„Kleinod der Kultur strahlt in die ganze Welt“

Textil-Pflegesymbol-Etiketten als Kunst-Kleid von Stipendiatin Constanze Vogt.
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Textil-Pflegesymbol-Etiketten als Kunst-Kleid von Stipendiatin Constanze Vogt.

Schleswig-Holsteinisches Künstlerhaus in der Ottestraße feiert 20-jähriges Bestehen / Stipendiaten setzen wichtige kulturelle Akzente in der Region und weit darüber hinaus

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21. Juli 2015, 06:55 Uhr

Das Sommerfest im Künstlerhaus Ottestraße 1 unterschied sich von üblichen Sommerfesten durch „Nichts“: Kein Bier, keine Girlanden, kein Blumenschmuck. Stattdessen ein frisch renovierter Ausstellungsraum. „Leer“ - aber nicht ganz: An den Wänden Grafiken, in der Mitte auf einem Ständer das „Kleid“ von Constanze Vogt: Ein Objekt aus abwaschbaren und mit absolut waschfester Farbe bedruckten Textil-Pflegesymbol-Etiketten. Unsichtbar auch das von Beatrix Wagner auf der Querflöte gespielte und von ihr gleichzeitig zu sprechende „heavy metal“ für Flöte solo von Gordon Kampe (Stipendiat 2010). 2008 hat er sich die Herausforderung für Spielerin und Zuhörer ausgedacht.

Damals wie heute provozieren die Stipendiaten, fordern zur Auseinandersetzung mit Gesehenem, Gehörtem und Gelesenem heraus. Seit 20 Jahren ist das Haus mit seinen Stipendiaten „ein markanter Punkt in der schleswig-holsteinischen Kulturlandschaftstopographie. „In einigen Jahren – so wage ich eine Prognose abzugeben - wird das Künstlerhaus in Eckernförde ein fester Bestandteil des Kulturlebens und nicht mehr aus unserer schönen Stadt wegzudenken sein,“ hatte der damalige Bürgermeister Klaus Buß die Eröffnung der Ausstellung „Raum bezogen - raumbezogen“ im damals neuen Künstlerhaus eröffnet. Recht hatte er. Was vor 20 Jahren durch den Umzug des Künstlerhauses von Selk nach Eckernförde begann, wurde durch unermüdliche, ehrenamtliche Begleitung und Einsatz zu einem Kultur-Leuchtturm der besonderen Art. Nicht nur für Eckernförde. „Marianne Tralau, ehemalige Stipendiatin und Constanze Vogt, aktuelle Stipendiatin, haben eine gemeinsame Ausstellung konzipiert. Beatrix Wagner, ehemalige Stipendiatin, hat sich bereit erklärt, für einen musikalischen Beitrag zu sorgen.“ Soweit die Einladung. Was sich darin so einfach liest, fordert in der Praxis massiv heraus: Zur Auseinandersetzung, zum Nachdenken, zum drüber sprechen und streiten und zur wundersamen Erkenntnis, welche Wichtigkeit anscheinend unwichtige Kleinigkeiten im Leben haben können.

Dazu gehören Grafiken von Marianne Tralau. Oberflächlich betrachtet sind es grobe Kritzeleien, der Sinn dahinter ist weitaus tiefer. Die Worte „Das ist nicht schön“ verteilt sie auf quadratischem Papier und ermutigt, sie in veränderter Reihenfolge zu lesen. Schon wird ein Frage daraus: „Ist das nicht schön?“ Die Antwort bleibt jedem selbst überlassen, das Nachdenken über den Inhalt auch. Aber die Frage ist unvergessbar gestellt.

Jutta Johannsen aus dem Vorstand des Fördervereins gab einen kurzen Abriss über die aufwändigen, teils auch über die Maßen herausfordernden Projekte des Künstlerhauses. Dazu gehört auch die Jurierung von Bewerbungen: „Auspacken, bewerten, einpacken, zurückschicken. Damals, in Zeiten ohne E-Mail und Internet mehr als eine Fleißaufgabe.“ Teils über 300 Bewerbungen jährlich werden bearbeitet. Derzeit bearbeitet Gerald Eckert 40 Online-Bewerbungen aus dem Bereich Musik und Dr. Sandfuchs vom Literaturhaus Schleswig-Holstein 60.
Spektakuläre Aktionen wie die mit 6000 Holzstückchen, die in Zusammenarbeit mit der Jungmannschule verbunden und dann der Ostsee überlassen wurden, wirkten noch lange nach. Noch Jahre später erreichten Mitteilungen von Findern aus aller Welt das Künstlerhaus.

„Nachdem der Ausstellungsraum renoviert und fertiggestellt ist, wären nun die Außenfassade und Ateliers dran“, wies Jutta Johannsen auf kommende Herausforderungen hin. Sie war glücklich, das es zusammen mit dem Museum gelungen sei, eine FSJ-Stelle einzurichten. „Dieses Kleinod der Eckernförder Kultur strahlt in die ganze Welt“ betonte der stellvertretende Bürgermeister und 2. Stadtrat Jörg Meyer (SPD). Recht hat er – und gelangt möglicherweise auch zur Erkenntnis, alsbald weitere Mittel für die Erhaltung und Pflege des Hauses bereitzustellen.


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