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Eckernförder Zeitung

23. August 2017 | 14:06 Uhr

Kolossale Leistung von Boris Giltburg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Junger israelischer Pianist bot Werke von Brahms, Rachmaninow und Prokofjew in Hochkultur dar

Die Konzertreihe Eckernförde ist für die Stadt und ihre Umgebung von hohem Wert. Einer ihrer vielen Vorzüge ist der, dass sie ein sehr abwechslungsreiches Programm bietet. Große Orchester, kleine Instrumentalgruppen, Solisten und andere Konstellationen erfreuen das treue Publikum in der Stadthalle. Am Sonnabend war ein Solist zu Gast, der junge Pianist Boris Giltburg aus Israel, der mit drei gewaltigen Klavierwerken den ganzen Abend bestreiten konnte.

Er begann mit der Sonate Nr. 3 in f–moll op. 5 von Johannes Brahms (1833-1897). Der Komponist hat diese Sonate im Alter von 20 Jahren geschrieben, man spürt ihr den jugendlichen Überschwang an, aber genauso das Ausprobieren neuer Formen. Mächtige Akkordschläge und auch zarte Passagen waren zu hören; große Steigerungen in der Musik konnte der Pianist voll auskosten. Sein ganzer Körper musizierte mit: Oft war er über der Tastatur so tief gebeugt, dass sein Gesicht fast die Hände berührte – dann lehnte er sich wieder zurück, den Oberkörper straff nach hinten geneigt. Die schroffen Kontraste der Musik kostete er in seiner Interpretation und mit der Art des Spielens voll aus: Das wildeste Fortissimo stand direkt neben dem zarten Pianissimo. Das Andante gestaltete der Künstler weich und einfühlsam – jeder Ton hatte seine Aufgabe in Klang und Melodie. Oft spielte er so sanft, als ob er die Tasten streichelte – dann kamen wieder gewaltige Klänge, die die gut besetzte Halle voll ausfüllten. Lebendig und sehr bewegt erklang das Scherzo, in hoher Präzision mit einer unglaublichen Treffsicherheit dargestellt. Im Finale hörte man nachvollziehbare Melodieteile, aber auch viel Akkordik und rasche virtuose Passagen. Eine gewaltige, 35–minütige Leistung war zu erleben.

Die „6 Moments Musicaux“ op. 16 von Sergej Rachmaninow (1873-1943) sind musikalisch nicht sehr wertvoll, bieten aber dem Interpreten viele Möglichkeiten, seine Kunst darzustellen sowie Hoch- und Tiefpunkte herauszuarbeiten. Boris Giltburg legte Wert auf den Klang und den fortschreitenden musikalischen Duktus. Das e-moll-Presto erlebte einen furiosen Schluss, und das Finale „Maestoso“ in C-Dur bot ein Feuerwerk von Tönen und Klängen mit einem Ende von wilden Tasten.

Ganz anders erklang die Sonate Nr. 2 in d-moll op. 14 von Sergej Prokofjew (1891-1953). Der Klavierkünstler arbeitete Melodien und zusammenhängende Passagen deutlich heraus und ließ die Hörer die Logik des musikalischen Aufbaus wahrnehmen. Meisterlich dargeboten und gefühlvoll interpretiert wurde das Andante – man erlebte gewaltige Steigerungen der Intensität. Im Final-Vivace waren halsbrecherische Fingerfertigkeit und eine schlafwandlerische Treffsicherheit gefordert – der junge israelische Pianist ließ keine Wünsche offen.

Der brausende Beifall für diese kolossale Leistung wurde mit der lyrischen „Arabeske“ op. 18 von Robert Schumann belohnt.

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erstellt am 16.Feb.2015 | 12:55 Uhr

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