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Eckernförder Zeitung

23. November 2017 | 12:30 Uhr

Kohlenkasten, Priem und Ondulierschere

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kindheitserinnerungen an den großmütterlichen Tabakladen, Erlebnisse im Friseursalon und Spiele mit den Mädchen

Als Kleinkind bin ich zwischen Kohlenkasten, Priem und Ondulierschere aufgewachsen. Ich habe Kohlen aus dem Kohlenkasten in der Küche rundgelutscht, weil ich Milch nicht vertrug, um damit den Durchfall zu stoppen (hätte Medizinmann werden können). Lebte im Haushalt meiner Großmutter, die einen Tabakladen besaß. Robbte, des Gehens noch nicht mächtig, in den Friseurladen, neben dem Geschäft meiner Oma, um dort von den Damen unter den Trockenhauben von Schoß zu Schoß durchgereicht zu werden, um die Dichtigkeit meiner Windeln auszuprobieren.

Ich sah nicht gut aus, schwarz von der Kohle, behaart durch Schnittreste auf dem Boden, nass durch lecke Windel. Ziel war immer dieser Salon Beckmann, denn hier verkehrten Frauen der Fabrikanten, die sich die Haare ondulieren ließen und anschließend den Damenstift (Priem) bei meiner Großmutter kauften (das zog sich hin bis nach dem Krieg).
Trotz magerer Zeiten gab es hier im Salon gebrannte Mandeln, Schokolade und Pralinen, alles gegen Zähne, ich glaube, ich hatte noch keine.

Ich wohnte in der Komtur 7 in Herford. Hinter unserem Haus befand sich ein großer Hinterhof, der sich über Häuser 3,5,7,9 und 11 hinzog. Es gab eine Garage, einen Hühner-und Kaninchenstall, eine Waschküche, eine Laube, einen Kirsch- und einen Fliederbaum, eine Bleiche und einen Stachelbeerstrauch, Zugang nur durch unseren Hausflur. Der ideale Spielplatz mitten in der Stadt. Ich spielte dort mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Kinder ist nicht exakt, denn es waren alles Mädchen, alle etwas älter als ich (Jungen kamen erst später, durch Flüchtlinge und Übersiedler dazu). Als einziger Junge war ich in den Spielen, wenn es um Puppen ging, immer der Vater.

Da Mädchen wohl von Haus aus sexuell neugieriger sind, wurde ich Objekt der Begierde. Gutmütig gab ich mich denen hin, zeigte ihnen, was sie neugierig machte. Doch die Gegenleistungen waren sehr gering, denn die Mädchen zeigten sich mit Hose runter immer nur von hinten. Mag auch an meinem damaligen Desinteresse gelegen haben. Mich haben sie aber immer freigelegt, unten herum.

Doch ganz unbewusst habe ich dann Rache genommen, mir eine gegenleistende Befriedigung beschafft. Durch meine Vorkenntnisse bei den Friseurbesuchen als Baby, war ich geprägt. Ich habe dann beim Friseurspiel den Mädchen die Haarkränze mit der Schere aufgelockert, ihnen Affenschaukeln und Zöpfe abgeschnitten (immer nur einseitig).

Die Mütter von den Marlies’, Helgas, Ingrids und Erikas liefen Sturm bei meiner Mutter (an die sechs kann ich mich erinnern). Ich bekam Schläge, und nicht zu knapp. Richtig Mackes. Nur meine Oma, war die einzige, die zu mir stand, allein aufgrund des Altersunterschiedes zu meinen Kundinnen. Denn ich war der Minderjährigste unter Minderjährigen.

Wenn ich jetzt durch die Stadt gehe, und ich sehe ein Mädchen oder eine Frau mit nur einem Zopf oder einer asymmetrischen Frisur, mit Mütze, Hut oder Kopftuch, dann weiß ich weshalb …

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