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Tierischer Nachwuchs : Koloniebrüter verdoppeln Bruterfolg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Flussseeschwalben-Paare erhalten auf dem Wittensee schwimmende Kinderstuben für den Nachwuchs.

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Naturschützer haben mit großem Aufwand für einen Nachwuchsrekord auf dem Wittensee gesorgt. Mit zwei Brutinseln aus Holz gaben sie den Flussseeschwalben eine ideale Hilfe für die Aufzucht ihrer Jungen – 60 könnten es dieses Jahr werden.

Große Freude herrschte im letzten Sommer bei den Naturschützern des „Vereins zur Förderung des Umweltschutzes und der Landschaftspflege im Raume des Naturpark Hüttener Berge“ (VFUL). Waren die Küken der am Wittensee brütenden Flussseeschwalben bis dahin fast alle ertrunken, konnte in der letzten Brutzeit ein Küken-Rekord vermeldet werden. Grund dafür war eine künstliche Brutinsel. Etwa 30 Küken konnten so vor den steigenden Wasserständen bewahrt werden. Doch die Beobachtung der in Afrika überwinternden Langstreckenzieher offenbarte auch Nachbesserungsbedarf.

„Trotzdem sie Koloniebrüter sind, benötigen die einzelnen Paare einen gewissen Platz um sich herum“, erläutert Horst Andritzke, Betreuer des FFH-Gebietes Wittensee. Mehrfach habe er beobachten können, dass fremde Küken von anderen Paaren vertrieben wurden, als sie auf dem Floß herum tapsten. Dieses Verhalten zeigte dem Ornithologen, dass die vorhandene Fläche der Nisthilfe zu klein war. Nach Rücksprache mit dem Vereinsvorsitzenden Hans Ulrich entschloss man sich, für die Saison 2014 ein zweites Brutfloß anzufertigen. Für Ingenieur Andritzke, der auch schon die erste Version in Heimarbeit gebaut hatte, kein Problem. Auch konnte der VFUL diesmal mit finanzieller Unterstützung rechnen. „Die Untere Naturschutzbehörde hat uns geholfen, eine Förderung für unser Projekt zu erreichen“, sagt Hans Ulrich. Als „Maßnahmen für Schutz und Erhaltung“ seien die Kosten in vollem Umfang übernommen worden, so der Vorsitzende weiter. Folglich durften die Naturschützer im April dieses Jahres zwei künstliche Nisthilfen auf dem Wittensee verankern und dann auf eine baldige Ankunft ihrer Schützlinge hoffen.

Waren die Abläufe in der Natur hierzulande einige Wochen früher zu beobachten als sonst, ließen sich die Flussseeschwalben auf dem Weg nach Norden hingegen reichlich Zeit. Nur wenige Vögel waren Anfang Mai auf den Brutflößen zu beobachten. Ernüchterung machte sich unter den Ornithologen breit. „Bis zur ersten Kontrolle der Flöße war ich schon ein wenig unsicher, ob unser Angebot angenommen werden würde“, erinnert sich Andritzke. Doch als er sich den Flößen näherte, gab es keinen Grund mehr für Zweifel. Viele Seeschwalben-Paare hatten sich mittlerweile auf beiden Nisthilfen eingefunden und für eine neue Hochzahl von 81 Eiern gesorgt. Anfang Juni wurden sogar über 100 Eier gezählt. „Noch ist zwar nichts gewonnen, aber den Flussseeschwalben scheint ihre neue Brutstätte zu gefallen“, schwärmt der Ornithologe. Eine Woche später waren die ersten Küken schon geschlüpft. Neben 43 Eiern zählte Andritzke auch 30 bedunte Jungvögel. Mitte Juli folgte nun die abschließende Kontrolle, die den gesamten Bruterfolg am Wittensee erbringen sollte. Doch wie schon im letzten Jahr gestaltete sich dieses Vorhaben schwierig. „Viele der Jungvögel sind mittlerweile ebenfalls flügge und fliegen mit ihren Eltern schon über den See“, beschreibt Andritzke die Problematik der Erfassung, „nur ein Teil der Brut sitzt noch auf den Flößen.“ Insgesamt könne man aufgrund der Teilergebnisse vorangegangener Kontrollen aber von einer Zahl von etwa 60 Jungvögeln für die aktuelle Brutzeit ausgehen. „Das ist fast eine Verdoppelung des letzten Jahres“, zeigt sich Horst Andritzke stolz und fügt hinzu: „Es ist eine großartige Motivation für unsere weitere Arbeit.“ So werden die Naturschützer des VFUL auch im nächsten Jahr wieder das Überleben der Flussseeschwalbe am Wittensee sichern.

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