Heringstage : Königin – ganz aus Versehen

Ein Blick in das Boot mit dem Fang aus der Reuse des Heringszauns soll dabei helfen, die richtige Pfundzahl zu tippen.
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Ein Blick in das Boot mit dem Fang aus der Reuse des Heringszauns soll dabei helfen, die richtige Pfundzahl zu tippen.

Teilnehmerin wider Willen Bettina Sörensen landet auf den Heringstagen bei der Heringswette mit 78 Pfund einen Volltreffer. Stadtvertreter Christian Andresen ist neuer König.

shz.de von
15. Mai 2015, 06:42 Uhr

Kappeln | Die Heringstage haben begonnen und gestern Tausende Menschen nach Kappeln gelockt. Bis Sonntag erwartet die Besucher ein buntes Programm. 88 Leute haben diesmal gewettet, welche Menge an Heringen aus den Reusen geholt wird – unter ihnen wird jedes Jahr das neue Königspaar ermittelt.

Dabei soll es Menschen geben, die ihren Wettschein bereits ausfüllen, wenn die Heringe noch in der Reuse zappeln. Andere setzen einfach die Teilnehmerzahl, die ihnen zugeteilt wurde, als Gewicht des Fangs – ein bewährtes Rezept. Alle anderen werfen wohl doch einen genauen Blick auf die Zahl der Heringe, die jedes Jahr an Himmelfahrt im Netz schwimmen. An Bord des Rettungskreuzers „Nis Randers“ und des Segel-Oldtimers  „Gotland“ richteten sich die Blicke der Wettteilnehmer wie jedes Jahr auf ein kleines Motorboot. Dort präsentierten die Fischer den Fang aus der Reuse des Heringszauns.

Erstmals bei der Heringswette dabei war der Oppositionsführer im Landtag Daniel Günther (CDU). „Nimm deine Startnummer, das hat man mir damals gesagt“, gab Landtagsabgeordnete Heike Franzen dem Neuling als Tipp mit auf den Weg. Als Franzen sah, dass Günthers Zahl die 77 war, „warnte“ sie ihn allerdings. „Bei deiner Nummer kann das gefährlich werden“, so Franzen und meinte mit dieser Gefahr wohl die Königswürde. Günther entschloss sich letztlich für 85 Pfund und war damit „außer Gefahr“.

„In diesem Jahr haben wir einen Rekord aufgestellt. 88 Wetter – so viele waren wir noch nie“, sagte Dieter Clausen, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, bei der Begrüßung der mehr als 200 Gäste in der Koslowski-Halle. Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker erläuterte, dass die Stadt mit den Heringstagen nicht nur dem Hering huldige, sondern auch die lange Tradition Kappelns als Fischereistandort betone und die Einmaligkeit des Heringszauns in den Fokus stelle. Das Fazit der Bürgervorsteherin nach 36 Stadtfesten: „Die Heringstage als Kappelns fünfte Jahreszeit haben nichts von ihrer Strahlkraft verloren.“ Um 11.35 Uhr eröffnete Dagmar Ungethüm-Ancker dann die 37. Heringstage.

Landrat Dr. Wolfgang Buschmann meinte, dass neben der Stadt Kappeln auch den vielen Vereinen und Verbänden mit ihren Helfern Anerkennung gebühre. Das Stadtfest beschere dem regionalen Tourismus an Schlei und Ostsee einen ordentlichen Aufschwung. Und: „Solche Gemeinschaftsaktionen wie die Heringstage fördern die Zusammengehörigkeit von Bürgern und Vereinen und stiften Identifikation mit der Heimatstadt.“

Auch Daniel Günther war vom Engagement angetan. „Dieter Clausen und seine Mitstreiter machen eine richtig tolle Arbeit. Die Heringstage sind definitiv eine schöne Veranstaltung.“ Christopher Vogt, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag, nannte die vielen motivierten Bürger bei den Heringstagen ein „sichtbares Zeichen einer Erfolgsgeschichte privaten Engagements“.

Nachdem Ramona Strüven und Kreispräsident Ulrich Brüggemeier als alte Majestäten ihre Ketten abgeben mussten, machte es Werner Kinast, zweiter Vorsitzender des Verschönerungsvereins, bei der Verkündung des neuen Königspaares spannend: „Die Ergebnisse reichen von fünf bis 245 Pfund.“ Bettina Sörensen, Ehefrau des IHK-Vizepräsidenten Rolf-Ejvind Sörensen, legte bei ihrer Premiere mit den von ihr geschätzten 78 Pfund eine Punktlandung hin. „Eigentlich wollte ich gar nicht tippen, doch mein Mann hat versehentlich für zwei bezahlt“, sagte Sörensen. Und auch ihr Tipp sollte ganz anders ausfallen: Die Fahrdorferin hatte sich auf „erfahrene Kappelner“ verlassen. Die hatten weniger getippt, und Sörensen hatte sich daraufhin für ein höheres Gewicht entschieden. „Also, das alles ist ein absolutes Missverständnis“, sagte die 50-Jährige mit einem Lachen.

Ihr Partner ist Christian Andresen. „Damit habe ich nicht gerechnet, und geplant habe ich es auch nicht“, sagte der zweite stellvertretende Bürgervorsteher. Doch zumindest einen realistischen Tipp hatte er mit 79 Pfund doch abgeben wollen. Nun will Andresen erstmal die Statuten lesen und die Vorgänger um Rat fragen. Gerade Sabine Mau, Heringskönigin 2013, habe große Fußstapfen hinterlassen. Die beiden Majestäten regieren von nun an ein Jahr.

Am Vorabend der Heringstage hatte der Museumshafenverein Kappeln zum traditionellen Museumshafenfest auf die vereinseigene Brückenanlage im Südhafen eingeladen. Und dieses Angebot nahmen etliche hundert Besucher an. 30 Museumsschiffe hatten den Hafen angesteuert, die an Himmelfahrt die 29. Heringsregatta von Kappeln nach Sonderburg mitmachen wollten. Für gute Stimmung sorgte die Piratenband „Skorbut“ aus Bargteheide/Segeberg mit ihrer „Fischmusik aus dem hohen Norden“ im stilechten Piraten-Outfit.

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