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Der steinige Weg zum Job : Koch-Azubi aus dem Iran

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Pooya Habibi Kalahrudi lernt bei der Internatsstiftung Louisenlund

Der erste Monat ist fast rum und Pooya Habibi Kalahrudi aus dem Iran fühlt sich wohl in der Großküche der Internatsstiftung Louisenlund. Dort hat der 25-jährige Iraner zu Monatsbeginn eine Ausbildung zum Koch begonnen. Und auch sein Chef, Wolfgang Bahnsen, ist sehr zufrieden mit seinem neuen Auszubildenden. „Er ist wirklich sehr bemüht, motiviert und hat den Willen, was zu lernen“, sagt der Chefkoch über Pooya.

In der Küche des Internats wird Deutsch gesprochen, auch wenn viele Frauen und Männer aus Ländern wie Polen, Russland oder der Türkei kommen. Es sei nicht leicht, junge Leute für die Kochausbildung zu bekommen. Unbequeme Arbeitszeiten, dazu vielleicht noch der raue Umgangston in der Küche - das dürften einige der Gründe dafür sein dafür sein. Doch dafür seien die Berufschancen nach der Ausbildung umso besser, betont Bahnsen.

Pooya nimmt das gerne alles in Kauf, ist es doch sein großes Ziel, in Deutschland Fuß zu fassen. Vor rund zwei Jahren verließ der junge Iraner seine Heimatland, vor etwa 18 Monaten erreichte er nach einer wahren Odyssee Deutschland. Über den Grund seiner Flucht, über Politik und Religion, will Pooya in der Öffentlichkeit nicht reden. Über Düsseldorf und Neumünster kam er schließlich nach Fleckeby, wohnte dort in der Flüchtlingsunterkunft im Appeljord. In Kürze wird er aber eine eigene Ferienwohnung im Dorf beziehen. Seine Eltern und Schwester sind noch im Iran, er hält Kontakt zu ihnen

„Viele wollen arbeiten, das geht aber nicht “, beklagt sich Pooya. Sein Asylverfahren läuft bereits seit zwei Jahren, doch eine Entscheidung steht immer noch aus. Mittlerweile hat er sich anwaltliche Hilfe gesucht, um den Behörden Druck zu machen. „Syrer werden in dem Genehmigungsverfahren vorgezogen“, sagen Karla Hoppe und Dr. Rolf Wenzel. Beide sind Lehrer im Internat und engagieren sich ehrenamtlich im Willkommenskreis Fleckeby. Sie haben etliche Behördengänge hinter sich, um gemeinsam mit Pooya alle erforderlichen Dokumente und Papiere zu beantragen und einzureichen. Außerdem mehrere Telefonate mit der Ausländerbehörde in Rendsburg und dem Bundesamt für Migration in Nürnberg . „Vieles war einfach nicht nachvollziehbar“, sagt Karla Hoppe rückblickend über den bürokratischen Wust. Das schrecke auch Arbeitgeber ab, einen Flüchtling einzustellen. „Das Verfahren muss vereinfacht werden“, sagt auch Rolf Wenzel (s Interview unten auf der Seite). Asylbewerber seien mit den Formblättern allein völlig überfordert. Gerne wollte Pooya ein Praktikum vor der Ausbildung machen oder als Hilfskraft arbeiten, mit dem Praktikum klappte es, mit der Hilfskraft nicht. Man habe auch den Eindruck gehabt, dass selbst die Mitarbeiter in den Behörden nicht immer wüssten, welche Regelungen aktuell gelten und anzuwenden sind, so Karla Hoppe.

Der Vorstand der Internatsstiftung, die Leitung und die Mitarbeiter waren offen dafür, Pooya die Chance zur Ausbildung zu geben, sagt Rolf Wenzel. Seine Politikgilde hat sich bereits in den vergangenen Monaten des Themas der Integration angenommen, die ausländischen Mitarbeiter halfen schon mehrfach als Dolmetscher für die Flüchtlinge in der Region aus.

Mit Küche und Kochen war Pooya im Iran nicht sehr vertraut. Er arbeitete in der IT-Branche, studierte außerdem in Malaysia Tourismus. Für die drei Jahre seiner Ausbildung hat Pooya Habibi Kalahrudi ein Bleiberecht, so viel ist sicher. Eine Ausweisung im Anschluss daran, ist beinahe ausgeschlossen. Er spricht fließend Englisch und schon sehr gut Deutsch. Gerne möchte der 25-Jährige nach der Ausbildung seine Kenntnisse im Bereich des Tourismus und des Kochens miteinander verknüpfen, „vielleicht ein Restaurant im Ausland leiten“, sagt er.  

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erstellt am 26.Sep.2015 | 06:33 Uhr

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