ihn nach seiner vorläufigen Genesung mit dem Beiwagen vom Krankenhaus abzuholen. Aber das scheiterte zum Einen an seinem schwachen Gesundheitszustand, der nicht einmal schnelles Autofahren zuließ. Und zum Anderen wollte ihr keiner ihrer Motorradfreunde ein solches Gespann leihen. „Das muss man erst lernen“, hieß es von allen Seiten. Diese Begründung leuchtete ihr im ersten Moment nicht ein, aber später nahm sie an einem Schnupperkurs beim Bund Deutscher Motorradfahrer teil, der sie eines Besseren belehrte. „Das Kurvenfahren ist ganz anders“, musste sie feststellen. Bei der ersten Probefahrt wäre sie beinahe im Graben gelandet.

Doch nach dem Schnupperkurs hatte Andrea Strehlau mehr als Blut geleckt und Spaß am Fahren mit Beiwagen entwickelt. Sie kaufte sich ein kleines Gespann mit einer Kawasaki 400 und besuchte damit einen Kurs. „Doch diese Kombination war zu langsam und man konnte nicht im fließenden Verkehr mithalten“, erinnert sie sich.

Deshalb ließ sie sich in Süderbrarup ihr eigenes Motorrad, eine 50 PS starke BMW R800 RT mit einem Beiwagen aufrüsten. Der wird in Bikerkreisen „Boot“ genannt. „Es handelt sich bei diesem Boot um einen gebrauchten Ural-Beiwagen mit Kofferraumklappe“, erklärte dazu Ilka Haupt, Geschäftsführerin bei der Süderbraruper Firma Roadrunner. Bei der Übergabe strahlten beide Ehepartner über das ganze Gesicht. Das Gespann soll in naher Zukunft bei einer Fahrt entlang der Elbe von der Mündung bis zur Quelle gründlich getestet werden.

Uwe Strehlau hofft, dass seine Geschichte auch anderen Menschen Mut macht, sich mit negativen Lebensumständen auseinanderzusetzen. Er ist immer noch nicht vollständig wiederhergestellt und braucht eine Kreiselpumpe, die seinen Blutkreislauf unterstützt. „Man muss sich sein Leben so einrichten, dass es auch mit den Einschränkungen lebenswert ist“, sagt er. Seine Devise. „Wer aufgibt, ist tot. Und ich gebe nicht auf!“

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